Welzheim

Holpriger Neustart in der Klingenmühle: Was das neue Künstlercafé erst mal ausgebremst hat

Klingenmühle
Ein historischer Ort mit einem einmaligen Ambiente: Die Klingenmühle in der engen Klinge des Wieslauftals mit Wasserfall. © ALEXANDRA PALMIZI

Weder als Säge- noch als Mahlmühle hatte die Klingenmühle unter in der Wieslauftalschlucht große Bedeutung. Doch die längst verschwundene Sägemühle erlangte durch den Dichter und Arzt Justinus Kerner große Berühmtheit. Sie soll ein Lieblingsplatz des Mediziners gewesen sein, der von 1812 bis 1815 in Welzheim seine Praxis hatte, bevor er als Oberamtsarzt nach Gaildorf wechselte. „Der Wanderer an der Sägemühle“ lautet ein bekanntes Gedicht von Justinus Kerner. Ob er es aber tatsächlich im Wieslauftal gedichtet hat, ist nicht belegt, aber wahrscheinlich hat sich der Arzt in seinen Ruhepausen davon inspirieren lassen.

Die Klingenmühle war bereits 1668 vorhanden. Sie ist mit der Klingenbachmühle identisch, die dort bereits 1614 betrieben wurde. Die tiefe Klinge an der oberen Wieslauf gab der Mühle ihren Namen. Das Mahlgebäude steht noch, allerdings ohne Zulaufrinne. Die Sägemühle ist längst verschwunden.

Prägendes Gebäude des Wieslauftals

Das Haupthaus der Klingenmühle prägt noch heute an dieser Stelle das Wieslauftal, an dem ein Wanderweg vorbeiführt. Die wechselvolle Geschichte war in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sehr wechselhaft. Vielfach stand das Haupthaus leer, mehrfach wurde versucht, dauerhaft eine sinnvolle Nutzung umzusetzen, um das historische Gebäude zu beleben.

Irena Pacan (46) und Gedeon Pacan (57) haben sich auf der Suche nach einem neuen Zuhause in die Mühle verliebt und starteten im vergangenen Jahr im Sommer einen vielversprechenden Neuanfang mit einem Künstlercafé, der jäh durch den zweiten, nun verlängerten Lockdown gestoppt wurde.

Weil beide als Selbstständige berufstätig sind, bedeutete dies nicht den wirtschaftlichen Zusammenbruch, allerdings macht es die Umsetzung des Projekts und der Ideen auch nicht einfacher. „Zum Glück müssen wir nicht davon leben“, sagt Irena Pacan.

Im Jahr 2013 war ein Antikcafé eröffnet worden

Die Vorbesitzer hatten im Jahr 2013 ein Antikcafé eröffnet. Im Juli 2020 wurde die Mühle vom Ehepaar Pacan übernommen. „Unser Wunsch ist es, in dieser paradiesischen Naturkulisse einen Begegnungsort zu schaffen, der Geschichte, Kunst, Kultur und Musik vereint.“

Vom 15. August bis zum 1. November 2020 war das neue Künstlercafé geöffnet. „Wir hatten viele schöne Begegnungen.“ Die Klingenmühle ist ein großer Anziehungspunkt für Natur- und Kunstliebhaber aus nah und fern.

„Die Menschen kommen hier zur Ruhe“, sagt Irena Pacan, die in der Stadt Bopfingen im Ostalbkreis aufgewachsen ist und nach der Schule erst mal Bürokauffrau wurde. Nach vielen weiteren Stationen in Deutschland wurde sie Fliesenhändlerin im hochwertigen Sortiment und beliefert seither mit ihrer Firma Großhändler mit dem wertvollen Naturmaterial aus dem europäischen Ausland.

Doppelhaushälfte in Bopfingen wurde verkauft

Nach der Trennung von ihrem ersten Mann wagte sie den Spagat zwischen der Erziehung von drei Kindern und der Leitung einer wachsenden Firma. Das war eine sehr große Herausforderung und führte schließlich zur Überforderung. Seither hat sie ihren Einsatz in der Firma reduziert. Nachdem nun alle drei Kinder aus dem Haus sind, konnte sie zusammen mit ihrem zweiten Mann einen neuen Schritt wagen. Die Doppelhaushälfte mit Garten in Bopfingen wurde zu eng, das Ehepaar suchte ein neues Domizil. Als die Klingenmühle zum ersten Mal zum Verkauf ausgeschrieben war, konnte die 46-jährige Frau ihren Mann noch nicht überzeugen. Weil dann Monate später in einer Zeitung nochmals das Inserat auftauchte, fuhren beide hin. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Pläne liegen derzeit auf Eis

Ideen gibt es viele. „Im Moment ist eine künstlerische Pause“, erklärt Irena Pacan. Noch im letzten Jahr hat das Ehepaar Kontakt aufgenommen mit dem Welzheimer Architekten Günter Brecht. Geplant war, alle beteiligten Behörden an einen Tisch zu bringen, um auszuloten, was machbar und genehmigungsfähig ist. So plant das Ehepaar, das stillgelegte historische Mühlrad wieder in Betrieb zu nehmen. Doch die Wasserrechte darauf sind erloschen. Eine Außenküche, die der Vorbesitzer gebaut hat, ist bislang noch nicht genehmigt. Mit Vertretern der Stadtverwaltung in Welzheim gab es bereits erste Vorgespräche. Doch im Moment kommt das Projekt nicht voran. Corona hat Gedeon und Irena Pacan ausgebremst.

Derweil spazieren Ausflügler ums Gebäude und schauen sehnsüchtig in den Gastraum hinein. Ist Corona erst mal überstanden, gibt es hier nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch wieder viele Veranstaltungen, von der Lesung über die Künstlerausstellung bis zu kleinen Konzerten. Wir freuen uns drauf.

Weder als Säge- noch als Mahlmühle hatte die Klingenmühle unter in der Wieslauftalschlucht große Bedeutung. Doch die längst verschwundene Sägemühle erlangte durch den Dichter und Arzt Justinus Kerner große Berühmtheit. Sie soll ein Lieblingsplatz des Mediziners gewesen sein, der von 1812 bis 1815 in Welzheim seine Praxis hatte, bevor er als Oberamtsarzt nach Gaildorf wechselte. „Der Wanderer an der Sägemühle“ lautet ein bekanntes Gedicht von Justinus Kerner. Ob er es aber tatsächlich im

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