Welzheim

Geflüchtete Ukrainer im Welzheimer Wald: „Die Hilfsbereitschaft ist großartig“

Friedensdemo
Die Solidarität mit den geflüchteten Ukrainern ist groß. © Gabriel Habermann

Es ist jetzt fast auf den Tag genau zwei Monate her, dass der russische Präsident seinen Angriffskrieg auf die Ukraine begann. Laut Schätzungen des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen haben seitdem fünf Millionen Menschen das Land verlassen. Knapp drei Millionen haben im Nachbarland Polen Zuflucht gefunden. Rund 400 000 Personen sind nach Deutschland geflüchtet – und einige davon auch im Welzheimer Wald angekommen.

Wie viele Menschen sind seit Ende Februar angekommen?

Welzheim zählt aktuell 52 Geflüchtete aus der Ukraine, Kaisersbach zwölf und Alfdorf 54. Ein Großteil der Menschen ist privat untergekommen. In Kaisersbach gilt das für alle Ukrainer. In Welzheim sind 29 Menschen in Wohnungen, die der Stadt gehören beziehungsweise von ihr angemietet sind, und 23 Ukrainer privat untergebracht.

In Alfdorf leben zwei Familien in der kommunalen Flüchtlingsunterkunft, die laut Bürgermeister Ronald Krötz nun fast voll belegt ist. Eine Großfamilie mit 14 Personen befindet sich in einem eigens angemieteten Wohnhaus. „Es handelt sich hierbei um vier Erwachsene, zwei eigene Kinder und acht Pflegekinder“, so Krötz. Und acht Familien sind in Privatwohnungen untergebracht. Insgesamt zählt der Bürgermeister zwar 54 Personen, „diese Zahl kann aber nach oben abweichen, da Menschen auch durch Bekannte nach Alfdorf kommen. Sollten diese noch nicht angemeldet worden sein, worum wir dringend bitten, könnte es sein, dass es auch mehr sind“.

Gibt es noch Kapazitäten für die Aufnahme weiterer Geflüchteter?

„Aufgrund der stetigen Zuteilungen ist die Stadt weiterhin an privaten Wohnungen interessiert“, sagt Uwe Lehar, persönlicher Mitarbeiter des Welzheimer Bürgermeisters. Es gebe aktuell aber noch Kapazitäten. Und „derzeit werden städtische Immobilien ertüchtigt und so weiterer Wohnraum in den nächsten Wochen geschaffen“.

Auch in Kaisersbach rechnet man mit der Ankunft weiterer Menschen aus der Ukraine. „Wir haben deshalb vorsichtshalber eine kleine Notunterkunft vorbereitet. Darüber hinaus gibt es einige weitere Angebote für privaten Wohnraum, die wir in erster Priorität nutzen würden“, sagt Bürgermeister Michael Clauss.

In Alfdorf stehen derzeit nur noch wenige Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung, berichtet Bürgermeister Ronald Krötz. Außerdem gebe es noch einige Wohnungen, die der Gemeinde privat angeboten wurden. „Nichtsdestotrotz bitten wir um weitere Angebote für privaten Wohnraum, damit wir bei einer plötzlichen Zunahme der Flüchtlinge schnell reagieren und für eine angemessene Unterbringung sorgen können.“ Denn „mein vorrangiges Ziel ist es, die Menschen aus der Ukraine in Wohnungen unterzubringen“.

Für den Notfall könne die Gemeinde auch die Alte Halle als Unterkunft nutzen. „Dies möchte ich aber, wenn immer es geht, vermeiden.“ Noch deute zwar nichts darauf hin, „aber wir sind genauso realistisch und wissen, dass sich die Lage jederzeit ändern kann“.

Wie läuft die Koordination seitens der Gemeinden ab?

In Welzheim wurde ein Krisenstab eingerichtet, der einmal die Woche tagt. Alle drei Ämter der Verwaltung sind laut Uwe Lehar vertreten. „Dort werden die einzelnen Aufgaben verteilt und koordiniert, was fehlt und besorgt werden muss.“

Im Vordergrund hätten in den ersten Wochen vor allem die Beschaffung von Wohnraum und die Erstversorgung der Geflüchteten gestanden. Verschiedene Privatwohnungen seien zusätzlich zu den städtischen Unterkünften angemietet worden. Aber es finde auch ganz praktische Unterstützung für die Menschen statt. So habe das Integrationsmanagement verschiedene Flyer mit wichtigen Informationen erstellt und übersetzt. Auch gebe es im Bürgerbüro inzwischen ein übersetztes Anmeldeformular, um das Ankommen der Menschen zu erleichtern.

„Darüber hinaus haben sich zusätzlich zum Rathaus-Krisenstab auch die ehrenamtlichen Akteure auf Einladung von Bürgermeister Thomas Bernlöhr zu einem Runden Tisch Ukrainehilfe getroffen, um sich zu vernetzen und Angebote abzustimmen.“

Auch in Kaisersbach steht das Thema Ukraine im Moment ganz oben auf der Agenda. „Wir sind innerhalb vom Rathaus nahezu täglich im Austausch über die Menschen aus der Ukraine in Kaisersbach“, sagt Bürgermeister Michael Clauss. „Zudem halten wir den Kontakt zu Ehrenamtlichen, Unternehmen, Behörden, der Bürgerschaft und allen, die für die Menschen aus der Ukraine engagiert sind.“

In Alfdorf besteht der Krisenstab aus den Fachbereichsleitern sowie Vertretern des Ehrenamtes. Laut Bürgermeister Krötz komme dieser anlassbezogen zusammen. Zudem habe man im Rathaus gleich zu Beginn einen Leitfaden für das weitere Vorgehen festgelegt. Die Spenden- und Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung sei überdies sehr groß.

Deshalb habe man auf der Homepage eine eigene Meldeplattform eingerichtet – damit die Verwaltung zielgerichtet auf Angebote zurückgreifen kann. So hätten sich beispielsweise mehr als 40 Personen gemeldet, die den Geflüchteten als Paten zur Seite stehen wollen. Dabei gehe es um Anmeldungen bei den Behörden, Arzttermine, Besorgungen oder darum, Kontakte zu knüpfen. Über die Homepage würden darüber hinaus Wohnraum, Betten, Möbel oder Kleider angeboten. „Über diese Plattform konnten wir einen Großteil der Geflüchteten privat unterbringen“, so Krötz.

Außerdem habe das Rote Kreuz in Alfdorf vorgesorgt. Falls eine große Anzahl Menschen kurzfristig versorgt werden muss, stehen Feldbetten bereit.

An wen können sich Hilfswillige in den jeweiligen Kommunen wenden?

In Welzheim hat Paula Widmann vom Ordnungsamt die Koordination übernommen. Sie ist telefonisch zu erreichen unter derTel. 0 71 82/80 08 16 oder per E-Mail an die Adresse: widmann@welzheim.de.

Wer in Kaisersbach privaten Wohnraum für einen längeren Zeitraum zur Verfügung stellen kann, darf sich gerne an das Rathaus wenden. „Sachspenden machen nur bei einem konkreten Anlass Sinn“, sagt Bürgermeister Clauss. Dazu würde dann gegebenenfalls aufgerufen. Für Geldspenden verweist die Verwaltung an die großen Hilfsorganisationen beziehungsweise an den Verein für Willkommenskultur und Integration Kaisersbach. Zweckgebundene Spenden können mit dem Verwendungszweck „Ukraine“ auf die DE48 6029 1120 0091 0790 04 bei der Volksbank Backnang überwiesen werden.

Wer weiteren privaten Wohnraum in Alfdorf zur Verfügung stellen möchte, kann sich an die Gemeinde wenden, E-Mail-Adresse: gemeinde@alfdorf.de. Darüber hinaus gibt es ein Ehrenamtsteam, das vom Arbeitskreis Flüchtlinge (AKF) unterstützt wird, der 2015 entstanden ist, als viele Menschen aus dem Nahen Osten geflüchtet sind. Hier werden etwa Sprachkurse angeboten. Ehrenamtskoordinator ist der stellvertretende Bürgermeister Klaus Hinderer.

Angebote können über die Meldeplattform auf der Homepage unter https://www.alfdorf.de/aktuelles/news/hilfe-fuer-die-ukraine/umfrage mitgeteilt werden.

Ehrenamtliche Helfer können sich auch direkt bei Klaus Hinderer unter der E-Mail-Adresse khinderer@gmx.de melden.

"Ich bin sehr dankbar für das Engagement", sagt Krötz

Und nicht zuletzt gibt es den Verein „Füreinander Alfdorf“, der sich für die Menschen aus der Ukraine einsetzt. „Ich bin sehr dankbar für das große ehrenamtliche Engagement von Klaus Hinderer, dem AKF und den Bürgern, die sich nun aktuell gemeldet haben“, sagt Krötz abschließend. „Die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung ist großartig! Ich bin für die Hilfsbereitschaft und die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt, Verwaltung und Landkreis sehr dankbar!“

Es ist jetzt fast auf den Tag genau zwei Monate her, dass der russische Präsident seinen Angriffskrieg auf die Ukraine begann. Laut Schätzungen des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen haben seitdem fünf Millionen Menschen das Land verlassen. Knapp drei Millionen haben im Nachbarland Polen Zuflucht gefunden. Rund 400 000 Personen sind nach Deutschland geflüchtet – und einige davon auch im Welzheimer Wald angekommen.

Wie viele Menschen sind seit Ende Februar

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