Welzheim

Ist eine Vier-Tage-Woche wie in Belgien im Welzheimer Wald möglich oder utopisch?

Arbeiten zu Hause
Wo sind Vier-Tage-Wochen uff em Wald möglich? © Christin Klose

In Belgien sollen Arbeitnehmer nicht mehr fünf Tage in der Woche arbeiten müssen. Allerdings: Die gleiche Arbeit müssen sie trotzdem erledigen – in weniger Tagen. Wie sieht es in Deutschland aus? Arbeitnehmer in Belgien sollen ihre Arbeit künftig flexibel an vier statt fünf Tagen verrichten können. Die belgische Regierung einigte sich auf eine entsprechende Arbeitsmarktreform, wie Premierminister Alexander De Croo am Dienstag mitteilte. „Der erste Pfeiler ist, den Arbeitern mehr Flexibilität, mehr Freiheit zu geben“, sagte De Croo gegenüber den Medien. Vollzeit-Arbeitnehmer sollen am Tag länger arbeiten dürfen, damit alle erforderlichen Stunden in vier Tagen geleistet werden können. Das solle etwa der Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben zugutekommen, so De Croo. Das bedeutet folglich nicht, dass es bald eine „echte“ Vier-Tage-Woche gibt, bei der insgesamt weniger gearbeitet werden kann – mit dem gleichen Lohn.

Das Modell wie in Belgien ist in Deutschland zwar grundsätzlich möglich, aber noch nicht gängig. Im Regelfall ist es so, dass die Vier-Tage-Woche ein Teilzeitmodell ist, bei dem die Arbeitszeit auf 80 Prozent reduziert wird – also mit geringerem Lohn.

Vier Tage sind denkbar, wenn es die Chefs flexibel handhaben dürfen

Wie sehen die Bürgermeister Ronald Krötz aus Alfdorf, Michael Clauss aus Kaisersbach, der Schwabenpark-Geschäftsführer André Hudelmaier und der Welzheimer Bauchef Sebastian Buhl eine mögliche Vier-Tage-Woche uff em Wald?

Ronald Krötz, Bürgermeister in Alfdorf: „Die Vier-Tage-Woche mag für bestimmte Berufszweige möglich sein, insbesondere für Pendler sicher interessant, um ein verlängertes Wochenende mit der Familie zu haben. Aber in der öffentlichen Verwaltung bei 100-Prozent-Stellen ist es schwer umsetzbar, denn wir sind eh schon in manchen Bereichen personell am Limit, um alle Aufgaben abdecken zu können. Und was ist mit der Zehn-Stunden-Marke am Tag, Thema Überbelastung und Arbeitssicherheit? Wenn es um Freizeit geht, ist dies dann egal? Hier gibt es noch viele Fragezeichen aus meiner Sicht. Ich sehe es eher kritisch, an vier Tagen alles leisten zu müssen, was man in fünf Tagen macht.“

André Hudelmaier, Geschäftsführer Schwabenpark in Kaisersbach: „Die Fünf-Tage-Woche in eine Vier-Tage-Woche zu verkürzen bei gleicher Arbeitszeit, sehe ich sehr kritisch, denn durch die längere Arbeitszeit dann pro Tag muss es ja auch mehr Pausen geben und der Tag hat auch nur 24 Stunden. Die Beschäftigten wären dann noch länger weg von zu Hause an den vier Tagen. Ich weiß nicht, ob hierdurch die Produktivität steigt. Bei uns gibt es fest geregelte Arbeitszeiten und Öffnungszeiten, von 10 bis 18 Uhr. Rein aus Sicht als Freizeitparkbetreiber wäre es schön, immer ein verlängertes Wochenende mit drei Tagen zu haben, denn die Wochenenden und die Ferien sind unser Kerngeschäft. In Deutschland kann ich mir eine Umsetzung der Vier-Tage-Woche aber nur schwer vorstellen.“

Sebastian Buhl, Inhaber Buhl-Bau in Welzheim:„Vier Tage hören sich verlockend an, sind aber im Handwerk und besonders auf dem Bau nicht umsetzbar. Wir arbeiten in den Sommermonaten schon jetzt eher in einer Sechs-Tage-Woche statt in einer Fünf-Tage-Woche. Ich kann unseren Kunden ja nicht erklären, dass sie länger warten müssen, nur weil wir vier statt sechs Tage arbeiten. Außerdem wird es im Sommer oft sehr heiß, so dass meine Mitarbeiter schon um 6 Uhr beginnen und um 14 Uhr aufhören, damit sie nicht von der Nachmittagshitze erschlagen werden. Hier zu sagen, sie müssen nun länger arbeiten, um einen Tag mehr Freizeit zu haben, ist nicht realistisch. Sollten aber Mitarbeiter von mir auf Montage sein, da kann ich es mir vorstellen, denn dann sind diese Männer und Frauen nur vier statt fünf Tage von zu Hause weg. Ich kann mir eine Vier-Tage-Woche auch zum Beispiel in einer IT-Firma gut vorstellen. Wenn der Gesetzgeber in Deutschland sagen würde, dass es jede Firma flexibel handhaben darf, hätte ich nichts dagegen.“

Michael Clauss, Bürgermeister in Kaisersbach: „Als Gemeinde Kaisersbach bieten wir flexible Arbeitszeitregelungen und Home-Office-Zeiten an, soweit dies vom Aufgabengebiet her möglich ist. Zumal wir auch viele Teilzeitkräfte haben. Das ist für uns eine Win-win-Situation, wenn mehr Aufgaben anfallen, sind die Kolleginnen und Kollegen zu mehr Einsatz bereit. Im Gegenzug kann dann auch mal ein halber oder ganzer Tag freigemacht werden. Das Personal der Gemeinde zeigt hier durchweg eine hohe Flexibilität. So kann durchaus gelegentlich mal eine Vier-Tage-Woche entstehen, wenn zum Beispiel lange Tage mit Abendterminen anstehen. Dann kann die Kollegin den fünften Tag der Woche freimachen. In Ergänzung mit punktuellen Home-Office-Anteilen ist dadurch die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben besser möglich. Als öffentliche Hand können wir nicht mit hohen Löhnen werben, sondern müssen uns auf andere Weise als Arbeitgeber attraktiv machen. Ich messe die Arbeitsqualität einer Kollegin oder eines Kollegen aber nicht nach den geleisteten Stunden, sondern am Ergebnis, das am Ende herauskommt.“

In Belgien sollen Arbeitnehmer nicht mehr fünf Tage in der Woche arbeiten müssen. Allerdings: Die gleiche Arbeit müssen sie trotzdem erledigen – in weniger Tagen. Wie sieht es in Deutschland aus? Arbeitnehmer in Belgien sollen ihre Arbeit künftig flexibel an vier statt fünf Tagen verrichten können. Die belgische Regierung einigte sich auf eine entsprechende Arbeitsmarktreform, wie Premierminister Alexander De Croo am Dienstag mitteilte. „Der erste Pfeiler ist, den Arbeitern mehr

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper