Welzheim

Küchenchef Walter Siebert hört auf

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Nach 17 Jahren verabschiedet sich Walter Siebert von seinem Kochstudio. © Rainer Stütz

Welzheim. Es tut schon weh: Nach 17 Jahren Kochstudio in Welzheim hört Walter Siebert Ende des Jahres altersbedingt auf. Mit 70 Jahren darf man ein bisschen langsamer treten. Der Sternekoch hat schon viele Stationen hinter sich gebracht und manches erlebt. Die Arbeit im Kochstudio hat ihm immer Freude bereitet, selbst wenn er sich mal über Kursteilnehmer geärgert hat.

Video: Zum Jahresende schließt Walter Siebert sein Kochstudio.

Viele interessante Stationen hat Walter Siebert während seiner Laufbahn absolviert. Seine Karriere begann in der „Traube“ in Ehingen, die Koch-Lehre hat er im „Welde-Bräu“ in Schwetzingen beendet. Sein beruflicher Weg führte den Sternekoch unter anderem auch ins Flughafen-Restaurant „Top Air“ nach Zürich-Kloten sowie ins Schloss Heinsheim. Die Meisterprüfung legte er im renommierten „Brenners Park-Hotel“ in Baden-Baden ab.

Seit 2000 mit Kochschule selbstständig

Später arbeitete Walter Siebert unter anderem auch für das Studentenwerk in Ulm, und dort auch als Mensa- und Cafeteria-Leiter. Im Jahr 2000 machte er sich mit seiner Kochschule in Welzheim selbstständig.

Ende des Jahres ist nun Schluss. Im Jahr 2000 hat er das Studio in Welzheim eröffnet, um sich selbstständig zu machen und der Kochkunst zu frönen, ohne die vielen Stresserlebnisse, die mit der Arbeit in einer großen Küche verbunden sind.

Kurse werden über die Volkshochschule angeboten

„Es hat eine Weile gedauert. Ich habe aber keine Werbung gemacht“, blickt Walter Siebert zurück. Weil die Kurse über die Volkshochschulen angeboten werden, hat sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda das gute Welzheimer Kochstudio bald herumgesprochen. „Es hat über ein Jahr gedauert, bis es richtig gelaufen ist, dann waren die Kurse fast immer voll.“ Das Kochstudio wurde zum Selbstläufer.

Der Soßenkurs war jedesmal ausgebucht

Zuerst konzentrierte sich Walter Siebert auf Muttertags- und Ostermenüs. Doch die regionalen Kochkurse aus der Toskana und der Provence liefen besser. „Der Soßenkurs war jedes Mal mehrfach ausgebucht.“ Er ist mit reichlich Arbeit verbunden, weil Walter Siebert die Soßen von Grund auf aufbaut. Alles wird vorher angesetzt. Für die Brühe werden Knochen gekocht. Das sorgt dann für einen guten, kräftigen Geschmack. „Wenn man Gescheites reintun, kommt auch was Gescheites raus.“ Die Kochkunst allein macht es nicht aus, auch die Zutaten müssen in der Qualität stimmen. Wie neulich beim schwäbischen Kochkurs: Der Gaisburger Marsch schmeckte zum Schwärmen gut, die Bratkartoffeln zu den Sauren Nierle: ein Gedicht. Alexander Löscher aus Schorndorf-Schornbach ist nicht zum ersten Mal hier. Den Soßenkurs und das Weihnachtsmenü hatte er zuvor schon bei Walter Siebert in Welzheim belegt. „Kochen ist mein Hobby.“

Philipp Gebhart aus Denkendorf (Landkreis Esslingen) hat den schwäbischen Kochkurs über die Volkshochschule gebucht. Die Sauren Nierle will er jetzt zu Hause auch mal ausprobieren. „Das ist gar nicht so schwer.“

Damit auch die Kinder kochen lernen ...

Manche buchen einen Kochkurs als Weihnachtsfeier für die Freunde, oder als Geburtsfeier für die Familie. Es gibt aber auch Eltern, die mit ihren Kindern nach Welzheim kommen, „damit die auch mal kochen lernen“.

In den aktivsten Jahren hat Walter Siebert bis zu 40 Kochkurse im Jahr angeboten. Da wurde dann freitags, samstags und sonntags gebruzelt, gekocht und gebacken und die Küche der Sieberts wurde nicht mehr kalt. „Das schaffe ich heute nicht mehr von der Kondition her.“

Anekdoten aus 17 Jahren Kochstudio

Geschichten und Anekdoten gibt es in 17 Jahren Kochstudio genug: Eine Frau ist vom Wolfbarsch in der Salzkruste ganz begeistert. Das Backblech wird zum Zubereiten mit Alu-Folie ausgelegt, damit das Salz nicht reinbrennt. Dann sagt die gute Frau ganz laut in die Runde: „Herr Siebert, ich würde gerne öfters einen Wolfsbarsch machen, wenn ich nicht jedes Mal meine Auflaufform opfern müsste ...“

Ein Teilnehmer beklagt, dass seine Bratkartoffeln immer verfallen. Ja, wie lange er sie denn im heißen Wasser kochen würde? Weiß er nicht. Offensichtlich viel zu lange. Walter Sieberts Tipp: Kartoffeln 27 Minuten kochen, am besten einen Tag vorher oder morgens für das Abendessen.

Siebert widmet sich der Kunst

Wehmut kommt auf. „Ich habe es gerne und mit Herzblut gemacht.“ Manchmal hat sich Walter Siebert geärgert, weil zum Kochen nachher auch die saubere Küche gehört. „Der Arbeitsplatz muss immer wieder frei sein.“ Im Kochkurs wird normalerweise mit Kochschürze gekocht. Doch manche legen in ihrer Alltagskleidung los.

Nun hat Walter Siebert mehr Zeit für sein zweites Hobby: die Malkunst an der Staffelei, seine Schnitzkunst und die Skulpturen in seinem Garten.