Welzheim

Kleine Helfer gegen die Kippenplage: Welzheimer Tüftler und ihre findige Idee

AKSaubereStadt
Seit einem Jahr gibt es die kleinen zusätzlichen Aschenbecher des Arbeitskreises Saubere Stadt inzwischen, und sie haben sich bewährt. Im Hintergrund stehen die ehrenamtlichen Schaffer und Tüftler Achim Buhl (von links), Dieter Münkel und Siegfried Grau. © Benjamin Büttner

Idealerweise bräuchte man sie gar nicht, die Helfer des Arbeitskreises Saubere Stadt. Würde etwa jeder seine Flaschen wieder mitnehmen, seine Kippen in die Aschenbecher werfen, die gebrauchten Taschentücher in den Müll und die eigenen Hinterlassenschaften wegräumen, es wäre ideal.

In der Realität ist’s freilich mancherorts oft auch deshalb sauber, weil sich neben den städtischen Mitarbeitern die fleißigen ehrenamtlichen Putzer an die Arbeit gemacht haben. Am Aichstrutsee zum Beispiel gehen Achim Buhl, Siegfried Grau und Dieter Münkel montags in der Früh ihre Runde. Noch ist es kühl, die Sonne lässt ihre volle Kraft nur ahnen. Im See drehen wenige Schwimmer ihre Runden, ein Greifvogel kreist über der Wasseroberfläche. Unten auf dem Parkplatz machen es sich die Urlauber im Campingstuhl vor ihren Wohnmobilen gemütlich.

Zeit zum Durchatmen für die einen und zum Schaffen für die anderen. Denn nach einem heißen Wochenende haben manche Badegäste ihre Spuren hinterlassen. Die Mitarbeiter des Bauhofs kommen zwar auch an den Aichstrutsee und leeren etwa die Mülleimer. „Aber sie können das ja gar nicht mit der Intensität machen“, sagt Achim Buhl, Sprecher des Arbeitskreises Saubere Stadt Welzheim, mit Blick auf die Putzeinsätze der ehrenamtlichen Helfer. Er und seine beiden Mitstreiter beispielsweise gehen suchenden Auges um den See, die Hände in Handschuhen, die langen Greifzangen einsatzbereit.

Die Kippen ärgern die ehrenamtlichen Schaffer besonders

Ihre Arbeit erweist sich mitunter als kleinteiliges Unterfangen. Zigarettenkippen etwa finden sich vor allem an Liegen und Bänken am See und werden Stück für Stück aufgesammelt. Die Männer beseitigen indes nicht nur die Überreste der Raucher. Wodkaflaschen, volle Windeln, benutzte Kondome: Es hat schon seinen Sinn mit den Handschuhen und Greifzangen.

Doch die Kippen ärgern die ehrenamtlichen Schaffer besonders. Denn sie, einmal weggeworfen, stören nicht nur das Auge, sie schaden auch der Umwelt. Wer einmal googelt, weshalb, findet eindrückliche Antworten. „Eine Zigarettenkippe verschmutzt rund 40 Liter Wasser“, mahnt beispielsweise die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg Raucher, Kippen nicht achtlos wegzuwerfen. „Mit dem Regen werden die Gifte in den Boden sowie ins Meer gespült und gelangen so in die Nahrungskette.“ Und weiter: „In Zigaretten sind über 7000 Schadstoffe enthalten, davon nachweislich 50 krebserregende Stoffe. Pro Zigarettenkippe landen zwei bis sechs Milligramm giftiges Nikotin in der Umwelt.“

Wenn der Raucher nicht zum Aschenbecher kommt, muss es andersherum versucht werden

Achim Buhl, Siegfried Grau und Dieter Münkel haben sich in das Thema eingefuchst. Vor drei Jahren begannen die Arbeitskreis-Aktiven, sich Gedanken zu machen, wie man das Problem eindämmen könnte. Sie informierten sich auch im Internet und in den sozialen Medien und stießen auf Initiativen wie etwa die „City Cleaners“.

Und wurden selbst aktiv gegen die Kippen. Wenn der Raucher nicht zum Aschenbecher kommt, dann muss es eben andersherum versucht werden: So schafften die Tüftler aufschraubbare Blechdosen an, sorgten für ein Loch im Deckel und brachten sie zum Beispiel an Bänken am Kirchplatz, am Stadtpark, nahe den Wellingtonien oder am Aichstrut-See an, dort, wo viele Kippen lagen. Denn dass Kippen trotz eines Aschenbechers in der Nähe nicht in diesem Behälter, sondern davor liegen, das haben die Aktiven schon oft erlebt. Ihre kleinen zusätzlichen Aschenbecher versahen sie mit Aufklebern, die auf die Umweltgefahr durch Kippen hinweisen, und mit einer cleveren Befestigung: Mit einer drehenden Handbewegung lassen sich die Dosen leeren.

23 zusätzliche Ascher angebracht: „Genauso viele sind zerstört worden“

23 Stück wurden angebracht. „Genauso viele sind zerstört worden“, sagt Dieter Münkel. Die ehrenamtlich Aktiven versuchen, die Dosen zu reparieren, oder schaffen neue an. Vor zwei Plätzen in der Stadt haben sie aber kapituliert: am Wohnmobil-Stellplatz am Bahnhof und am Pavillon im Stadtpark. Hier wurden die zusätzlichen Aschenbecher immer wieder kaputtgemacht.

Dennoch: Ein Jahr gibt es die kleinen Blechbehälter inzwischen, und das Projekt hat etwas gebracht. Dass alle Raucher ihre Kippen deshalb dort einwerfen, das erwarten die ehrenamtlichen Putzer gar nicht. „Hundert Prozent erreichen wir nicht“, weiß Siegfried Grau. Landen aber nur zwei auf dem Boden statt früher 20, „hat es sich gelohnt“.

Darüber hinaus setzen sich die Arbeitskreis-Mitglieder besonders für zigarettenfreie Spielplätze ein. Der Rauch schadet der Gesundheit, und wo Kinder spielen oder sogar noch krabbeln und gern mal etwas in den Mund stecken, sollten natürlich keine Kippen in Reichweite sein. „Zigarettenkippen können für Kleinkinder tödlich sein“, warnt zum Beispiel der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte im Internet.

Auf Spielplätzen auf den Glimmstängel zu verzichten, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ein entsprechendes Rauchverbot ist bereits festgelegt und soll noch in die Spielplatz-Satzung der Stadt aufgenommen werden.

Bauhof soll zusätzliche Rauchverbotsschilder aufstellen

Als Piktogramm ist das Rauchverbot bereits an allen Spielplätzen auf jenen Schildern zu finden, die die Verhaltensregeln für Spielplätze erklären. Zusätzliche Rauchverbotsschilder muss die Stadt noch drucken lassen, sagt Pressesprecher Uwe Lehar. Es habe eine Vielzahl von Themen angestanden, die aus Sicht der Stadt dringender gewesen seien. Der Bauhof soll aber zusätzliche Rauchverbotsschilder in Kürze an allen Spielplätzen aufstellen, gibt Uwe Lehar Auskunft.

Was kostet es, wenn man künftig trotzdem auf einem Spielplatz raucht und erwischt wird? Das kann die Stadt selbst festlegen und will das im Herbst auch tun. Lehar geht von einem Betrag zwischen 30 und 40 Euro aus.

Idealerweise bräuchte man sie gar nicht, die Helfer des Arbeitskreises Saubere Stadt. Würde etwa jeder seine Flaschen wieder mitnehmen, seine Kippen in die Aschenbecher werfen, die gebrauchten Taschentücher in den Müll und die eigenen Hinterlassenschaften wegräumen, es wäre ideal.

In der Realität ist’s freilich mancherorts oft auch deshalb sauber, weil sich neben den städtischen Mitarbeitern die fleißigen ehrenamtlichen Putzer an die Arbeit gemacht haben. Am Aichstrutsee zum Beispiel

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