Welzheim

„Ist der Gründonnerstag weiß?“ Mehrere Hundert Jahre alt soll der Brauch sein

CChrista Scherhaufer Schafgarbe Kräuterbutter mit Kräuter Serie
Etwas Grünes wie die Schafgarbe auf einem Grillteller ist an Gründonnerstag ein uralter Brauch! © Gabriel Habermann

Der Gartenbau „beschränkt sich auf die Anpflanzung von Gemüse und Küchengewächsen“, heißt es 1845 in der Oberamts-Beschreibung von Welzheim. Bevor die ersten Pflänzchen allerdings in den Beeten zu sehen waren, machte sich Friederike Kerner (1786-1854), die Frau des Dichters und Arztes Justinus Kerner (1786-1862), auf den Weg in die Welzheimer Natur. Nach den wenig abwechslungsreichen Mahlzeiten des Winters hielt sie später auch zwischen den Weinbergreben an ihrem Weinsberg-Haus schon bald im Frühjahr Ausschau nach dem ersten Grün, den ersten frischen Kräutern. Justinus Kerner schwärmte zeitlebens von ihren Kochkünsten, ganz besonders vom Gurkensalat gewürzt mit Borretsch. Sein Freund Gustav Schwab (1792-1850), Herausgeber der „Sagen des klassischen Altertums“, liebte den Gurkensalat mit vielen frischen Kräutern. Das Wissen um sie wurde und wird seit Menschengedenken von Frau zu Frau weitergegeben.

Friederike Kerners Stiefmutter Eleonore Rosine Palm (1761-1805) aus der gleichnamigen Schorndorfer Apotheke wird ihr eine besonders gute Lehrmeisterin gewesen sein, gehörten Kräuter doch zum Alltag in ihrem Elternhaus. Mehrere Hundert Jahre alt soll der Brauch sein, am Gründonnerstag grünes Gemüse und grüne Kräuter zu essen. Christen gedenken damit des letzten Abendmahls Jesu mit den zwölf Aposteln am Vorabend seiner Kreuzigung. Was aber, wenn die Bauernregel „Ist der Gründonnerstag weiß“ zutrifft?

Ja, dann wird „der Sommer sicher heiß“, aber wie sieht es bei Schnee mit den Kräutern für die Gründonnerstagssuppe aus? Die z. T. bitteren Kräuter sollen an die Leiden Christi erinnern, sorgen aber auch für die Reinigung des Körpers nach dem Winter und für die Erneuerung der Lebensenergie. Mit Kräutern und Gemüse wird die Kraft des Frühlings aufgenommen. So wurde der Häuptlsalat (Kopfsalat) für den Tisch des österreichischen Kaisers auf einem Misthaufen gezogen, damit er frühzeitig im Jahr serviert werden konnte. Eine alte Bauernregel besagt: „Am Tag von Tiburtius sollen alle Felder grünen“. Was an diesem 14. April noch nicht in der Natur vorhanden ist, wird durch Küchenkräuter ersetzt. Die Germanen sollen zu ihrem Frühlingsfest „Ostara“, benannt nach einer Lichtgöttin, am 21. März eine Neunkräutersuppe aus den Sprossen des ersten Frühlingsgrüns serviert haben. Neun Kräuter, weil die verstärkte Drei seit alten Zeiten und bei vielen Völkern heilig ist. So heißt es, man solle Gebete dreimal sprechen, drei Fragen werden in Märchen und Sagen gestellt, drei Wünsche sind frei. „Nun haben diese neun Kräuter Macht gegen neun böse Geister, gegen neun Gifte und gegen neun ansteckende Krankheiten“, heißt es über die traditionelle Speise der Gründonnerstagskräuter.

Grünes Gemüse und grüne Kräuter an Gründonnerstag?

„Tiburtius kommt uns sehr gelegen mit einem grünen Blättersegen“, und so werden für eine Gründonnerstagssuppe je nach fortgeschrittener Jahreszeit oder Vorrat in der Küche die unterschiedlichsten Kräuter verwendet. Neben den gängigen wie Kresse, Petersilie, Dill, Basilikum, Spinat, Schnittlauch können auch Brennnessel, junge Löwenzahnblätter für die vielleicht leidende Leber der „Viertelesschlotzer“, Giersch, Bärlauch, Sauerampfer gegen übermäßiges Frustessen, Sauerklee, Spitzwegerichblätter mit ihrem pikanten Geschmack, Scharbockskraut, Rucola und Tripmadam (Fetthenne) in den Topf gegeben werden. Kerbel gehört bei Bedarf und Frühlingsgefühlen dazu, schließlich hilft er angeblich dem Opa auf seine Bärbel. Vielleicht auch noch ein bisschen Gundermann mit seiner Grünkraft gegen böse Geister, Schafgarbe, Taubnessel oder Vogelmiere? Auf jeden Fall kommt als krönende Zierde auf die Gründonnerstagssuppe ein Gänseblümchen mit seinen gesunden Bitterstoffen. Ob diese „Kräuterwirtschaft“ wohl für Stirnrunzeln in der Gschwender Str. 2 sorgte, wo Kerners drei Stuben bei zwei älteren Fräuleins gemietet hatten? Die Küche wurde zusammen genutzt, die Fräuleins aber zogen einen Strich durch die Küche, und wehe, der wurde übertreten.

Der Gartenbau „beschränkt sich auf die Anpflanzung von Gemüse und Küchengewächsen“, heißt es 1845 in der Oberamts-Beschreibung von Welzheim. Bevor die ersten Pflänzchen allerdings in den Beeten zu sehen waren, machte sich Friederike Kerner (1786-1854), die Frau des Dichters und Arztes Justinus Kerner (1786-1862), auf den Weg in die Welzheimer Natur. Nach den wenig abwechslungsreichen Mahlzeiten des Winters hielt sie später auch zwischen den Weinbergreben an ihrem Weinsberg-Haus schon bald im

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