Welzheim

Klares Votum für die Schwäbische Waldbahn

Schwäbische Waldbahn_0
Das Thema Waldbahn sorgte auf Facebook für eine rege und kontroverse Debatte. © Danny Galm

Das Votum unserer Online-Leserschaft ist eindeutig: Die Schwäbische Waldbahn soll weiter gefördert werden – trotz der kritischen Anmerkungen des Landesrechnungshofes. Mehr als 660 Facebook-User haben sich an der Umfrage beteiligt. Rund 630 von ihnen votierten mit: Weiter fördern.

Die Schwäbische Waldbahn steht seit Jahren als Beispiel für die Verschleuderung von Steuergeldern im Visier des Bundes der Steuerzahler. Sie wird auch in der jüngsten Ausgabe des Schwarzbuches erwähnt. Nun hat aber auch der Landesrechnungshof sechs Museumsbahnen im Land unter die Lupe genommen und in seiner „Denkschrift 2017“ ein harsches Urteil über die Förderpraxis gefällt.

Nach den Kostensteigerungen der bisherigen Sanierung seien auch die weiteren Sanierungskosten für die Waldbahn nicht absehbar. Der Rat der Rechnungsprüfer lautet: Das Land solle seine Förderpraxis überdenken.Wir fragten auf Facebook: „Ist es sinnvoll, die Schwäbische Waldbahn weiter zu fördern?“ Die weit überwiegende Mehrheit der Teilnehmer an unserer Facebook-Umfrage klickten auf „Ja, klar doch!“ Das Thema Waldbahn sorgte für eine rege und kontroverse Debatte. Einige Auszüge:

Hendrik Ruoff eröffnete die Diskussion mit seiner Meinung: „Dass sich das nicht rechnet, war doch schon immer klar ...“ Marc Stecher befand: „Es wäre sinnvoller (und für den Steuerzahler günstiger) gewesen, aus der Trasse einen Rad- oder Erlebniswanderweg zu machen.“

Christian Kollmer betonte demgegenüber den Nutzen: „Die Bahn ist fast immer voll. Meines Erachtens ist der touristische und somit strukturelle Nutzen für die Region mit der Bahn höher. Zieht mehr Gäste als eine Bergstrecke zum Radeln.“

Konstantin Neer gab zu bedenken: „Der Umbau stillgelegter Bahnstrecken zu einem attraktiven (!) Radweg kostet anderswo Millionenbeträge, Beispiele gibt es genug - ist also definitiv keine ,billigere’ Lösung.“ Franz Hillenbrand hält nichts vom Radweg: „Auch Fahrradwege liegen im Winter zumeist nutzlos rum. Wenn man den Vorteil der Bahntrasse erhalten will, muss man auch für den Radweg die Kunstbauten erhalten.“

Eine Touristenattraktion

Kai Dorra schrieb: „Absolut förderungswürdig! Eine der schönsten Eisenbahnstrecken Deutschlands und eines der Highlights des Schwäbischen Waldes.“ Jürgen Seng gibt ihm recht: „Vor allem wenn man sich vor Augen hält, für welchen Unfug sonst überflüssig Gelder ausgegeben werden!“

Regina Fiedler: „Es müsste vielleicht noch mehr Werbung gemacht werden als Touristenattraktion. Bei uns im Schwäbisch-Fränkischen Wald ist es doch auch schön.“ Lukas Böhme: „Der touristische Wert dieser Bahn könnte mit der richtigen Förderung für den Landstrich noch gesteigert werden, aber die Kurzsichtigkeit von Ländern und Politik würde ja lieber kaum genutzte Radwege anlegen, die den anliegenden Gemeinden kaum einen Pfennig einbringen würden.“

Dieter Schick fordert: „Weiterhin fördern. Jedes kommunale Hallen- oder Freibad kostet den Steuerzahler auch Geld.“ Robert Stefanowicz: „Jeder, der damit gefahren ist, weiß, was das für ein tolles Erlebnis ist. Meines Erachtens sollte die Bahn auf das Unesco-Welterbe!“

„Es ist wichtig, ein Konzept nach dem Fahrgast zu stricken!“

Günter Pfau meint, dass das Konzept der Waldbahn überarbeitet werden muss. „Es ist wichtig, ein Konzept nach dem Fahrgast zu stricken!“ Gerald Stempel: „Wenn man die Sinnhaftigkeit der Förderung der Waldbahn hinterfragt, muss man genauso die Sinnhaftigkeit der Förderung des Staatstheaters, der Stadtbibliothek oder der diversen Museen hinterfragen.“

Dass die Dampfloks auf der steilen Strecke von Diesellokomotiven unterstützt werden, sorgte auch für Fragen. Martina Kind-Büchler bedauert den Einsatz von Dieselloks: „In anderen Regionen gibt’s das nicht und da gibt’s mehr Höhenmeter.“

Steffen Beck klärt auf: „Die Dampflok, die vor diesem Sonderzug zu 95 Prozent der Zeit zum Einsatz kommt, würde es ohne die Unterstützung dieser Diesellok nicht die Steigung hinauf schaffen. Zudem hat die Diesellok am Ende des Zuges bei Talfahrt die Aufgabe, die Dampflok beim Bremsen des Zuges zu unterstützen. Hat alles betriebliche Gründe.“

„Nicht förderungswürdig“

Melissa Zier schrieb: „Nicht förderungswürdig. Lieber das Wiesel durchfahren lassen oder anderweitig den ÖPNV ausbauen, als so eine überflüssig teure Tourist*innenattraktion weiter zu förden.“ Sascha Willsch widersprach: „Da müsste aber auch in die Infrastruktur (Gleise, Viadukte) investiert werden.

Wenn ÖPNV gefahren wird, gibt’s noch größere Forderungen und Auflagen vom Eisenbahnbundesamt.“ Heiko Gebele will beides: „Ich würde es geil finden, wenn der Wiesel bis Welzheim fährt – und trotzdem würde ich den Dampfzug fördern.“

Schwierig, gibt Andreas Schäbbert zu bedenken: „Die Strecke zwischen Oberndorf und Welzheim ist derzeit nur für 40 km/h ausgebaut, stellenweise weniger. Moderner ÖPNV braucht aber in der Regel mindestens 80 km/h, um konkurrenzfähig zu sein. Will man die Strecke auf diese Geschwindigkeit ausbauen, sind die bisherigen Fördergelder Peanuts.“

Dietmar Haerer schließlich wurde grundsätzlich: „Wenn man alte Dinge aufgibt, verliert man seine Vergangenheit. Zukunft ist die Weiterführung der Vergangenheit über den Weg der Gegenwart. Sonst kann man nur noch sagen, es war einmal. Und so beginnt ein jedes Märchen ...“