Welzheim

Gastronomie in Welzheim und Kaisersbach: Erleichterung über Öffnung, teils Unverständnis für Vorschriften

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Endlich: Heiko Eisenmann vom Lamm in Welzheim darf wieder Gäste empfangen. © Gaby Schneider

Etwas Zeit mitbringen – das ist keine schlechte Idee, um den Lieblingsbiergarten, das Stammrestaurant, Cafés und Eisdielen genießen zu können. Überall gelten die aktuellen Coronabestimmungen „geimpft, getestet, genesen“. Die meisten Gäste bringen trotz der Hürde mit dem Zugang auch das vierte G mit: Gute Laune. An den Eingängen, so ist zu hören, überwiegt das Verständnis.

Wer in Welzheim und Umgebung unterwegs war, hatte die Qual der Wahl. Etliche Wirte haben in der ersten Woche geöffnet und finden in die Gastgeberrolle zurück: „Wir freuen uns über jeden Gast, den wir bewirten können und darüber, wieder ein Stück Daseinsberechtigung bekommen zu haben“, sagt Heiko Eisenmann, Inhaber des Lamm in Welzheim.

Fast alle wissen Bescheid, was sie vorzeigen müssen

Er stand am Abend vor Fronleichnam zum ersten Mal wieder vor und bei seinen Gästen: Spontanentschlossene, die kurzfristig einen Test gemacht hätten ebenso wie jene, die vorher einen Tisch reserviert hatten. „Fast alle wussten Bescheid, was sie vorzeigen müssen.“ Nur ein paar wenige freie Plätze habe es gegeben, und dies nicht durchgehend. „An jedem Tisch hat’s Leut’, der Garten ist gut besucht“, quittiert der Gastronom den ersten Andrang. Für den Feiertag hatte er gleich ein paar Tischreservierungen im Buch stehen.

Trotz aller Einschränkungen ist die Aussicht auf Gastronomie und Kulinarik ein Magnet: Bei der sommerlichen Hitze zieht es die Menschen raus. Sie nutzen die neu gewonnene Freiheit und lassen sich nach langem Darben gastronomisch umsorgen. Endlich kein lauwarmes Essen mehr aus dem Plastiknapf löffeln, endlich ein gekühltes Bier vom Fass und die Cola auf Wunsch mit Eiswürfeln, so dass das von freundlichen Mitarbeitern an den Tisch gebrachte Glas ordentlich beschlägt. „Die, die da waren, haben es genossen. Und wir als Gastgeber natürlich auch“, so Eisenmann.

„Ich bin nicht Wirt geworden, um Gesundheitsprüfungen zu machen“

Kleinere Pannen? Eine fällt Heiko Eisenmann ein: ein Ehepaar. Stammgäste. Beide waren beim Test in Welzheim. Sie zeigt am Eingang ihr negatives Ergebnis auf dem Handy. Er bleibt am Schild stehen, denn seine App zeigt es noch nicht an. „Ich hätte ihn so gerne reingebeten, fand es selbst so schade, dass sie warten müssen, aber ich darf ihn nur mit gültigem Test reinlassen“, sagt Eisenmann. Die Geschichte geht gut weiter: „Das Testergebnis kam, als beide saßen, bekamen sie zur Begrüßung erst mal zwei Glas Sekt spendiert“, schildert Heiko Eisenmann, wie ihm wie allen Wirten die Hände gebunden sind. Seine beiden Köche schmeißen den Laden, damit er sich den Gästen widmen kann, prüfen, erklären, schauen, ein Auge drauf haben. „Es ist eigentlich ja nicht unser Job, ich bin ja nicht Wirt geworden, um Gesundheitsprüfungen zu machen, aber das ziehen wir jetzt durch“, trägt er die neue Aufgabe mit Fassung. Die Gäste auch. Bei allen überwiege die Erleichterung, „endlich wieder in die Wirtschaft sitzen zu können“.

Wirte freuen sich, das Wetter macht mit, die Außengastronomie brummt– insbesondere am Feiertag. Eine Ausnahme ist Gajas Welt, das vegane Restaurant in Ebni: Inhaberin Claudia Bihlmaier möchte, wie sie schreibt, noch zuwarten, „bis sich alles normalisiert“ hat. Sie meint die Verordnungen, die aus ihrer Sicht zu viel Zeit verschlingen. Zeit, die ihr für die Bewirtung der Gäste fehle. Auf Nachfrage lässt sie den Starttermin noch offen. „Eine Woche mehr oder weniger, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an“, sagt sie.

Vor Fronleichnam und am Feiertag herrschte auch am Ebnisee reger Betrieb. Im Biergarten „Waldschänke“ saßen Leute, auch der Kioskbetreiber sah mal wieder Gäste vor seinem Kiosk. Das Restaurant „Himmelreich“ hatte am Feiertag erstmals nach der langen Zeit wieder seine Pforten geöffnet. Der Biergarten von Reich blieb geschlossen, aus Gründen des fehlenden Personals sei sein Biergarten organisatorisch mit all den Nachweisen nicht zu schaffen, sagte Geschäftsführer und Inhaber Volker Reich: „Ich müsste ums ganze Gelände Bauzäune aufbauen, das ist nicht machbar.“ Für Prüfung und Kontaktdatenerfassung fehle Personal. „Ich hab nicht mal Köche.“ Dass er nur langsam wieder hochfahren kann, mit kleinerer Karte, hatte er schon einige Tage vor der Wiedereröffnung durchblicken lassen. „Von fünf Köchen haben vier gekündigt, zudem die Restaurantleiterin“, hatte er auf Nachfrage der Welzheimer Zeitung seine Personalsituation geschildert. „Wir leben in der Branche in ständiger Unsicherheit, wann und wie lange wir öffnen dürfen. Das will keiner, der eine Familie plant“, so Reich.

Auch Thomas Linzmair im Biergarten am Tannwald und Team hätte sich einen weiteren Mitarbeiter gewünscht, obwohl er seine Stammtruppe behalten konnte und sogar noch zwei neue einstellen konnte: „Die Nachweise binden eine Person, was sehr aufwendig ist.“ Für Linzmair ist nach dem Feiertag „noch Luft nach oben, viele Gäste scheuen die Auflagen.“ Einigen sei die Rigorosität der Maßnahmen sauer aufgestoßen. „Es hatte niemand Verständnis für die Tests in einem Außenbereich.“ Linzmair bedauert, „sehr viele abweisen“ zu müssen.

Etwas Zeit mitbringen – das ist keine schlechte Idee, um den Lieblingsbiergarten, das Stammrestaurant, Cafés und Eisdielen genießen zu können. Überall gelten die aktuellen Coronabestimmungen „geimpft, getestet, genesen“. Die meisten Gäste bringen trotz der Hürde mit dem Zugang auch das vierte G mit: Gute Laune. An den Eingängen, so ist zu hören, überwiegt das Verständnis.

Wer in Welzheim und Umgebung unterwegs war, hatte die Qual der Wahl. Etliche Wirte haben in der ersten Woche

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