Welzheim

Homeschooling in Welzheim: Reicht ein Arbeitsblatt wirklich aus?

Home-Schooling
Für die Kinder ist die Lernbelastung zu Hause sehr groß, aber auch für die Eltern im Welzheimer Wald. © Benjamin Büttner

Als wäre der Schulalltag unter Normalbedingungen, ohne Pandemie, für Kinder und Eltern nicht schon Herausforderung genug, trifft die Welzheimer Familien nun schon zum wiederholten Male das harte Los des Home-Schoolings.

Wenn die neuen Aufgaben eintreffen, sei es in Form von Arbeitsblättern, die von den Eltern der Erstklässler am Montagmorgen im festgesetzten Zeitfenster abgeholt werden können, oder der Online-Zugang zu den Materialien für die Schüler der Klassen zwei bis vier geboten wird, beginnt der Spagat zwischen Haushalt, Bespaßung der Geschwisterkinder und der Vermittlung des Schulstoffes in den heimischen vier Wänden. Ein Glück für die Eltern der Schüler, welche die fünfte Klasse oder darüber besuchen, dass hier zumindest häufig ein Online-Unterricht stattfindet. Waren die Eltern zu Beginn des ersten Lockdowns mit Motivationen wie Rollenspielen à la „Ich bin Fräulein Müller, die nette Lehrerin!“ und Zuversicht bei der Sache, lässt allmählich der Elan bei Eltern und Kindern nach. Für viele Eltern wird es zunehmend schwieriger, ihre Kinder zum Lernen zu motivieren, insbesondere dann, wenn jüngere Geschwisterkinder im Haushalt leben, die sich spielend die Zeit vertreiben, während sich das Schulkind den Arbeitsblättern widmen soll.

Die mangelnde Vertiefung des Schulstoffes macht einigen Eltern Sorgen, da in der Schule ganze Schulstunden auf ein Thema verwandt werden, während es am heimischen Esstisch lediglich ein paar Minuten sind. Nach Bearbeitung des dazugehörigen Arbeitsblattes wird dann das Thema als erledigt betrachtet.

Ist der Schulvormittag mit seinen im Schnitt zwei bis drei Stunden hoffentlich ohne große Streitereien geschafft, bleibt der Nachmittag, den es zu meistern gilt. Denn anders als zu „normalen Zeiten“ fehlt den Eltern der Vormittag für Erledigungen und kurze Verschnaufpausen. Da auch die meisten Hobbys der Kinder zurzeit auf Eis liegen, ist es nun an den Eltern, allein für Spannung, Spaß und Spiel zu sorgen, vor allem wenn keine Großeltern greifbar sind, die für etwas Entlastung sorgen können. Da erscheint es einem beinahe als Segen, dass in diesem Lockdown wenigstens die Spielplätze geöffnet bleiben, denn sehr viel andere Freizeitmöglichkeiten gibt es derzeit für die Kinder leider nicht.

Auf dem Spielplatz treffen sich die Gleichgesinnten, tauschen sich über ihre Vormittage aus, sei es über das Home-Schooling oder die Bespaßung von jüngeren Kindern. Die Eltern der noch nicht schulpflichtigen Kinder werden sicherlich sehr dankbar sein, dass an ihnen der Kelch in Form eines Lehrauftrages vorübergegangen ist. Eine Aussage einigt hierbei allerdings alle Eltern: „Unsere armen Kinder müssen am meisten unter der Pandemie leiden!“

In Anbetracht der Tatsachen, dass Kinder einander brauchen, im Kollektiv viel besser lernen, die Schule und der Kindergarten nicht nur zum Lehren von Schulstoff und der Beherbergung der Kinder dienen, sondern an diesen Orten auch der Umgang miteinander gelehrt und gelernt wird, werden die Kinder um vieles gebracht, wenn nicht sogar um ein großes Stück ihrer kurzen und deshalb besonders kostbaren Kindheit.

Info

Sandra Sailer aus Welzheim ist freie Mitarbeiterin bei der Welzheimer Zeitung und selbst Mutter von zwei Kindern.

Als wäre der Schulalltag unter Normalbedingungen, ohne Pandemie, für Kinder und Eltern nicht schon Herausforderung genug, trifft die Welzheimer Familien nun schon zum wiederholten Male das harte Los des Home-Schoolings.

Wenn die neuen Aufgaben eintreffen, sei es in Form von Arbeitsblättern, die von den Eltern der Erstklässler am Montagmorgen im festgesetzten Zeitfenster abgeholt werden können, oder der Online-Zugang zu den Materialien für die Schüler der Klassen zwei bis vier geboten

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