Welzheim

Juliane Munz vom Fachgeschäft Munz in Welzheim sagt: „Wir sind leider nicht systemrelevant“

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Für Juliane Munz vom Fachhaus Munz ist die Schließung katastrophal. © Ralph Steinemann Pressefoto

„Wir sind leider nicht systemrelevant und müssen unser Fachgeschäft für Glas, Porzellan, Haushaltswaren und Spielwaren auch beim zweiten großen Lockdown ab dem kommenden Mittwoch schließen. Vor Ostern die erste Schließung, und nun vor Weihnachten die zweite Schließung trifft uns sehr hart. Es ist eine Katastrophe“, äußert sich Juliane Munz vom Fachgeschäft Munz in der Welzheimer Wilhelmstraße. Ab Mittwoch, 16. Dezember, müssen zahlreiche weitere Einzelhändler ihre Ladentür wieder schließen in Welzheim, Alfdorf und Kaisersbach. „Finanziell ist es sehr schlimm, denn die Einnahmen der wichtigen Ostern- und nun Weihnachtseinkäufe werden uns fehlen. Besonders in der letzten Woche vor Weihnachten sind die Kunden normalerweise sehr viel in den Städten unterwegs, um die letzten Geschenke einzukaufen“, so Juliane Munz.

Einzelhändler wünschen sich schnelle finanzielle Hilfen

Sie hoffe zusammen mit ihren Kollegen, die ebenfalls zumachen müssen, dass zumindest die Fixkosten wie Miete, Wasser oder Strom vom Land oder Bund übernommen werden, oder dass es vielleicht sogar Hilfen gibt, um fehlende Einnahmen auszugleichen. „Wir wollen gerne wieder aufmachen, sobald es möglich ist. Ich verstehe den Lockdown und akzeptiere auch die Maßnahmen, wenn man in die Krankenhäuser schaut. Aber es darf nicht passieren, dass wir Einzelhändler im neuen Jahr keine finanziellen Hilfen bekommen haben und vielleicht Insolvenz anmelden müssten“, so Munz. Thomas Bernlöhr, Bürgermeister in Welzheim, sieht keine Alternative zu dem harten Lockdown: „Es wird sicher noch einmal verstärkt zu Einkäufen bis zum Mittwoch im Einzelhandel kommen, jedoch muss ja auch erst noch klar vom Land geregelt werden, wer nun schließen muss und wer nicht. Wo gibt es Ausnahmen? Aber klar ist, der Lockdown ist unumgänglich.“ Ob es nun der richtige Zeitpunkt für einen Lockdown sei, an diesen Diskussionen möchte er sich nicht beteiligen, da sie nicht hilfreich seien. „In Welzheim steigt das Infektionsgeschehen mit Corona-Infizierten leider weiter an, und seit zwei Wochen gehen die Zahlen hoch“, erklärt Bernlöhr, der aber Hoffnung macht: „Trotz des vermehrten Aufkommens von Kunden bis Mittwoch wird es in Welzheim sicher möglich sein, mit Abstand vor den Geschäften und mit Maske ohne Angst einkaufen zu können, jedoch sollte jeder Bürger nur noch das Nötigste einkaufen und sich daran halten, die eigenen Kontakte zu reduzieren.“

Der Alfdorfer Schultes Ronald Krötz hat zum harten Lockdown ebenfalls eine klare Meinung: „Es ist der richtige Zeitpunkt, auch wenn es hart für alle ist, aber dieser große Lockdown ist notwendig. Über Weihnachten haben eh viele Betriebe zu, und die Menschen sind zu Hause bei den Familien, daher ist der jetzige Zeitpunkt für diese Kontaktsperren richtig. Ich fürchte jedoch, dass der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird.“ Und eine Idee für den inneren Seelenfrieden hat Krötz parat: „Spazieren zu gehen ist erlaubt und tut uns allen gut an der frischen Luft, zum Beispiel auf dem Alfdorfer Adventsweg, dessen Start hinter der ZF Alfdorf ist.“

Darf ein Baumarkt öffnen, wenn er Tierfutter im Sortiment hat?

Stefanie Wiedmann von der Geschäftsleitung des Baustoffgroßhandels und der Baufachmärkte Wiedmann in Alfdorf und Welzheim, sowie an fünf weiteren Standorten, rechnet zwar damit, dass die Baufachmärkte für den privaten Kundenverkehr vor Ort schließen müssen, „aber wir müssen erst die Verordnung der Landesregierung abwarten, wer nun zumachen muss“, so Stefanie Wiedmann. Wer zählt zum Beispiel zu Futter- und Tiermärkten? „Wir haben eine kleine Abteilung mit Tierfutter“, so Wiedmann. Persönlich rechne sie mit der Schließung für die Privatkunden, gewerbliche Kunden dürften sicher noch ihre Waren im Baumarkt holen. „Und ich denke auch, dass private Kunden ihre Produkte weiter bestellen können und wir dann einen Liefer- und/-oder Abholservice anbieten können“, sagt Stefanie Wiedmann.

Wie es genau abläuft, werden die nächsten Tage zeigen, wenn Klarheit herrscht, was erlaubt sei. Für die Baumärkte sei dieses Jahr aber bisher sehr gut verlaufen. „Wir machen nun Inventur und hoffen, alle halten sich daran, die Kontakte zu reduzieren, damit die Corona-Zahlen so runtergehen, um unter Auflagen ab dem 10. Januar wieder aufmachen zu dürfen“, äußert sich Stefanie Wiedmann. Eine gute Lösung für Maskenverweigerer gab es bislang schon, nämlich das Einkaufen über das Fenster im Freien. Unterm Strich lässt sich also für Welzheim, Alfdorf und sicher auch Kaisersbach sagen, dass der harte Lockdown viele Einzelhändler, natürlich auch weiterhin die Gastronomen und viele mehr aus der Sport- und Kulturbranche, hart trifft, doch eine andere Lösung sehe bisher niemand.

„Wir sind leider nicht systemrelevant und müssen unser Fachgeschäft für Glas, Porzellan, Haushaltswaren und Spielwaren auch beim zweiten großen Lockdown ab dem kommenden Mittwoch schließen. Vor Ostern die erste Schließung, und nun vor Weihnachten die zweite Schließung trifft uns sehr hart. Es ist eine Katastrophe“, äußert sich Juliane Munz vom Fachgeschäft Munz in der Welzheimer Wilhelmstraße. Ab Mittwoch, 16. Dezember, müssen zahlreiche weitere Einzelhändler ihre Ladentür wieder schließen

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