Welzheim

Gut für die Nerven: Die Wegwarte ist auch im Welzheimer Wald zu sehen

Wegwarte
Wegwarte am Wegesrand zwischen Pfahlbronn und Breitenfürst. © Privat

Bis weit in den Oktober hinein, oft auch noch im November, blüht die Wegwarte auf Brachflächen, Weiden, an Wegrändern und auch auf den Kaisersbacher Kräuterterrassen. In der Pflanzenlegende heißt es, und daher hat sie ihren Namen, die blaue Wegwarte gehöre zum Hofstaat der sehr seltenen zauberkräftigen, weißen Wegwarte. Die soll einst ein Burgfräulein gewesen sein, dass bis heute am Weg auf die Rückkehr ihres untreuen Prinzen warte.

Die sich frühmorgens öffnenden Blüten der Wegwarte drehen sich nach der Sonne, ihre Kraft ist im Sonnenschein am größten. Am späten Nachmittag aber schließt die Wegwarte ihre Blüten, die daraufhin verwelken. Ein Naturdichter beschrieb einst, wie sie aufmerksamen Naturfreunden begegnet: „Da steht eine Blume,/Wo der Wind weht den Staub,/Blau ist ihre Blüte,/aber grau ist ihr Laub.“ Ein Fest für die Augen waren um 1900 die riesigen Felder voller weißer und blauer Blüten, die im Remstal auf dem Schmidener Feld bis zum Horizont zu reichen schienen. Während die Bauern im benachbarten Oeffingen aus ihren „Steinäckern“ immer wieder „Hand-Karren voll Steiner“ aus dem Boden holten, gehört das Schmidener Feld bis heute zu den besten Böden Deutschlands.

Von den dortigen hervorragenden Bedingungen hörte im benachbarten Ludwigsburg der Fabrikant Johann Heinrich Frank (1792-1867). Er suchte nach guten und großflächigen Anbaumöglichkeiten für die Wurzel der Wegwarte, auch Zichorie genannt. Gewaschen, getrocknet, geröstet und gemahlen wurde sie unter Beimischung von zum Beispiel Roggen, Eicheln, Kastanien, Löwenzahnwurzeln, Datteln oder Feigen zum Kaffee-Ersatz.

In Deutschland ist der Zichorienkaffee als „Caro-Kaffee“ aus Ludwigsburg bis heute bekannt. In der Welzheimer „Rösterei Laufenmühle“ ist diese Art der Kaffeeherstellung kein Thema. Die Kaffeebohnen kommen aus Äthiopien, Honduras, Brasilien, Peru, Papua und Sumatra. Und doch gibt es eine Verbindung von gestern zu heute. Wie die Schmidener Bauern den weitaus größten Teil ihrer über 700 ha großen Markung für den Zichorienanbau verwendeten und so ihre Lebensgrundlage in Zusammenarbeit mit der Ludwigsburger Firma Frank sicherten, so wichtig ist heute die „Rösterei Laufenmühle“ in den oben genannten Ländern. Unter dem Anspruch „fair, sozial, bio“ sichert sie vielen Kleinbauern die einzige Einnahmequelle, so auch den Kaffeeproduzentinnen der Kooperative „Aprolma“ in Honduras. In etwa 1500 Meter über NN bauen die Frauen den im Geschmack sanften, karamelligen Arabica mit dem Aroma der Haselnuss an, der dann irgendwann in den Tassen der Kunden und Freunde der „Rösterei Laufenmühle“ verlockend duftet.

Aus der nährstoffreichen Wurzel der Wegwarte entstand aber nicht nur Kaffee, gekocht sorgte sie auch für eine schmackhafte Soße. Und die vor der Blüte geernteten Rosettenblätter dienen Pflanzenkennern fein gehackt als Brotaufstrich oder gedünstet als Gemüse.

In der Volksmedizin hilft ein Tee aus der Zichorienwurzel bei der Magen- und Nervenstärkung, auch wirkt er schweiß- und harntreibend. Die Wegwarte gehört zu den vom Naturheilkundler Sebastian Kneipp (1821-1897) besonders geschätzten Pflanzen, in der Homöopathie ist sie heute aber wenig gebräuchlich.

Bis weit in den Oktober hinein, oft auch noch im November, blüht die Wegwarte auf Brachflächen, Weiden, an Wegrändern und auch auf den Kaisersbacher Kräuterterrassen. In der Pflanzenlegende heißt es, und daher hat sie ihren Namen, die blaue Wegwarte gehöre zum Hofstaat der sehr seltenen zauberkräftigen, weißen Wegwarte. Die soll einst ein Burgfräulein gewesen sein, dass bis heute am Weg auf die Rückkehr ihres untreuen Prinzen warte.

Die sich frühmorgens öffnenden Blüten der Wegwarte

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