Welzheim

Geruchsbelästigung sorgt für Ärger in Welzheim: Besteht für die Gesundheit eine große Gefahr?

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Öfen sollten laut Deutscher Umwelthilfe nicht mit Kohle zum Heizen benutzt werden. © Benjamin Büttner

Ein alter Herd, der schon seit knapp 30 Jahren genutzt wird in Welzheim, sorgt in der Murrhardter Straße und Ziegelstraße in Welzheim für Geruchsbelästigungen. Auf dem Herd wird jedoch nicht gekocht, sondern es wird eigentlich elektrisch gekocht. Der Herd wird dennoch mit Kohlebriketts betrieben, nämlich für das Heizen, so die Nachbarn. Eine Anwohnerin in der direkten Nachbarschaft sagt sogar: „Die täglichen Kohleimmissionen sorgen dafür, dass wir kaum mehr lüften können und wir permanent dem Feinstaub von dem mit Kohle betriebenen Herd ausgesetzt sind. Das ist für unsere Gesundheit eine große Gefahr.“

Ein Geruchsprotokoll von über 3000 Stunden liegt dem Amt für Umweltschutz des Landratsamt Rems-Murr vor. Wird der Herd überhaupt noch fürs Kochen benutzt, oder dient er als Vorwand? Oder wird er für das billigere Heizen mit Kohle statt des teureren Heizöls genutzt?

Die Stadtverwaltung Welzheim machte sich vor Ort ein Bild und konnte feststellen, dass man durchaus Gerüche wahrnimmt. Die Stadt Welzheim sei bei Immissionen und Emissionen jedoch nicht der richtige Ansprechpartner, daher erklärt das Amt für Umweltschutz vom Landratsamt Rems-Murr: „Wenn bei unserem Amt für Umweltschutz als untere Immissionsschutzbehörde eine Umweltmeldung (Rauchbeschwerde/Geruchsbeschwerde) eingeht - entweder direkt oder weitergeleitet von der Umweltmeldestelle beim Umweltministerium - dann ermitteln die Kollegen der Immissionsschutzbehörde den Sachverhalt. In der Regel genügt die Stellungnahme des Bezirksschornsteinfegers, weil sich der Verdacht eines unsachgemäßen Betriebs nicht bestätigen lässt. Für eine Anordnung (zum Beispiel Auflagen, dass der Kamin nur zu bestimmten Uhrzeiten oder nur mit bestimmten Brennmaterialien betrieben werden darf, bis hin zum Verbot) sieht das Bundesimmissionsschutzgesetz recht hohe Hürden vor.“

Wie schädlich sind die Immissionen und was kann getan werden?

Schädliche Umwelteinwirkungen sind laut Landratsamt Immissionen, die nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen. Die zuständige untere Immissionsschutzbehörde kann im Einzelfall erforderliche Anordnungen zu den Pflichten des Betreibers treffen: Demnach kann der Betrieb einer Feuerungsanlage eingeschränkt oder verboten werden. Die Immissionsschutzbehörde soll nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz den Betrieb einer Anlage untersagen, wenn die von einer Anlage hervorgerufenen schädlichen Umwelteinwirkungen das Leben oder die Gesundheit von Menschen oder bedeutende Sachwerte gefährden. Schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne dieses Gesetzes sind Immissionen, die nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen. „Dabei zählt das Durchschnittsempfinden, nicht die subjektive Geruchswahrnehmung Einzelner“, heißt es in der Stellungnahme des Landratsamts Rems-Murr.

„Ich habe Ihnen telefonisch dargelegt, dass wir seit geraumer Zeit durch die Feuerungsanlage erheblichen Feinstaub- und Geruchsemissionen ausgesetzt sind und dadurch bereits gesundheitliche Schäden provoziert wurden. Es liegt auch in Ihrer Verantwortung, künftig weitere gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Dadurch wiederhole ich an dieser Stelle unsere Erwartungshaltung an das Landratsamt, auf eine zeitnahe Stilllegung der Feuerungsanlage hinzuwirken“, heißt es in einem Schreiben der Hausbewohner, die in direkter Nachbarschaft des mit Kohle betriebenen Herdes wohnen, an das Landratsamt.

Dass Feinstaub und Smog die Atemwege belasten und schädigen, ist eine gut untersuchte Tatsache. Rund 63 000 Menschen sterben jährlich in Deutschland in Verbindung mit der schlechten Luftqualität. Unter anderem verursacht von alten Öfen und dem privaten Heizen. Und auch, dass Covid-19-Erkrankungen bei Menschen mit vorgeschädigter Lunge oft schwer bis tödlich verlaufen, ist inzwischen eine vielfach bestätigte Gewissheit. Dennoch verdient die Studie, die an der School of Public Health der Harvard-Universität durchgeführt wurde, höchste Aufmerksamkeit. Sie beweist nicht nur die hohe Gefährdung der Bevölkerung in luftverschmutzten Regionen. Sie zeigt auch, wo Gesundheitsbehörden und Mediziner auf hohe Fallzahlen schwerer Erkrankungsverläufe vorbereitet sein sollten, wo also besonders viele Krankenhausbetten, Intensivplätze und Beatmungsgeräte benötigt werden.

Tatsache ist, dass mikroskopisch kleine Verschmutzungspartikel aus Abgasen das Lungengewebe angreifen, unbemerkte Entzündungen verursachen und dadurch langfristig die Fähigkeit reduzieren, mit Infekten der Atemwege fertigzuwerden. Dadurch steigt das Risiko für Lungenkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und die Anfälligkeit für eine schwere Covid-19-Erkrankung.

Nun ist Welzheim als Luftkurort sicher nicht mit einer großen Metropole und deutlich erhöhtem Feinstaubaufkommen vergleichbar, und dennoch gilt es darüber nachzudenken, ob es heutzutage noch erlaubt sein sollte, einen Herd, der eigentlich zum Kochen dient, als Ofen fürs Heizen mit Kohle zu benutzen.

In Zeiten von Corona ist es wichtig, noch genauer hinzuschauen

Die Einwirkung der Feinstaub- und Geruchsimmissionen bestehe auch bei Windstille. „Es erfolgt eine quasi diffuse, laminare Verteilung der Gerüche und Partikel. Die Abgase aus dem Kamin strömen somit auf unser Grundstück und steigen dort am Haus durch die Thermik auf. Diese legen sich quasi wie ein permanenter Schleier auf unser Haus“, heißt es weiter seitens der Geschädigten in einem Brief an das Landratsamt. Durch Feinstaub können Herzkreislauf-, Lungenkrebs- und chronische Atemwegserkrankungen ausgelöst oder verschlimmert werden. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass diese Vorerkrankungen das Risiko eines schweren Verlaufes von Covid-19 erhöhen. Zudem gibt es Hinweise, dass die Immunabwehr durch Feinstaub geschwächt werden kann und in Gebieten mit starker Luftbelastung die Fallzahlen erhöht sind. Nicht zuletzt wird bei einer starken Geruchs- und Feinstaubbelastung durch Holzfeuerung in der näheren Umgebung das regelmäßige Lüften erschwert, welches das Robert-Koch-Institut (RKI) zu Präventionszwecken empfiehlt.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der im Winter stark ansteigenden Feinstaubbelastung ein Betriebsverbot für Scheitholzöfen ohne wirksame Abgasreinigung. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband appelliert an die Kommunen, künftig nur noch den Betrieb von emissionsarmen Anlagen mit wirksamen Partikelabscheidern, wie sie im Umweltzeichen „Blauer Engel“ definiert sind, zuzulassen. Anlass dazu ist eine jüngst veröffentlichte Studie von Forschern des Max-Planck-Instituts, die darauf hinweist, dass rund ein Viertel der Corona-Todesfälle in Deutschland durch Feinstaub in der Luft mitverursacht sein könnte. Eine der entscheidenden Quellen von Feinstaub sind Kaminöfen, die üblicherweise als Zusatzheizung oder aus Komfortgründen genutzt werden. Seit Beginn der Heizsaison sind laut Umwelthilfe diese wieder vermehrt im Einsatz und belasten die Luft vor allem in Wohngebieten.

Die Nachbarn und Geschädigten fühlen sich im Stich gelassen

„Unsere bisherige Botschaft zum Heizen mit Holz gilt angesichts der Corona-Pandemie umso mehr: Wirksame Emissionsminderungstechnik muss Standard werden! Ein Ofen sollte nur betrieben werden, wenn dieser die Anforderungen des Umweltzeichens Blauer Engel für Kaminöfen erfüllt oder mit einem wirksamen Partikelabscheider nachgerüstet ist. Schmutzige Bestandsöfen sollten entweder mit Abscheidern nachgerüstet oder durch einen solchen neuen Ofen ersetzt werden“, erläutert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Seit diesem Jahr gibt es den Blauen Engel für Kaminöfen. Als unabhängiges Umweltzeichen definiert er umweltschonende Produkteigenschaften. Um die strengen Kriterien des Blauen Engels einzuhalten, müssen Öfen mit einem wirksamen Partikelabscheider ausgestattet sein. Dadurch gelangen mindestens 90 Prozent weniger Partikel in die Umwelt. Erste Öfen mit dem Umweltzeichen sind seit Oktober verfügbar.

Zurück zum Fall in Welzheim: Unterm Strich bleibt an dem Beispiel in Welzheim festzuhalten: Im Zuge einer sauberen Luft sollte jeder Hausbesitzer darauf achten, möglichst umweltschonend zu heizen. Nur mit Kohlebriketts zu heizen kann nicht die Lösung sein, zumal ja nicht nur die Nachbarn von dieser dann schlechten Luft betroffen sind. Besonders in Zeiten von Corona, wo wir lernen, wie wichtig unsere Lunge ist, sollte man zumindest darüber nachdenken dürfen. Und dauerhaft einen Herd als Ofen zum Heizen zu betreiben ist laut dem Umweltministerium in Stuttgart ein Grund, so einen Herd stillzulegen.

„Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Das ist traurig und ich habe das Gefühl, dass wir nicht gehört werden wollen“, erklärt eine Frau aus der Nachbarschaft des mit Kohle betriebenen Herdes, die sich im Stich gelassen fühlt, und mit ihr zwei weitere Nachbarn auch. Das Ende ist nun, dass entweder ein Einsehen kommt, den Herd nicht mehr mit Kohle zu betreiben. Oder gelingt es den Nachbarn, den Druck in Richtung Landratsamt weiter hochzuhalten, damit die entsprechenden Behörden handeln?

Ein alter Herd, der schon seit knapp 30 Jahren genutzt wird in Welzheim, sorgt in der Murrhardter Straße und Ziegelstraße in Welzheim für Geruchsbelästigungen. Auf dem Herd wird jedoch nicht gekocht, sondern es wird eigentlich elektrisch gekocht. Der Herd wird dennoch mit Kohlebriketts betrieben, nämlich für das Heizen, so die Nachbarn. Eine Anwohnerin in der direkten Nachbarschaft sagt sogar: „Die täglichen Kohleimmissionen sorgen dafür, dass wir kaum mehr lüften können und wir permanent

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