Welzheim

Für die Welzheimer steht trotz Corona fest: „Advent bleibt es trotzdem“

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Wie kommt trotz des verschärften Lockdowns weihnachtliche Stimmung im Advent auf? © contrastwerkstatt - Fotolia

Die Weihnachtsmärkte sind abgesagt, die Restaurants geschlossen. Gemütliche Adventssonntage fallen flach, weil sich im Moment höchstens fünf Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen. Wie kommt man da in Stimmung für das Fest? Die Welzheimer scheinen der Adventszeit mit Gelassenheit und einem gewissen Fatalismus entgegenzusehen.

Der Blumenladen in der Welzheimer Wilhelmstraße ist mit Miniatur-Tannenbäumchen und vielen Lichtern geschmückt. Susanne steht davor und zuckt die Achseln. Sie trägt keine Maske; die Augen unter dem grauen Kurzhaarschnitt zwinkern humorvoll. „Jetzt hemmer des ganze Jahr nix g’het“, sagt sie, „ond jetzed müsset wir da vollends durch.“ Sie ist selbstständig, vertreibt Putzmittel und wäre normalerweise an den ersten zwei Wochenenden auf dem Welzheimer Adventsmarkt gestanden. Der dieses Jahr nicht stattfindet. Mit der Familie wird sie hoffentlich feiern dürfen, aber ob die Silvesterparty mit Freunden steigt, weiß sie (noch) nicht. „Sonst bleibet mir halt zu zweit dahoim“, sagt sie. Ärgern über den Lockdown tut sie sich nicht; der sei nötig, meint sie, damit alles so schnell wie möglich wieder normal wird. Das sei schließlich auch gut für ihr Geschäft.

Die junge Mutter, die den Sportwagen samt Filius die Stufen vor der Bäckerei hinunterlupft, ist vor allem froh, dass ihr Halbtagsjob und das Kurzarbeitergeld ihres Mannes den Haushalt am Laufen halten. „Schenken tun wir uns nicht viel dieses Jahr“, sagt sie, „wir sind lieber vorsichtig, schließlich wissen wir nicht wirklich, was noch kommt.“ Der Besuch bei den Eltern ihres Mannes in Nordrhein-Westfalen zu Weihnachten wird - auch wenn er trotz Teil-Lockdown möglich wäre - wohl eher nicht stattfinden. Die Schwiegermama hat es mit dem Herzen, da riskiert man lieber nichts. „Wir müssen halt telefonieren“, sagt sie.

Jana (16) und Luisa (17) stehen vor der geschlossenen Eisdiele in der Sonne. Dass sie dieses Jahr nicht durch das Welzheimer Weihnachtsdorf bummeln dürfen, und dass die Silvester-Fete, die sie normalerweise mit ihren Freunden feiern, ziemlich wahrscheinlich gecancelt werden muss, finden sie zwar ausgesprochen doof, tragen die Sache aber mit Fassung. „Wir feiern einfach nächstes Jahr nach“, meint Jana lächelnd, „aber dann richtig, und mit allen zusammen.“

Bummeln gehen, meint das ältere Ehepaar auf dem Hermann-Schlotterbeck-Platz, macht dieses Jahr nicht wirklich Spaß, „und überhaupt“, erklärt sie entschieden, „ist Stuttgart uns viel zu voll“. Kinder haben sie nicht, beschenken tun sie sich nur gegenseitig, und da wird man glücklicherweise auch in Welzheim fündig. „Wir haben doch sowieso schon alles“, sagt er.

Trotz der Corona-Krise ist es eine Zeit zum Besinnen

Die freundliche Frau aus dem Hausbibelkreis in Breitenfürst, der auf dem Kirchplatz einen kleinen Büchertisch aufgebaut hat und Kalender verschenkt, hat mit den liebgewordenen Äußerlichkeiten im Advent wenig im Sinn. „Es ist eine Zeit zum Besinnen“, sagt sie, „für mein persönliches Leben.“ Das Einzige, was ihr leidtut, ist, dass sie ihre Mutter im Moment nicht besuchen kann; die fürchtet sich vor Ansteckung, und das kann sie verstehen. An Heiligabend wird sie zu Hause den Text aus dem Lukasevangelium lesen, über die Geburt Jesu. „Das ist doch der eigentliche Sinn von Weihnachten.“ Und der, da ist sie sich sicher, bleibt auch im Lockdown bestehen.

Die Weihnachtsmärkte sind abgesagt, die Restaurants geschlossen. Gemütliche Adventssonntage fallen flach, weil sich im Moment höchstens fünf Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen. Wie kommt man da in Stimmung für das Fest? Die Welzheimer scheinen der Adventszeit mit Gelassenheit und einem gewissen Fatalismus entgegenzusehen.

Der Blumenladen in der Welzheimer Wilhelmstraße ist mit Miniatur-Tannenbäumchen und vielen Lichtern geschmückt. Susanne steht davor und zuckt die Achseln.

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