Welzheim

Ferienexpress: Mit dem Wiesel von Oberndorf nach Welzheim

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Der Ferienexpress kam um 10.24 Uhr in Welzheim an. © Sarah Utz
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Regine und Werner Deuschle radeln mit ihrem Enkel von Welzheim zum Ebnisee. © Habermann / ZVW
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Vincent Wiesinger (2. v. r. vorne) und seine Familie bei der Ankunft in Welzheim. © Sarah Utz

Welzheim. Sonst liegt sie werktags brach, die idyllische Waldbahnstrecke zwischen Oberndorf und Welzheim. Am Montag gab es eine Ausnahme: Der Ferienexpress fuhr zum VVS-Tarif bis nach Welzheim. Mit Erfolg. Der Wiesel war rappelvoll mit Ausflüglern, die mit Fahrrädern, Wanderstiefeln, Sack und Pack den Tag auf dem Welzheim Wald und im Wieslauftal verbringen wollten.

Wenige Minuten vor Abfahrt quillt das Gleis in Oberndorf fast über. „Da kommt er“, ruft ein aufgeregtes Kind. In diesem Moment ertönt auch schon das Signalhorn des Wiesels, der von Rudersberg aus um die Kurve kommt. Es ist nur ein einzelner Wagen und als die Menschen mit Rucksäcken, Kinderwagen und Fahrrädern ins Innere strömen, kommen kurze Zweifel auf, ob alle hineinpassen.

Ferienexpress sollte öfter fahren

Man quetscht sich durch und am Ende hat fast jeder einen Sitzplatz. Selbst wenn man zu siebt unterwegs ist, wie die Familie des elfjährigen Vincent Wiesinger. Vincent ist mit seinen Eltern und den vier Geschwistern unterwegs. Sie fahren bis Welzheim und wollen dann zu Fuß durch den Wald zurück zum Auto laufen: „Wir wandern durch die Wieslauftalschlucht zurück nach Oberndorf. Wir haben extra Picknick für alle eingepackt.“ Bei dem heißen Wetter wollen sie unterwegs die Füße im Wasser baumeln lassen. Die Kinder und vor allem auch die Eltern würden sich wünschen, dass der Ferienexpress während der Sommerferien öfter einmal fährt - gerne auch in den Herbstferien, da sei es nicht so heiß wie am Montag bei bis zu 29 Grad.

Angebot zum Ferienstart sorgt für Freude

Werner und Regine Deuschle aus Rudersberg haben ihren kleinen Enkel aus München zu Besuch und wollen ihm etwas Besonderes bieten. Mit dem Fahrrad soll es von der Endstation Welzheim erst zum Ebnisee und dann zur Laufenmühle gehen. Werner Deuschle ist fast jedes Mal dabei, wenn sich der Wiesel wieder einmal durch den Welzheimer Wald schlängelt. Gerade weil die Strecke und die damit verbundenen Freizeitaktivitäten so toll sind, bedauert er es, dass der Wiesel nicht häufiger fährt. Dass es jetzt zum Ferienstart dieses Angebot gibt, hat ihn besonders gefreut. „Ich glaube, der Stadt fehlt das Gefühl dafür, wie groß der Bedarf ist.“

Vierjähriger kennt sich im Wieslauftal bestens aus

Ebenfalls mit den Enkeln unterwegs ist Reinhold Strauss. Mit Bahnausflügen trifft er bei den beiden immer auf wilde Zustimmung. Der vierjährige Max liebt das Bahnfahren und kennt sich in der Wieslauftal bestens aus: „Opa, Opa, guck!“ Der junge Eisenbahn-Experte klebt fast mit der Nase an der Scheibe und erkennt die Laufenmühle und das Viadukt sofort.

Der Wiesel kommt an - vielen reicht die einmalige Fahrt nicht

Strauss freut sich sehr, dass der Wiesel fährt: „Ich würde mir wünschen, dass ich das Angebot öfter nutzen kann. Es wäre toll, wenn die Stadt mehr Bewusstsein dafür entwickelt, dass viele Leute den Wiesel als Freizeitangebot häufig nutzen würden.“ Gleichzeitig hat er auch Verständnis dafür, dass der finanzielle Aufwand sehr hoch ist. Was die Informationen zur Fahrradmitnahme angeht, könne man noch nachlegen. Es werde explizit dafür geworben, dass man tolle Radtouren unternehmen könne. Zu welchen Bedingungen man das Rad mitnehmen dürfe, sei aber trotz Recherche nicht ganz klar gewesen. Es war umsonst.

Strecke "ganz versteckt und romantisch"

Mit dem Fahrrad ist auch Christiane Föhrer unterwegs zu Freunden. Auf dem Gepäckträger ihr Kind im Kindersitz. „Wir zu zweit den Berg hoch? Das geht nicht.“ Sie findet auch, der Wiesel könnte öfter fahren. Die Strecke hat es ihr besonders angetan, weil sie so „ganz versteckt und romantisch“ liege.

„So idyllisch!“ Die Frauen der Wandergruppe aus dem Rems-Murr-Kreis sind sich einig. Und die Strecke finden sie ganz besonders schön. Weil das Wetter heute passe, nähmen sie den gesamten Rückweg zu Fuß.

Tür zum Fahrerhäuschen steht während der Fahrt offen

Besonders gut kann man die Strecke vom Fahrerhäuschen aus bewundern. Der Zugführer lässt während der gesamten 24-minütigen Fahrt die Türe weit offen stehen. Wer sich aus den hinteren Waggonteilen zwischen Fahrrädern und Kinderwagen hindurchgedrängelt hat, kann mit etwas Geduld einen Blick über die Schulter des Fahrers werfen. Es lohnt sich.


Weitere Fahrten

Für den Ferienexpress wird es voraussichtlich noch eine zweite Fahrt zum Ende der Ferien geben. Genau wie an diesem Montag: Abfahrt morgens um 10 Uhr und am Nachmittag um 16.30 Uhr zurück. Wegen der Bauarbeiten bei der Laufenmühle kann der Termin erst kurzfristig bekanntgegeben werden.

Anne Rößle (Stadt Welzheim) organisiert die Fahrten. Ihrer Erfahrung nach wird der Wiesel gerne für Freizeitausflüge genutzt. Eine Fahrgastbefragung soll klären, wie der Ferienexpress ankommt. Trotzdem: Derzeit ist nicht geplant, den Wiesel als Freizeitbahn häufiger bis nach Welzheim fahren zu lassen. Grund ist der hohe organisatorische und finanzielle Aufwand.

Zwischen Schorndorf und Welzheim verkehrt sonntags die Schwäbische Waldbahn. Eine Fahrt mit der Dampfbahn für die gesamte Strecke kostet für Erwachsene 14 Euro, für Kinder (4 bis 16 Jahre) 7 Euro. Günstiger kommt man mit dem Wiesel durch den Welzheimer Wald: Pro Fahrt zahlt man 9 beziehungsweise 4,50 Euro. Der Zug fährt je dreimal täglich ab Schorndorf und Welzheim ab. Fahrkarten gibt es im Vorverkauf oder direkt in der Bahn. Mehr Infos unter www.schwaebische-waldbahn.de