Welzheim

Hummelgautsche zum Mühlentag fertig

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Hummelgautsche Mühle Mühlenrad Mühlentag Alfdorf Welzheim_0
Ernst Maier, Willi Teply, Jochen Hahn, Bürgermeister Michael Segan und Gemeinderat Manfred Fitz. © privat
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An der Hummelgautsche wird das neue Mühlenrad montiert.
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An der Hummelgautsche wird das neue Mühlenrad montiert.
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Die Hummelgautsche (Vaihinger Saegemuehle) im Welzheimer Wald Foto: Zuern vom august 1999
Das alte Mühlenrad im August 1999. © Zürn

Alfdorf. Die im Besitz der Gemeinde befindliche Sägemühle „Hummelgautsche“ wurde saniert. Das Mühlrad wurde von einer Gruppe von freiwilligen Rentnern auf dem kommunalen Bauhof komplett erneuert und wieder eingebaut. Das touristische Prunkstück kann dann rechtzeitig zur Eröffnung des 25. Mühlentages am Pfingstmontag, 21. Mai, der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Bereits am Mühlentag 2017 standen die Besucher vor verschlossener Tür der Vaihinger Sägmühle, genannt Hummelgautsche, denn das Wasserrad war abgebaut, womit der Antrieb für das Sägegatter fehlte. Der Grund war, dass das Mühlengebäude grundlegend saniert werden musste, denn Teile des Tragwerks waren marode und auch Teile der hölzernen Außenfassade waren sanierungsbedürftig.

In den vergangenen Jahren immer wieder repariert

Nachdem das Mühlrad in den letzten Jahren schon mehrfach ausgebessert werden musste, haben sich die ehrenamtlichen Mühlradbauer bereiterklärt, auch das in die Jahre gekommene Mühlrad der Hummelgautsche zu erneuern. Mit dem Bau von Mühlrädern haben sie ja zwischenzeitlich große Erfahrung. So wurde bereits 2012 das große Mühlrad der Heinlesmühle von ihnen gebaut, davor die Mühlräder bei der Hundsberger Sägmühle und der Menzlesmühle. Bereits 2016 wurde mit den Vorarbeiten begonnen, nachdem die Gemeinde Alfdorf das Holz einer gemeindeeigenen Eiche zur Verfügung gestellt hatte.

Fertiggestellt wird das Mühlrad aber erst zum Mühlentag 2018. Dann wird es anlässlich des 25. Mühlentages feierlich eingeweiht. Beim Schwäbischen Waldtag in diesem Jahr konnten die Teilnehmer des Mühlenwandermarathons zumindest jedoch bereits erahnen, wie das neue Mühlrad aussehen wird.

Das Wasserrad sollte eigentlich bereits im letzten Jahr eingeweiht werden, dazu hatten die Initiatoren bereits im Sommer 2016 begonnen, das Wasserrad zu bauen. Das Team bestand aus Jochen Hahn aus Schorndorf, Ernst Maier aus Gschwend, teilweise Heinz Stettner aus Hellershof und Willibald Teply, der die Leitung dieser Gruppe hat.

Sanierung hatte sich krankheitsbedingt verzögert

In der Garage des Alfdorfer Bauhofs war Platz geschaffen worden, so dass die ehrenamtlichen Mühlenbauer die Felge des Wasserrades mit Speichen zusammenbauen und auch die benötigten Maschinen aufstellen konnten.

Nach dem Aussägen der Teile, dem Zusammenpassen und Zusammenbau der drei Ringe für die Felge und den dazugehörenden Speichen, wurden die Einzelteile des Wasserrades gekennzeichnet und danach wieder in seine Einzelteile zerlegt und eingelagert, damit vor dem Pfingstfest 2017 das Wasserrad an die Hummelgautsche anbauen konnten. Aber daraus wurde nichts. Denn durch einen akuten Krankenhausaufenthalt des Teamleiters musste der Aufbau verschoben werden.

Befürchtungen der Mühlradbauer

So machten sich die Engagierten nach einer Genesung im Sommer 2017 daran, zumindest die Speichen und Felge des Wasserrades aufzubauen, da sie die Befürchtung hatten, dass durch die lange Zeit unter Dach die Einzelteile getrocknet sind und sich verwunden haben, so dass sie eventuell Schwierigkeiten haben, die Felge ordentlich aufzubauen. Bei der Montage stellte sich jedoch heraus, dass diese Unebenheiten durch die Vielzahl der Schrauben wieder egalisiert werden konnten.

Danach wurde der Aufbau des Wasserrades unterbrochen, da Dieter Frey, Vorsitzender des Historischen Vereins Welzheimer Wald, doch zur Einweihung des Wasserrades ein relativ neues Rad haben wollte.


Urig mutet die Vaihinghöfer Sägmühle an, auch „Hummelgautsche“ genannt. Ihre Geschichte reicht ins 14. Jahrhundert zurück.

Der Name ist auf das angrenzende Gewand „Hummelwiesen“ zurückzuführen, wobei die Hummelwiese der Weideplatz für die gemeindeeigenen Bullen – auf Schwäbisch „Hommel“ – war.

Sie ist die Letzte der fünf Gemeinschaftsmühlen, die ehemals freien Bauern gemeinsam gehörte. 1973 kaufte die Gemeinde Alfdorf die Mühle im Tal der Schwarzen Rot zwischen Hüttenbühl und Hundsberg.

Das "tägliche Brot" hatte heililge Bedeutung

Im frühen Mittelalter genoss der Müller ein hohes Ansehen, trug er doch maßgeblich zur Volksernährung bei. Das „tägliche Brot“ hatte geradezu eine heilige Bedeutung. Auch dem Wasser als Lebensgrundlage und zur Seelenreinigung hing etwas Mystisches an. Nicht zuletzt wurde der Müller wegen seines technischen Verständnisses und der Beherrschung der Naturgewalt „Wasser“ bewundert. Die Müllerei versprach Reichtum und Anerkennung.

Im Laufe der Jahre änderte sich dieses Ansehen und fand seinen Höhepunkt in der Brandmarkung zum „unehrlichen Beruf“, unehrlich wie die Gaukler, fahrenden Musikanten, Schäfer und Henker. Kinder dieser Leute wurden von rechten, ehrlichen Leuten nicht geheiratet und sie durften auch keinen Beruf erlernen.

Der zwielichtige Ruf

Die einsame Lage der Mühlen außerhalb des Dorfes mag zu einem gewissen Ausschluss aus der Dorfgemeinschaft geführt und damit zum zwielichtigen Ruf beigetragen haben. Die Nacht war den Dämonen und Kobolden vorbehalten. Das einsame Licht aus dem Mühlengebäude, das nächtliche Klappern der Mühlräder im dunklen Wald, gemixt mit einer guten Portion Aberglauben, wird nächtlichen Wanderern so manches unerklärliche und unheimliche Gespensterwesen vorgegaukelt haben. Damit war es bis zur Gruselgeschichte, bei der nicht selten der Teufel im Spiel war, nicht mehr weit.

Tatsächlich zählten Mühlen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren. Im Schwäbischen Wald waren die Mühlen - nicht zuletzt wegen ihrer häufigen Doppelfunktion als Mahl- und Sägemühle - in den vergangenen Jahrhunderten einer der wichtigsten Wirtschaftsbetriebe. Die Mahlmühlen bestanden in der Regel aus einem stattlichen Gebäude mit gemauertem Erdgeschoss und darüberliegender Fachwerkkonstruktion. Im Mühlengebäude war außer der Mahlanlage oft auch die Wohnung des Müllers untergebracht. Die Sägemühlen waren fast immer einfache, einstöckige Holzkonstruktionen. Da sie häufig als Gemeinschaftsmühlen im Besitz mehrerer Bauern waren und gemeinsam genutzt wurden, konnten Nebengebäude und Wohnung wegfallen wie zum Beispiel bei der Hummelgautsche.

Eine Vielzahl von Mahl- und Sägemühlen prägten das Landschafts- und Kulturbild des Schwäbischen Waldes. Allein im Bereich um Welzheim lagen einst 26 Mühlen.


Alles bereit

Eine Gruppe von Mühlenbauern, die Firma Biber Holzbau aus Alfdorf-Pfahlbronn und der Alfdorfer Gemeinde-Bauhof haben von 2016 bis 2018 die gemeindeeigene historische Sägemühle im Schwäbischen Wald renoviert.

Das Mühlenteam um Willibald Teply, Jochen Hahn, Ernst Maier und Heinz Stettner hatte in mühevoller ehrenamtlicher Arbeit im Alfdorfer Bauhof das Mühlrad der Hummelgautsche wieder hergestellt.

Biber Holzbau hatte mit Unterstützung von Bauhofmitarbeitern Holzbalken ausgetauscht. Der Bauhof übernahm die Sanierung der Treppe, des Eingangsbereichs, der Türe zum Mühlenraum sowie Fundamentarbeiten.

Darüber hinaus wurde die Mühle komplett neu verschalt, der Mönch am Mühlkanal, der undicht war, gerichtet und im Bach Sand ausgebaggert. Zum Schluss wurde die dazugehörige Grillhütte abgedampft und neu gestrichen.

Jetzt ist alles bereitet für den Mühlentag. Denn an der Hummelgautsche soll die Eröffnungsveranstaltung für den Mühlentag am 21. Mai stattfinden. Mit dabei sein werden neben Bürgermeister Michael Segan unter anderem Regierungspräsident Wolfgang Reime, Landrat Dr. Richard Sigel und die frischgewählte Schwäbische Waldfee Mariel Knödler.