Welzheim

Herausforderung durch Corona gestellt

Schule Welzheim
Gespräch mit genügend Abstand und deshalb ohne Maske über den Schulalltag in Corona-Zeiten mit Lehrern und Schülern der Abi-Klasse (von links): Die Lehrer Jörg Brehmer, Edeltraud Grassmann, Simon Schulz sowie die Schüler Robin Wenz und Marlene Jahnel. © Ralph Steinemann Pressefoto

Es sind besondere Zeiten. Abi zu machen ist auch etwas Besonderes. Doch Abi in Corona-Zeiten ist eine Herausforderung. Am Welzheimer Limes-Gymnasium, dessen Einzugsbereich von Welzheim über Alfdorf und Kaisersbach bis nach Rudersberg im Wieslauftal reicht, stellen sich Lehrer, Eltern und Schüler dieser Herausforderung. Marlene Jahnel, Jahrgangsstufe 2, 17 Jahre alt und aus Welzheim, sowie Robin Wenz, Jahrgangsstufe 2, ebenfalls 17 Jahre alt, aus Rudersberg-Steinenberg, sind zwei Schüler davon. Bei einem Gespräch mit unserem Mitarbeiter beschreiben die beiden zusammen mit den Lehrern Edeltraud Grassmann, Jörg Brehmer und Simon Schulz die Entwicklung seit dem Frühjahr und die derzeitige Situation.

Nicht bis ins letzte Detail vorplanen

„Wir haben im Frühjahr gelernt, nicht bis ins letzte Detail vorzuplanen, denn durch die Verordnungen des Landes Baden-Württemberg ändert sich dann doch wieder vieles“, sagt Edeltraud Grassmann, die sich zusammen mit dem stellvertretenden Schulleiter Rüdiger Wolff und mit anderen engagierten Kollegen um die Organisation und die Abläufe an der Schule im Welzheimer Schulzentrum kümmert. Denn zum letzten Schuljahresende ist der frühere Schulleiter Frithjof Stephan in den Ruhestand gegangen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Aber auch ohne Schulleiter läuft der Betrieb an dem Gymnasium offensichtlich rund, nur eben erschwert durch die Corona-Krise. Edeltraud Grassmann und Jörg Brehmer sind sich zusammen mit Simon Schulz einig, dass sich die Schule für künftige Entwicklungen bestmöglich vorbereitet hat. Das schließt auch eine Teilschließung oder vorübergehende komplette Schließung des Schulbetriebs ein, wenngleich sowohl Schüler als auch Eltern und Lehrer gerne darauf verzichten möchten.

Wiedersehensfreude nach dem ersten Shutdown war groß

„Nach dem letzten Shutdown im Frühjahr war für uns am 4. Mai der erste Schultag“, erinnert sich Robin Wenz, und die Wiedersehensfreude war groß, sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern. „Wir brauchen einander“, formuliert Edeltraud Grassmann, und das ist nicht nur so dahingesagt. Die menschliche Begegnung kommt in Corona-Zeiten mit vielen Einschränkungen zu kurz. Das ist auf Dauer ungesund.

„Natürlich haben wir zu Beginn des ersten Shutdowns viel gechillt“, räumt Marlene Jahnel freimütig ein, und die Lehrer schmunzeln dazu, denn auch sie wissen, wie das Schülerleben in solchen Zeiten aussieht. Gegen spätes Aufstehen ist beim Home-Schooling grundsätzlich nichts zu sagen, wenn dafür nachmittags und abends länger gelernt wird. Das sind dann auch neue Freiheiten und mehr Eigenverantwortlichkeit. Wer es übertreibt, hat halt irgendwann später ein Problem.

Probleme mit dem Internet im ländlichen Raum

Mittlerweile weiß die Schule ganz genau, wer welchen Internetanschluss und welchen Computer hat, wer Home-Schooling über Internet machen kann und wer nicht. Viele wohnen auf dem Land und haben nur schlechten oder gar keinen Internetanschluss, auch nicht übers Mobilfunknetz. Sechs Schüler der Schule sind so komplett abgehängt. Auch hat nicht jeder einen PC für sich alleine und muss ihn mit Schwester oder Bruder teilen, was wiederum auch zu Reibungspunkten führt. Die Schule hat deshalb 80 iPads angeschafft, die zusammen mit dem Lehrer Markus Zinnecker eingerichtet wurden.

Robin Wenz ist zu Beginn des Shutdowns im Frühjahr selten vor 12 Uhr aufgestanden. Er hat aber dennoch bald seinen Rhythmus gefunden, um den von den Lehrern zugeschickten Lernstoff zu bewältigen. Kontakt zum Lehrer wird über E-Mails und das Telefon gehalten. „Irgendwann haben wir gemerkt, dass uns die Schüler vermissen und sich über einen Anruf freuen“, erinnert sich Edeltraud Grassmann. Und bei Schülern, die sich mit der Situation schwergetan haben, hat der Lehrer oder die Lehrerin von sich aus angerufen und einfach mal gefragt: „Wie geht es Ihnen?“

Schulgemeinschaft ist enger zusammengewachsen

Die Schulgemeinschaft ist in dieser Zeit noch enger zusammengewachsen. Ausgebaut wurde in den letzten Wochen und Monaten die Hardware-Ausstattung der Schule. Der Unterricht kann jetzt ohne Probleme und bei Bedarf nach Hause übertragen werden. Wobei die Lehrer betonen, dass die Schüler deshalb nicht bei jedem Schnupfen oder Husten zu Hause bleiben sollen, weil es ja die Möglichkeit über Internet gibt. „Wir haben gespürt und gemerkt, dass das soziale Miteinander ganz wichtig für den Unterricht ist“, sagt Jörg Brehmer. Und dieses Miteinander wird durch das dauernde Tragen von Masken sehr erschwert. Die Kommunikation ist schon allein akustisch schwierig. Hinzu kommt, dass die Mimik des Gesichts kaum noch zu erkennen ist.

„Mir haben beim letzten Shutdown der geregelte Alltag und das Miteinander vollkommen gefehlt“, erinnert sich Marlene Jahnel. Gemeinsam zum Mittagessen gehen, in der Pause zusammenstehen und quatschen sind Dinge, die sie zu schätzen weiß. Viele liebgewonnene Aktivitäten und Angebote sind immer noch nicht möglich. Arbeitsgemeinschaften ruhen, es gibt keine Exkursionen, Kontakt-Sportarten sind untersagt, der Schullandheim-Aufenthalt ist gestrichen. Die Arbeit der Schüler-Mitverantwortung (SMV) ruht in Corona-Zeiten. Das alles gehört normalerweise zum Schulalltag. Das sind gerade die Erlebnisse, die einem auch noch später in Erinnerung bleiben. „Weißt du noch damals, als wir in Rom im Café saßen?“

Unterricht in der Oberstufe ist digital nicht vorstellbar

Deshalb hoffen alle Beteiligten, dass es an den Schulen keinen zweiten Shutdown gibt. Der Unterricht insbesondere in der Oberstufe ist laut Lehrer Simon Schulz digital kaum vorstellbar. „Schule ist mehr als Wissensvermittlung“, ergänzt Jörg Brehmer. Gleichwohl steht die Schule den neuen Medien aufgeschlossen gegenüber. „Wir haben in Corona-Zeiten die Regeln für die Nutzung des Handys an der Schule gelockert. Die Schüler dürfen auch übers Handy recherchieren.“

Die Gefahr, dass das Abi in Corona-Zeiten später als Corona-Abi abgewertet wird, sieht Robin Wenz nicht. Auf jeden Fall haben er und seine Mitschülerin für die Zeit nach dem Abi klare Perspektiven. Robin Wenz strebt ein Studium Public Management an einer Fachhochschule in Ludwigsburg an, und Marlene Jahnel will Polizeikommissarin werden und plant deshalb ein Studium bei der Landespolizei Baden-Württemberg. Das sind doch mal gute Nachrichten.

Es sind besondere Zeiten. Abi zu machen ist auch etwas Besonderes. Doch Abi in Corona-Zeiten ist eine Herausforderung. Am Welzheimer Limes-Gymnasium, dessen Einzugsbereich von Welzheim über Alfdorf und Kaisersbach bis nach Rudersberg im Wieslauftal reicht, stellen sich Lehrer, Eltern und Schüler dieser Herausforderung. Marlene Jahnel, Jahrgangsstufe 2, 17 Jahre alt und aus Welzheim, sowie Robin Wenz, Jahrgangsstufe 2, ebenfalls 17 Jahre alt, aus Rudersberg-Steinenberg, sind zwei Schüler

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