Welzheim

Fußgänger totgefahren: Prozess beginnt

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Kaisersbach/Stuttgart. Ein 20-jähriger Mann muss sich vor dem Landgericht Stuttgart wegen versuchten Mordes verantworten. Er soll im Sommer 2017 bei Kaisersbach einen 22-Jährigen überfahren haben. Das Opfer starb. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, er habe den Verletzten einfach seinem Schicksal überlassen. Der Prozess beginnt diesen Mittwoch.

Der Angeklagte sitzt seit 11. September vergangenen Jahres in Untersuchungshaft, bestätigt das Landgericht Stuttgart. Es sind insgesamt sechs Verhandlungstage angesetzt.

Der tödliche Unfall ist am Samstag, 8. Juli 2017, in den frühen Morgenstunden passiert. Damals soll der Angeklagte „in alkohol- und drogenbedingt fahruntüchtigem Zustand“, wie die 2. Große Jugendkammer schreibt, auf einer Kreisstraße zwischen Kaisersbach und Alfdorf unterwegs gewesen sein. Zu schnell gefahren war der Mann außerdem, so der Vorwurf. Deshalb habe er zu spät gesehen, dass auf der Straße ein Betrunkener lag.

Vorwurf: Versuchter Mord und fahrlässige Tötung

Der 20-Jährige soll den Mann überfahren haben. Nach kurzem Stopp habe er seine Fahrt fortgesetzt, ohne einen Notruf abgesetzt oder dem Opfer anderweitig geholfen zu haben. Die Polizei kam dem jungen Unfallflüchtigen schnell auf die Spur. Am Ort des Geschehens hatte man Kennzeichen und Wrackteile gefunden.

Der Vorwurf lautet nun auf versuchten Mord und auf fahrlässige Tötung. Hält das Gericht daran fest, muss der junge Mann mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

Unfallflucht könnte als Mordmerkmal gewertet werden

Weshalb dem jungen Mann sowohl versuchter Mord als auch fahrlässige Tötung vorgeworfen werden, erklärt sich so: Der Fahrer hat sich möglicherweise zunächst einer fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. Er beging allem Anschein nach Unfallflucht, um diese Straftat zu verschleiern. Ein solches Verhalten könnte das Gericht als Mordmerkmal werten. Es könnte sich rein juristisch um versuchten, nicht um vollendeten Mord handeln: Das Opfer hätte früheren Angaben zufolge nicht mehr gerettet werden können. Also hat der 20-Jährige den Mann nicht dadurch getötet, dass er einfach weggefahren ist.

Viele offene Fragen

Das Strafmaß hängt natürlich entscheidend davon ab, weswegen der 20-Jährige verurteilt werden wird.

Nicht nur wegen dieser juristischen Besonderheiten wird die Verhandlung mit Spannung erwartet. Viele offene Fragen werden zu klären sein.

Beispielsweise hatte der 20-Jährige aus dem Raum Welzheim im Sommer behauptet, zwei weitere Personen seien im Auto gesessen.


Unsere Berichterstattung zum Fall können Sie hier noch einmal nachlesen:

08.07.2017: Fußgänger tödlich verletzt - Unfallfahrer ermittelt

11.07.2017: Fußgänger tot: Fahrer war alkoholisiert 

03.11.2017: Ein Leben lang schuldig