Welzheim

Kommen jetzt bald Tempo 40 und ein Blitzer in der Ortsdurchfahrt von Breitenfürst?

Breitenfürst
Viele fahren zu schnell in die westliche Ortseinfahrt von Breitenfürst. © Mathias Ellwanger

Zwei gute und eine nicht so gute Nachricht gab es für die verkehrsgeplagten Breitenfürster im Bau- und Verwaltungsausschuss am Dienstagabend. Zunächst die schlechte: Eine Umgehungsstraße wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Denn das Regierungspräsidium hat die Aussichten auf eine Umsetzung als sehr unwahrscheinlich bewertet. Das Gremium kam deshalb zum Schluss, dass von einer Machbarkeitsstudie für die Umgehung besser abzusehen ist.

Nun zu den guten Nachrichten: In der Vorberatung zur Fortschreibung des Lärmaktionsplans äußerten sich die Gremiumsmitglieder positiv über weitere Maßnahmen zur Lärm- und Verkehrsberuhigung. So halten sie Lärmschutzwände, eine Temporeduzierung und sogar einen stationären Blitzer für denkbar.

Eine Umgehungsstraße wird sehr unwahrscheinlich

Alle fünf Jahre müssen die Gemeinden einen Lärmaktionsplan vorlegen, erklärte Ulrich Finke, Stadtplaner bei der Stadt Welzheim, dem Gremium. Die Stadt habe dabei Vorschläge aus der Bürgerbeteiligung aufgegriffen und nun auch die Rückmeldungen von Landratsamt und Regierungspräsidium dazu erhalten. „Wie zu erwarten, waren die Meinungen zu den Vorschlägen nicht sehr euphorisch“, sagte Finke. Besonders zu der Idee einer Umgehungsstraße fiel das Urteil eindeutig, nämlich negativ aus. Finke fragte daher im Ausschuss: „Soll Geld in die Machbarkeitsstudie investiert werden? Falls man das dennoch macht, will ich darauf hinweisen, dass man alle Varianten untersuchen müsste, alles andere ist das Geld nicht wert.“

Als deutlich wahrscheinlicher bewerteten die Behörden aufgrund der gemessenen Lärmwerte eine Geschwindigkeitsreduzierung in der Ortsdurchfahrt. Wenn Tempo 40 statt 50 gelten würde, habe das eine Halbierung der Lärmquellen zur Folge, sagte Finke. „Zudem verbessert das die Sicherheit für querende Fußgänger.“ Auch Schallschutzwände für die Anwohner seien aufgrund der Lärmwerte möglich.

Den Blitzer müsste Welzheim bezahlen, die Einnahmen bekämen andere

Außerdem könnte sich die Verwaltung einen Antrag auf stationäre Radarüberwachung vorstellen. „Dass es nicht funktioniert mit den mobilen Messern, hat die Verkehrsmessung hinlänglich bewiesen“, so Finke. Allerdings müsste die Kommune die Kosten von 50 000 bis 70 000 Euro selbst übernehmen. Und würde dann auch nicht von den Einnahmen profitieren – diese gehen an die Bußgeldstelle des Landratsamtes. „Es wäre trotzdem zu erwägen, so etwas an der westlichen Ortseinfahrt zu machen.“ Indes soll am Knotenpunkt zwischen Reizenwiesen Süd und Nord auch noch ein großer Kreisverkehr entstehen, rund 500 Meter vor der Ortseinfahrt. „Das wird eine gewisse Bremswirkung haben. Es wäre zu erwägen, ob wir erst einmal die Wirkung dieses Kreisverkehrs abwarten.“

Über vier Punkte hatte das Gremium also zu beraten: Soll Tempo 40 kommen? Ist eine stationäre Radaranlage erwünscht? Befürwortet der Ausschuss Schallschutzmaßnahmen? Und soll, trotz geringer Aussichten auf Umsetzung, Geld für eine Machbarkeitsstudie ausgegeben werden?

Nico Kappel (CDU) hielt stationäre Blitzer für eine sinnvolle Lösung, um die Verkehrsteilnehmer auch zur Einhaltung von Tempo 40 zu zwingen. Eine Reduzierung alleine reiche aus seiner Sicht nicht aus. Er fragte sich zudem, wie viel eine Machbarkeitsstudie denn kosten würde.

Pirat Köngeter plädiert für eine Machbarkeitsstudie

„Über die Kosten brauchen wir uns weniger unterhalten als über die Auslastung der Verwaltung“, antwortete Bürgermeister Thomas Bernlöhr. „Sie müssen uns sagen, welche fünf unmittelbar bevorstehenden Maßnahmen dafür liegenbleiben sollen.“ Die Studie habe leider gar keine Realisierungswahrscheinlichkeit. „Ich finde schon, dass wir gut daran tun, Pläne zu entwickeln, für die wir eine Realisierungschance haben.“ Diese Machbarkeitsstudie sei aus seiner Sicht „ein Plan, um zu beweisen, dass wir’s untersucht haben“.

Philip Köngeter (Piraten) hingegen plädierte für die Machbarkeitsstudie, die ja auch externe Fachleute übernehmen könnten. „Ich wäre lieber immer gerne darauf vorbereitet und hätte gerne einen Plan in der Tasche“, sagte Köngeter, der sich zudem für Tempo 40, Schallschutzwände und einen stationären Blitzer aussprach, gerade wegen des Kindergartens nahe der Ortsdurchfahrt.

Auch Brigitte Macha (Freie Wähler) sprach sich für feste Geschwindigkeitskontrollen aus – zumal der Kreisverkehr ja wohl nicht so schnell kommen werde.

„Ohne eine stationäre Geschwindigkeitskontrolle macht eine Reduzierung auf 40 km/h keinen Sinn“, meinte Bürgermeister Bernlöhr. „Wenn wir das wollen, müssen wir in den sauren Apfel beißen und zahlen.“

Alles-rot-Ampel als Alternative für den Blitzer?

Dieter Hinderer (CDU) brachte dann sogenannte „Alles-rot-Ampeln“ ins Spiel. Diese schalten automatisch auf Rot, wenn sich ihnen jemand zu schnell nähert. Die Verwaltung könnte sich das durchaus als Alternativvorschlag zu einem stationären Blitzer vorstellen. Auch eine Verlegung der Bushaltestellen auf die Fahrbahn sei denkbar. Das habe zum einen einen verkehrsberuhigenden Effekt – und komme zum anderen dem öffentlichen Nahverkehr entgegen, der bei Tempo 40 ja langsamer durch den Ort kommen würde.

Ob ein stationärer Blitzer am Ende auch genehmigt wird, ist indes noch offen. Die Gründe dafür müssten ganz dezidiert dargelegt werden, sagte Ulrich Finke. Dabei geht es etwa um die Frage, ob es sich um einen Unfallschwerpunkt handelt, dort sehr schnell gefahren wird oder die Umgebung schützenswert sei. Zwei der drei Punkte seien in Breitenfürst gegeben: die schützenswerte Umgebung (nämlich der Kindergarten) sowie die teils sehr hohen Geschwindigkeiten, mit denen Verkehrsteilnehmer in den Ort hineinfahren.

Bürgermeister Bernlöhr fragte schließlich in die Runde, ob sich das Gremium auf Tempo 40 und einen Blitzer festlegen könne. Doch Sebastian Buhl (Freie Wähler) plädierte dafür, dass alle erst noch einmal in sich gehen und dann in der nächsten Gemeinderatssitzung in zwei Wochen darüber entschieden werden soll. Dem folgte dann der Ausschuss auch, der letztlich keine Empfehlung an den Gemeinderat gab, seine prinzipielle Zustimmung zu beiden Punkten aber signalisierte.

Zwei gute und eine nicht so gute Nachricht gab es für die verkehrsgeplagten Breitenfürster im Bau- und Verwaltungsausschuss am Dienstagabend. Zunächst die schlechte: Eine Umgehungsstraße wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Denn das Regierungspräsidium hat die Aussichten auf eine Umsetzung als sehr unwahrscheinlich bewertet. Das Gremium kam deshalb zum Schluss, dass von einer Machbarkeitsstudie für die Umgehung besser abzusehen ist.

Nun zu den guten Nachrichten: In der Vorberatung

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