Welzheim

Interview mit Naturpark-Geschäftsführer Drixler

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Der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald ist nicht nur am Mühlentag ein beliebtes Ausflugsziel. Eine der Attraktionen ist die Waldbahn. © Habermann / ZVW
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Bernhard Drixler, Geschäftsführer des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald.

Murrhardt/Welzheim.
Die Vorbehalte gegenüber dem Naturpark sind in den Mitgliedskommunen geschwunden. Stattdessen drängen neue Gemeinden in den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Der bringt nicht nur für den Tourismus Vorteile, sagt Naturpark-Geschäftsführer Drixler. Die Fragen anlässlich des „Tages der Parks“ stellte unser Redaktionsmitglied Martin Winterling.

Herr Drixler, am 24. Mai ist der „Europäische Tag der Parks“, der Schutzgebiete in Form von Nationalparks, Biosphärenreservaten und/oder Naturparks bekannter machen und die Öffentlichkeit für die Wichtigkeit derselben sensibilisieren will. Hat der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald denn diese Werbung nötig?

Generell ist eine Sensibilisierung für die europäischen Großschutzgebiete wichtig, da hier großflächig wertvolle Natur- und Kulturlandschaften geschützt und im Falle der Naturparke behutsam weiterentwickelt werden. Auch der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald ist Teil des großen europäischen Netzwerkes der Großschutzgebiete. Und in Baden-Württemberg sind rund 30 Prozent der Landesfläche als Naturpark ausgewiesen! Naturparke leben von den Ideen und dem Engagement ihrer Bewohner und Besucher, daher ist jede, im besten Fall positive, Berichterstattung wichtig und gewünscht.

Naturparks sind die unterste Schutzstufe. Was bedeutet das konkret für die Menschen, die in einem solchen Park leben?

Keine spürbaren Einschränkungen, also keine Nutzungsverbote, Zäune oder Eintritt. In den Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten gelten strengere Regelungen, außerhalb davon fördert ein Naturpark das Naturerleben mit Rücksicht auf die vielfältigen Kulturlandschaften. In den Handlungsfeldern Naturschutz, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Direktvermarktung und nachhaltiger Tourismus werden Projekte gefördert und umgesetzt, durch welche Bewohner und Besucher ein besseres Verständnis für einen wertschätzenden Umgang mit der Natur entwickeln können.

Als vor fast drei Jahrzehnten der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald eingerichtet wurde, waren nicht alle Bürgermeister und Gemeinderäte begeistert. Sie befürchteten, in ihrer Entfaltung und Entwicklung eingeschränkt zu werden. Welche Einschränkungen für die Kommunalpolitik gibt es tatsächlich?

Keine zusätzlichen Einschränkungen, die gesetzlichen Regelungen zum Naturschutz müssen wie überall eingehalten werden. Es wird generell darauf geachtet, dass sich der Naturpark nachhaltig weiterentwickelt. Hier hat der Naturpark eine beratende Funktion. Zum Beispiel ist der Naturparkverein Träger öffentlicher Belange und kann somit bei Bauvorhaben etc. Stellungnahmen verfassen. Im Bereich der regionalen Windkraftplanungen wurden beispielsweise Stellungnahmen zu den Kriterien „Landschaftsbild“ und „Erholungseignung“ verfasst.

Für den Tourismus ist das Etikett „Naturpark“ ein Pluspunkt. In welchen Bereichen wirkt sich der Naturpark noch aus?

Ich nenne ein paar Beispiele: In den Handlungsfeldern Naturschutz wie dem Blühenden Naturpark, bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung, also Naturpark-Schule, Ebnisee für alle, Natur-Erlebniscamp Wüstenrot, Gaildorf chillt, oder auch bei der Direktvermarktung. Projektbeispiele für Direktvermarktung sind die Naturparkmärkte, der Naturparkteller oder der Brunch auf dem Bauernhof. Weiterhin versucht der Naturpark in allen Bereichen inklusive Angebote zu schaffen, um ein „Naturpark für alle“ zu ermöglichen.

Inzwischen drängen Gemeinden sogar in den Naturpark, zuletzt Berglen. Warum?

Als Mitglied im Naturpark wird die Gemeinde in einer nachhaltigen Regionalentwicklung unterstützt. Alle Mitgliedsgemeinden können im Rahmen der Naturparkförderung Anträge stellen und in den genannten Handlungsfeldern Maßnahmen umsetzen. Interkommunale Projekte sind möglich und gewünscht, gute Kooperation mit den anderen beteiligten Landkreisen und Kommunen sowie Mitgliedschaft im Europäischen Netzwerk der Großschutzgebiete.

Auf welche Höhepunkte dürfen wir uns dieses Jahr im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald freuen?

Zum Beispiel auf die Kampagne „Jahr der Sortenvielfalt“. Hier gibt es eine Broschüre mit alten, seltenen Kulturpflanzen und Nutztierrassen aus der Region. Außerdem eine Sonderausstellung „2000 m² Weltacker“ im Naturparkzentrum in Murrhardt. Und auf den fünf Naturparkmärkten werden Experten im Infopavillon des Naturparks hilfreiche Tipps zum Erhalt der Vielfalt geben. Beim Projekt „Blühender Naturpark“ werden derzeit in 15 Mitgliedskommunen die Bauhofmitarbeiter geschult, um naturnahe Grünflächen mit gebietsheimischem Saatgut anlegen und pflegen zu können. Hiermit leisten die Kommunen einen wertvollen Beitrag, um etwa die Nahrungs- und Nistmöglichkeiten für Insekten zu erhöhen.


Tag des Parks

  • Der Europäische Tag der Parks, der 1999 ins Leben gerufen wurde, wird jedes Jahr am 24. Mai begangen. Er dient dem Ziel, vorhandene Schutzgebiete in Form von Nationalparks, Biosphärenreservaten und/oder Naturparks bekannter zu machen und die Öffentlichkeit für die Wichtigkeit derselben zu sensibilisieren.
  • Der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald ist ein Großschutzgebiet von 1270 Quadratkilometer Fläche, in dem etwa 170 000 Menschen leben und wirtschaften. Der 1979 gegründete Naturpark umfasst sechs Landkreise, von denen der Rems-Murr-Kreis mit rund der Hälfte den größten Anteil hat. Der Naturpark reicht von Plüderhausen im Süden bis Waldenburg im Norden, von Berglen im Westen bis Adelsmannsfelden im Osten.
  • Etwa 40 Prozent der Naturparkfläche bestehen aus Naturschutz-, Landschaftsschutz- oder speziellen Schutzgebieten nach Europarecht, in denen die Belange des Naturschutzes stärker gewichtet werden und die Nutzung eingeschränkt ist.
  • Das Naturparkzentrum ist am Marktplatz in Murrhardt zu finden und bietet Informationen und eine Natur-Erlebnisschau sowie Sonderausstellungen. Kontakt: ) 0 71 92/2 13-8 88, E-Mail: info@naturpark-sfw.de, www.naturpark-sfw.de.