Welzheim

Kürzungen von Pfarrstellen im Welzheimer Wald: Womit Pfarrer Stürmer rechnet

Thomas Stürmer
Pfarrer Thomas Stürmer in der St.-Gallus-Kirche in Welzheim. © Gabriel Habermann

Das neue Jahr bringt auch für die evangelischen Kirchengemeinden auf dem Welzheimer Wald Veränderungen. Das kann Thomas Stürmer, der geschäftsführende Pfarrer der evangelischen Verbundkirchengemeinde Welzheim und Rienharz, schon mal in Aussicht stellen. Die Zahl der Pfarrstellen im Welzheimer Wald wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Wenn auch die genauen Zahlen noch nicht feststehen: Der neue Pfarrplan wirft seine Schatten voraus, wird in einem Gespräch zum Jahresrück- und -ausblick klar.

„Wahrscheinlich bekommen die Kirchenbezirke im Februar die Zahlen, wie viele Pfarrstellen es im Kirchenbezirk geben wird“, so der 54-Jährige. Die Landessynode habe in der Herbstsynode Zielzahlen beschlossen. „Bis 2030 müssen in Württemberg 24 Prozent der Pfarrstellen eingespart sein.“ Der jeweils genaue Wert richte sich nach der Entwicklung der Gemeindegliederzahlen. „20 Prozent sind das Minimum, es können auch 26 Prozent sein.“ Geschaut werde, wie sich die Mitgliederzahlen im Kirchenbezirk Schorndorf entwickelt haben im Vergleich zu anderen Kirchenbezirken.

"An welchen Orten können wir noch wie oft Gottesdienst feiern?" 

Was ist aus der Sicht der Kirchengemeinden im Welzheimer Wald bei Abwägungen zu Einsparungen bei den Pfarrstellen zu bedenken? Zum einen die hohe Kirchenbindung auf dem Land. Zum anderen handele es sich bei Welzheim, Alfdorf und Kaisersbach um drei politische Kommunen mit sehr vielen Teilorten und Wohnplätzen, was einen höheren Aufwand bedeute. „An welchen Orten können wir noch wie oft Gottesdienst feiern?“ Das Hin- und Herfahren brauche Zeit. „Wie viele Predigtstellen können wir in welcher Frequenz bedienen?“, schildert Stürmer Aspekte.

Arbeitshypothese: Etwa ein Viertel der Pfarrstellen fällt weg

Etwa ein Viertel der Stellen fällt weg, von diesem Wert geht der geschäftsführende Pfarrer als Arbeitshypothese aus. Bisher kümmern sich fünf Pfarrerinnen und Pfarrer in unterschiedlichen Stellenumfängen um das Wohl der Kirchengemeinden und ihrer insgesamt circa 9200 Mitglieder in Welzheim, Rienharz, Alfdorf, Kaisersbach und Hellershof. Jetzt schon erstrecken sich die Dienstaufträge über die Gemeindegrenzen hinweg. „Der Einzige, der nur hier ist, das bin ich“, sagt Thomas Stürmer zu seinem Amt in Welzheim.

Einsparungen von rund 25 Prozent bei den Pfarrstellen: „Das trifft alle“, ahnt Stürmer für die Geistlichen. Mit entsprechend mehr Taufen, Konfirmanden, Gemeindemitgliedern, Beerdigungen, und so weiter.

In Welzheim und Rienharz in diesem Jahr rund 70 Austritte aus der Kirche

Die Kehrseite der Medaille benennt Stürmer auch: „Wir haben kontinuierlich Kirchenaustritte, die sehr schmerzlich sind.“ In der Welzheimer Verbundkirchengemeinde mit Rienharz haben in diesem Jahr rund 70 Menschen die Kirche verlassen. 4800 Mitglieder zählt die Gemeinde. „Man muss auch sehen, wie sich durch die demografische Entwicklung die Sache entwickelt.“

„Wo wir die Relevanz nicht haben für die Menschen, werden sie austreten“

Der Geistliche sagt: „Selbstverständlich ist es nicht mehr, in der Kirche Mitglied zu sein, auch hier nicht mehr.“ Warum die Menschen der Kirche den Rücken kehren, dazu gebe es sehr selten eine direkte Rückmeldung. „Ich denke, jeder wird die Relevanzfrage stellen. Wo ist die Relevanz für mich? Wo wir die Relevanz nicht haben für die Menschen, werden sie austreten.“

Was tun? Wie lassen sich Beziehungen zu möglichst vielen Menschen knüpfen, wie kann man Angebote machen, „von denen sie sagen, das ist relevant für mich“, sagt Thomas Stürmer generell. In der Limes-Stadt selbst ist er noch relativ neu im Amt. Er stellt indes fest: „Das Spektrum der Frömmigkeit in Welzheim ist relativ breit.“ Diese Vielfalt spiegele sich in den Gottesdiensten wider. Unterschiedliche Angebote gebe es auch in musikalischer Sicht wie mit den Bands im CVJM, Kinder- und Posaunenchor, dem Feierabendgottesdienst mit eigenen Bands. Kurz: Es gebe einen individuellen Bedarf und Formen, wie Menschen ihre Spiritualität leben wollen. „Und im hauptamtlichen Bereich schwinden die Ressourcen. Das müssen wir zusammendenken.“

"Wir haben ein Mitspracherecht, wir haben auch die Pflicht, uns Gedanken zu machen"

Wie geht es weiter in Sachen Pfarrstellen? Die Entscheidung, wie die Pfarrstellen im Kirchenbezirk verteilt werden, trifft die Kirchenbezirkssynode. „Von den Gemeinden und Distrikten kommen aber Vorschläge.“ Denn, so erklärt Stürmer: „Wir haben ein Mitspracherecht, wir haben auch die Pflicht, uns Gedanken zu machen.“

„Noch sind es Gedankenexperimente“, ordnet der Pfarrer die Überlegungen ein. Es gibt noch keine Gremien, die konkret an Vorschlägen arbeiten. Doch Thomas Stürmer rechnet damit, dass man im ersten Quartal damit beginnen wird. „Vier Kirchengemeinden müssen miteinander ins Gespräch gehen, wie das am besten umzusetzen ist.“ So stimmt der Pfarrer schon mal auf Kürzungen ein. „Es müssen Konzepte gefunden werden, wie lässt sich im Welzheimer Wald gute Gemeindearbeit machen, wenn wir eine Pfarrstelle weniger haben.“ Jede Kirchengemeinde müsse Prioritäten setzen, aber auch die Nachbargemeinden sehen. Dass eine Gemeinde ganz außen vor bleiben kann, „das wird nicht der Fall sein“.

Und das Ehrenamt? Ist nicht zuletzt durch die Folgen der Corona-Pandemie selbst sehr gefordert und belastet. Und Thomas Stürmer will hier auch nicht die „übrig bleibenden“ Arbeiten verteilen. Er fragt vielmehr, was Menschen einbringen können und wollen, was ist fruchtbar zu machen für die Kirche, was hält der ehrenamtliche Mitarbeiter selbst für eine relevante Arbeit. „Da müssen wir noch innovativer werden. Wir können uns weiterentwickeln in der Ehrenamtskultur.“

Das neue Jahr bringt auch für die evangelischen Kirchengemeinden auf dem Welzheimer Wald Veränderungen. Das kann Thomas Stürmer, der geschäftsführende Pfarrer der evangelischen Verbundkirchengemeinde Welzheim und Rienharz, schon mal in Aussicht stellen. Die Zahl der Pfarrstellen im Welzheimer Wald wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Wenn auch die genauen Zahlen noch nicht feststehen: Der neue Pfarrplan wirft seine Schatten voraus, wird in einem Gespräch zum Jahresrück- und -ausblick

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