Welzheim

Krämermarkt in Welzheim: So ist die Stimmung unter den Händlern

Kraemermarkt Welzheim
Ein Schwätzle auf dem Kirchplatz: Auch das war beim Krämermarkt möglich. © Büttner

Freitagmorgen um zehn am Welzheimer Kirchplatz. Der Krämermarkt ist (immer noch) kleiner als sonst und bei strahlendem Frühlingssonnenschein sind nur wenige Leute unterwegs, aber die Anbieter haben noch bis 17 Uhr Zeit, auf Kundschaft zu warten.

Und ja, es kämen schon mehr Leute ohne Maske, meint Klaus Hörger, der auf dem Markt unter anderem seine Dienste als Scherenschleifer anbietet, aber mehr Kunden hat er eigentlich nicht. Zwei Jahre hat er nicht arbeiten und Märkte besuchen können. Nur neunmal hat er 2021 seinen Stand aufbauen dürfen. Normalerweise ist er im Jahr auf 180 Märkten unterwegs. Zwar hat er eine Corona-Soforthilfe bezogen, aber die muss er jetzt ja wieder zurückzahlen. Deshalb ist er auf Vater Staat nicht sonderlich gut zu sprechen und redet sich sogar ein wenig in Rage.

Der aufgestaute Frust der vergangenen zwei Corona-Jahre ist überall zu spüren, ein gewisses Misstrauen der Zukunft gegenüber ebenfalls.

„Weil man einfach nicht genau sagen kann, wie es weitergeht“

Helga Trömer, die an ihrem Tischstand kleine Haushaltshelfer verkauft, hat gar kein Geld gesehen. Ihre Marktauftritte sind nur ein Nebengewerbe, aber sie ist, genau wie alle anderen Anbieter während der Pandemie, auf ihrer Ware sitzengeblieben. Das Auto für die Märkte und den Lagerraum hat sie trotzdem weiter bezahlen müssen, und ihr Blick in die Zukunft ist eher pessimistisch, „weil man einfach nicht genau sagen kann, wie es weitergeht“. Das ist angesichts der in den Himmel schießenden Inzidenzzahlen nicht wirklich verwunderlich.

„Wir sind sozusagen durchs Raster gefallen“, sagt eine Dame an einem Stand, die ihren Namen lieber nicht im Artikel genannt haben will. Zwar habe sie im Herbst und Winter des vergangenen Jahres bis Weihnachten auf die Märkte gehen können, aber das hat den Verdienstausfall nicht wirklich aufgefangen. „30 Prozent Umsatzeinbußen waren die Voraussetzung für die Hilfen, aber berechnet haben die das im Januar. Da gibt es überhaupt keine Krämermärkte; da hat es auch noch nie welche gegeben.“

Und damit auch weder Ausgaben noch Umsätze, die als Grundlage für eine Zahlungsberechtigung hätten dienen können.

Nicht arbeiten zu dürfen ist was anderes, als wenn man nicht arbeiten kann

Vor Gabi Scheid aus Winterbach ist auf einem Samttuch Magnetschmuck ausgebreitet, den sie selbst entwirft und größtenteils selbst herstellt. Reich geworden ist sie mit diesem Schmuck noch nie und wollte es auch nicht, aber sie ist zurechtgekommen, bis plötzlich gar nichts mehr ging. „Nicht arbeiten zu dürfen ist was anderes, als wenn man nicht arbeiten kann“, erklärt sie. Die Kunden haben sogar angerufen, weil sie nicht mehr kam, aber sie konnte ihnen nicht sagen, wann man sich wieder auf einem Markt treffen würde. „In solchen Zeiten lernt man seine echten Freunde kennen“, sagt sie mit einem Lächeln. „Die echten sagen einem dann: ,Wir haben sowieso gekocht, komm doch zum Essen vorbei.’“

Lob für die Stadt: „Die bemühen sich wirklich sehr“

Für die Welzheimer Stadtverwaltung ist sie übrigens des Lobes voll: „Die bemühen sich hier, die bemühen sich wirklich sehr.“ Andere Städte haben es ihr da schon schwerer gemacht. „Die haben ihre Märkte schon abgesagt, bevor man sich überhaupt Gedanken gemacht hat, ob man hingehen soll.“ Wer nämlich keinen Markt mehr veranstaltet, muss sich auch keine Gedanken um ein Sicherheitskonzept machen und die Einhaltung überwachen. Dann aber haben die Händler das Nachsehen - und den Schaden.

Freitagmorgen um zehn am Welzheimer Kirchplatz. Der Krämermarkt ist (immer noch) kleiner als sonst und bei strahlendem Frühlingssonnenschein sind nur wenige Leute unterwegs, aber die Anbieter haben noch bis 17 Uhr Zeit, auf Kundschaft zu warten.

{element}

Und ja, es kämen schon mehr Leute ohne Maske, meint Klaus Hörger, der auf dem Markt unter anderem seine Dienste als Scherenschleifer anbietet, aber mehr Kunden hat er eigentlich nicht. Zwei Jahre hat er nicht arbeiten und Märkte

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper