Welzheim

Kaisersbach: Kürbisse im Herbst - Wer früh klein sät, kann groß ernten

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Mara Österle, Jona Haas und Emily Österle auf dem Erdhügel bei der Kürbisernte in Kaisersbach. © Markus Metzger

Prall, orange und gelb glänzt die Kürbis-Ernte am aufgeschütteten erdigen Hügel in Kaisersbach, auf dem die Kinder Mara Österle (zehn Jahre), Jona Haas (elf Jahre) und Emily Österle (sechs Jahre) mit ihren bunten Schuhen herumturnen. Mara und Emily sind Schwestern, Jona ist ihr Cousin. Jedes Kind hat eine Aufgabe, und diese haben sich die drei Schüler, ausnahmsweise freiwillig ohne Erwachsene, selbst zugeteilt: die Aussaat, Pflege und Aufzucht von Zierkürbissen aller Art sowie den essbaren Hokkaido-Kürbissen mit anschließendem Straßenverkauf.

„Wir müssen bei jedem Wetter, und das bereits ab Mitte Mai, nach den Kürbissen schauen sowie das Unkraut jäten“, erzählt Jona, und Mara ergänzt mit viel Enthusiasmus: „Wir hatten dieses Jahr einen ganzen Schubkarren voll Unkraut.“ Was aber treibt drei Jugendliche an, selbst und ständig raus in die Natur zu gehen und dafür die heimische Playstation, den PC oder das Fernsehprogramm hinter sich zu lassen? In Gummistiefeln in der Erde zu graben und verantwortungsbewusst Pflanzen zu umsorgen ist vielleicht nicht unbedingt alterstypisch. „Unsere Großcousins haben es angefangen und hatten keine Zeit mehr, und dann wollten wir einfach weitermachen“, erklärt Jona mit einem breiten Grinsen über beide Backen. Neben dem Haus der Eltern wurde laut Mara ein Erdhaufen aufgeschüttet, der Opa schenkte dann die ersten Kerne. Diese werden dann jedes Frühjahr in die extra dafür gefertigten Torftöpfe gesetzt und müssen natürlich für die Anzucht gut gewässert werden, wissen alle drei Kids. Jona ergänzt dazu fachmännisch: „Wir gießen alles täglich!“ Wenn die Setzlinge dann sieben Zentimeter groß sind, werden sie von den drei Kindern in die dafür extra hergerichteten Erdstufen, genannt Etagen, ausgesetzt. Vorab müssen in den Erdstufen kleine Löcher gegraben werden, damit die Setzlinge, zum Großwerden, dort eine Heimat finden können. Nährstoffreiche Erde wird ergänzt, aber immer alles rein „bio“, das ist allen sehr wichtig, was später auch für die Schädlingsbekämpfung gilt. Am Erdhügel gilt natürlich immer äußerste Vorsicht und ihre Eltern haben vom nahe gelegenen Haus trotzdem einen wachen Blick auf das Geschehen. „Weil man ihn essen kann, ist mein Lieblingskürbis der Hokkaido“, ruft Emily, die Jüngste im Bunde – in die bunte Runde. Jona findet den auch ganz gut, da er laut dem blonden Wuschelkopf „eine Nutzpflanze ist“.

Wie geht es dann nach der Aussaat weiter? Die Pflanzen ranken sich über die Monate, laut Kids, dann am Berg runter, deshalb sollten es Erdstufen und Terrassen sein, dass diese sich dort festhalten können. An der Blüte der Pflanzen wächst dann der Kürbis. „Wenn der Stiel der Pflanze erst mal braun wird, wächst der Kürbis nimmer weiter“, fachsimpelt Mara und sie hat noch eine Wachtsums-Anekdote parat: „Es kam auch schon mal vor, dass einer wie ein Schwan aussah.“ Es riecht hier bei der Ernte schon nach Herbst und das bunte, am Boden liegende Laub ergänzt die Szenerie fantastisch. Auf die Frage, während sie nebenher die Kürbisse abmachen, was sie antreibt, antworten sie: „Es ist voll cool, etwas selbst einzupflanzen, und es macht Spaß zu sehen, was in ein paar Wochen so alles passiert.“

Es fehlen 20 Euro in der Kasse der Jugendlichen

Während der Hokkaidokürbis deutschlandweit in erster Linie als Speisekürbis für Suppen und herzhafte Gerichte genommen wird, ist die Gattung der Zierkürbisse vor allem aufgrund ihrer im Herbst gern gesehenen zierenden Wirkung gefragt. Ja und was passiert nun in Kaisersbach nach der Kürbis-Ernte? In ihrem selbst dafür hergerichteten Kettcar wechseln sich Mara und Jona täglich ab und bringen neue Ware in den extra dafür gezimmerten Straßenverkaufsstand. Sie schreiben sich meist zuvor am Handy, wer heute dran ist. Emily ist noch zu klein, um den 300 Meter langen Weg vom Elternhaus allein zu meistern. Mara und Jona müssen am Verkaufsstand, der direkt an der Hauptstraße vom Ebnisee und Schwabenpark her kommend steht, immer alles auf die Vollständigkeit überprüfen. Eine Kasse zum Bezahlen ist dort, inklusive gut sichtbarer Preise, angebracht. Für jede Kürbis-Größe ein passend faires Angebot. Nur so ganz fair ging es dort, auch dieses Jahr, nicht immer zu. Maras Stimme wird plötzlich leise und der Blick von Jona senkt sich, als sie folgende Geschichte erzählen: „Oft kommt es vor, dass Leute mehr mitnehmen und zu wenig einwerfen, und dieses Jahr fehlen auch schon 20 Euro“. Man spürt das beklemmende Gefühl der Jugendlichen und Mara erzählt weiter: „Da hat jemand einen kleinen Hokkaidokürbis für 1,50 Euro und einen großen für 3 Euro mitgenommen. Derjenige hätte laut Preisschild 4,50 Euro einwerfen sollen, hat jedoch nur 2,90 Euro dagelassen.“ Kurz halten die Kids inne und dann sagt Jona kämpferisch, dass es ihnen hier nicht um das Geld geht, sondern um die Wertschätzung. "Wir geben uns Mühe und so ein Verhalten ist unfair.“ Aber die drei heranwachsenden Kaisersbacher blicken nur nach vorn. Letztes Jahr kauften sie sich einen Zauberkasten vom Ertrag und auf Nachfrage, was dieses Jahr ansteht, kam ein Schulterzucken. Das werde erst noch besprochen. Die Saison geht ja noch bis Ende Oktober und Stand heute wurden ihnen die Kürbisse in diesem Jahr, salopp gesagt, „aus den Händen gerissen“.

Da das Jahr trocken war, gab es generell nur die Hälfte wie die Jahre zuvor und die Abnahme war somit sehr gut. Aber Mara, Jona und Emily wären nicht sie selbst, wenn sie nicht schon hoffnungsvoll auf die kommende Saison 2023 blicken würden. Wieder in der Natur und natürlich erneut mit viel optimistischer Vorfreude. Als Vorbild für viele Kinder, dass Verantwortung im Kleinen schon früh beginnen kann und dies kindergerecht mit „grünem Daumen“.

Prall, orange und gelb glänzt die Kürbis-Ernte am aufgeschütteten erdigen Hügel in Kaisersbach, auf dem die Kinder Mara Österle (zehn Jahre), Jona Haas (elf Jahre) und Emily Österle (sechs Jahre) mit ihren bunten Schuhen herumturnen. Mara und Emily sind Schwestern, Jona ist ihr Cousin. Jedes Kind hat eine Aufgabe, und diese haben sich die drei Schüler, ausnahmsweise freiwillig ohne Erwachsene, selbst zugeteilt: die Aussaat, Pflege und Aufzucht von Zierkürbissen aller Art sowie den essbaren

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