Welzheim

Krise beim FC Welzheim: Marode Kabinen, kaputter Platz - was tut die Stadt?

fc welzheim vereinsheim
Ein marodes Vereinsheim samt katastrophalen Umkleide- und Duschmöglichkeiten sowie ein kaputter Kunstrasen. Quo vadis, FC Welzheim? © Mathias Ellwanger

Nur eineinhalb Umkleidekabinen für fast 600 Mitglieder, die alle Fußball spielen beim FC Welzheim 06. Eineinhalb Umkleidekabinen, die so marode sind, dass sich Gastmannschaften schon vorab zu Hause umziehen müssen. Und ein Kunstrasenplatz, der sich auflöst und seitens des Württembergischen Fußballverbandes demnächst gesperrt wird für den Trainings- und Spielbetrieb.

"Spätestens in zwei Jahren gar keine Jugendmannschaften" beim FC Welzheim

Oder einfacher ausgedrückt: „Wenn wir seitens der Stadtverwaltung Welzheim und den Gemeinderäten nicht die Zusage dieses Jahr bekommen, dass sie den größten Teil der 1,3 Millionen Kosten für Vereinsheim, Umkleiden und Kunstrasen übernehmen, dann wird es in spätestens zwei Jahren gar keine Jugendmannschaften beim FCW geben und sehr wahrscheinlich überhaupt keine Fußballer mehr“, sagt Heiko Stütz, Vorsitzender des FC Welzheim 06.

Ohne Umkleiden und Duschen auf Dauer kein Fußball mehr in Welzheim

Seit sieben Jahren sei man in Gesprächen, getan habe sich nicht viel. Und jetzt steht eben fest: „Ohne Kunstrasen, da nur hier Flutlicht vorhanden ist, und ohne Umkleide- und Duschmöglichkeiten wird es auf Dauer keinen Fußball mehr in Welzheim geben. Fast 600 Mitglieder, davon 350 Kinder, könnten dann nicht mehr in Welzheim ihrem Hobby nachgehen“, so Stütz.

Heiko Stütz: „Wir können nicht den Großteil der Kosten übernehmen!“

Im Pressebericht des FC Welzheim 06 heißt es ganz am Ende: „Die Verantwortlichen des FC Welzheim 06 sind inzwischen seit sieben Jahren in Verhandlungen mit der Stadtverwaltung Welzheim und Bürgermeister Thomas Bernlöhr, um nach gemeinsamen Lösungen für den FC Welzheim 06 zu suchen. Eines scheint seitens des FC Welzheim jedoch klar, man erhalte nicht die Unterstützung der Stadt für die Infrastruktur und man müsse anfangen, Mannschaften vom Spielbetrieb abzumelden, um eine neue Struktur mit weniger Mitgliedern und weniger Kindern den Gegebenheiten vor Ort anzupassen.“ Grund genug, um bei allen Beteiligten nachzufragen.

Das sagt Bürgermeister Thomas Bernlöhr

Bürgermeister Thomas Bernlöhr kennt die Situation und erklärt auf Nachfrage der Welzheimer Zeitung: „Von einer konkret anstehenden Abmeldung von Jugendteams ist der Stadt nichts bekannt. Dies wäre auch überraschend, nachdem die Stadtverwaltung aktuell regelmäßig mit der Vereinsführung in Gesprächen ist. In einem solchen Fall würde die Stadt aber versuchen, kurzfristig Hilfe zu leisten, etwa durch Trainingsmöglichkeiten auf dem Rasenplatz an der Justinus-Kerner-Halle samt den dortigen Umkleidemöglichkeiten.

Grund für die Gespräche sind die Neubaupläne insbesondere der Umkleidekabinen auf der Tannwiese.“ Bereits langjährig erhalte der FC Welzheim für die Platzpflege und den Unterhalt der Vereinsanlagen laufende städtische Zuschüsse, die durch das ehrenamtliche Engagement auch finanziell auskömmlich seien. „Die reguläre investive Vereinsförderung der Stadt reicht für die geplanten baulichen Maßnahmen des Vereins nicht aus, weshalb Stadtverwaltung und Gemeinderat intensiv mit dem FC in Kontakt sind, um eine Lösung zu entwickeln.

Gespräche über finanzielle Beteiligung der Stadt laufen

Die Stadt hat ihre Bereitschaft in Aussicht gestellt, den Fußballclub darüber hinaus zu unterstützen, aber auch Beiträge des Vereins sind für eine Realisierbarkeit notwendig. Die Gespräche dazu laufen“, erklärt Bernlöhr. Konkret heißt das aber aktuell, dass sich die Stadt mit rund 15 Prozent beim Kunstrasen und 15 Prozent beim Vereinsheim eine finanzielle Beteiligung vorstellen könne sowie eventuell ein Investitionszuschuss hinzukomme.

Kosten für neuen Kunstrasenplatz: zwischen 350.000 und 450.000 Euro 

Aber: „Dann müssten wir als Verein immer noch 800.000 bis eine Million Euro selbst finanzieren. Wie soll das gehen? Ich kenne keinen Verein, der seinen Kunstrasenplatz aus der eigenen Tasche zahlen musste. Das sind immer städtische Plätze. Nur in Welzheim nicht, warum?“, fragt sich Heiko Stütz, dem vor allem die Jugendtrainer und Jugendleiter wegzufallen drohen, „da es einfach nur noch peinlich ist, das aktuelle Sportgelände beim FC Welzheim zu zeigen“.

So würde bei den B-Juniorinnen zum Beispiel der VfB Stuttgart als Gegner nach Welzheim kommen, „dem können wir aber so einen Platz und solche Umstände eigentlich nicht zumuten“, so Stütz. Und natürlich seien auch die eigenen Fußballerinnen und Fußballer enttäuscht. „Wir müssen es nun öffentlich machen, denn die Situation ist mehr als prekär“, sagt der Vorsitzende. Bei fehlenden Umkleidekabinen könnten laut Bürgermeister Thomas Bernlöhr jederzeit auch die Möglichkeiten am Schulcampus genutzt werden.

Jedoch allein ein neuer Kunstrasenplatz würde zwischen 350.000 und 450.000 Euro kosten. Hierzu sagt die Stadtverwaltung: „Es gibt verschiedene Ausführungsvarianten für die Erneuerung des Kunstrasenplatzes. Auch diese Maßnahme gehört zu den geplanten Investitionen, auch hier ist die Stadt bereit für eine finanzielle Unterstützung und in Gesprächen mit dem FC Welzheim.“

Der Bericht des FC Welzheim 06 zur Jahreshauptversammlung

Die Jahreshauptversammlung der Fußballer des FC Welzheim 06 fand im gut besuchten Vereinsheim auf der Tannwiese statt. Der FC Welzheim 06 befindet sich sportlich auf dem allerbesten Weg, trotzdem herrschte eine eher gedrückte Stimmung auf der Jahreshauptversammlung. Doch der Reihe nach. Auf der Agenda standen die Jahresberichte der Aktiven, Jugend und Kassierer sowie Entlastung des Vorstandes, Neuwahlen und verschiedene Anträge der Mitglieder.

Dem FC Welzheim 06 geht es aus sportlicher Sicht und bei den ständig steigenden Mitgliederzahlen hervorragend. Es können im aktiven Bereich zwei Herren-, eine Frauen-, 13 Junioren- und vier Juniorinnen-Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen, auch tritt eine Altherrenmannschaft die Runde an. Die Anzahl an Mannschaften und Jugenden ist im Rems-Murr-Kreis fast einzigartig.

Der Verein wächst in einem gesunden Maß und zählt aktuell 569 Mitglieder, das ist ein Wachstum von fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Noch gravierender wird es im Zehn-Jahres-Vergleich - im Jahr 2012 zählte der FC Welzheim 06 „nur“ 224 Mitglieder.

Angefangen bei der Jugend bis hin zur aktiven Damenmannschaft sind im Schnitt über 100 Spieler und ehrenamtliche Betreuer täglich auf dem Sportgelände. Heiko Stütz sprach den Trainern und Funktionären für diesen großartigen Einsatz Tag für Tag, Woche für Woche und Jahr für Jahr respektvollen Dank aus und bekam von den Mitgliedern großen Beifall.

350 Kinder und Jugendliche teilen sich zwei Umkleidekabinen

Beim Bericht der Jugendleitung übernahm Daniel Rduch das Mikrofon und schloss sich seinem Vorredner an. Die Danksagung richtete sich insbesondere an das Jugendleiterteam Kurt Schweigmann, Oliver Bernt, Claus Freiwald und deren 30 ehrenamtliche Übungsleiter, die allein im Jugendbereich tätig sind. Als besonderes Highlight ist man auf den Aufstieg der B-Juniorinnen in die Verbandsstaffel stolz, hier dürfen sich die Welzheimer Mädchen mit dem VfB Stuttgart und anderen großen Städten in der Region messen.

Gespannt blickte man auf den Jahresbericht des Kassiers und erhielt einen Einblick in die finanzielle Situation im Verein. Man konnte mit einem positiven Überschuss aus dem Jahr aussteigen, hierfür war hauptsächlich die wachsende Jugendstruktur ausschlaggebend. Leider wird das positive Ergebnis durch die gestiegenen Unterhaltskosten wie Strom, Wasser und Gas gewaltig gedrückt. Hinzu kommt die sehr aufwendige Pflege des Rasenplatzes und Instandhaltungskosten des Vereinsgeländes.

Trotzdem berichtet Heiko Stütz voller Stolz, dass man die in die Jahre gekommene Flutlichtanlage zu einer modernen, energieeffizienten LED-Anlage umrüsten wird, man hat hier enormes Sparpotenzial entdeckt und konnte dies durch Förderung des Fußballverbandes, Stadtverwaltung und mit eigenen Mitteln abdecken. Die Mitglieder gaben der Vorstandschaft trotz der guten Zahlen und der wachsenden Mitgliederzahl deutliche Signale, dass man dringend in Sachen Infrastruktur besser werden muss. Es fehlt überall - 350 Kinder und Jugendliche teilen sich immer noch zwei Umkleidekabinen, der Duschraum wird von den Kindern und Jugendlichen (Mädchen und Buben), den aktiven Damen, den aktiven Herren, der AH, vom Schiedsrichter und von den jeweiligen Gegnern genutzt.

Kinder müssen sich im Gang umziehen 

Besonders heikel wird die Lage, wenn sich Kinder im Gang umziehen müssen, da einfach nicht genug Platz und Umkleiden vorhanden sind. Weiter stehen notwendige Investitionen auf dem Programm, unter anderem muss ein Betrag von 350.000 bis 450.000 Euro für die Erneuerung eines Kunstrasenplatzes eingeplant werden, da die Nutzungsdauer von 14 Jahren bereits erschöpft ist. Die Rasenpflege beläuft sich auf jährlich rund 30.000 Euro, die der Verein zum größten Teil allein stemmen muss. Diese Punkte drücken die Stimmung seit nunmehr sieben Jahren und sorgten für eine lautstarke und hitzige Diskussion unter den Mitgliedern. Heiko Stütz beruhigte die Besucher und verwies auf den Punkt Anträge und Verschiedenes.

Weiter ging es mit der Entlastung der Vorstandschaft und Neuwahlen. Zur Wahl standen dieses Mal der 2. Vorstand und der Posten des Kassierers. Tatiana Bratsch wurde als Kassiererin einstimmig wiedergewählt, genauso wie Stefan Maier als 2. Vorstand. Heiko Stütz nahm zum letzten Punkt Anträge und Verschiedenes auf und versuchte, den zuvor sehr aufgebrachten ehrenamtlichen Trainern, Betreuern und Mitgliedern einen Einblick über die aktuelle Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung zu geben.

Nur eineinhalb Umkleidekabinen für fast 600 Mitglieder, die alle Fußball spielen beim FC Welzheim 06. Eineinhalb Umkleidekabinen, die so marode sind, dass sich Gastmannschaften schon vorab zu Hause umziehen müssen. Und ein Kunstrasenplatz, der sich auflöst und seitens des Württembergischen Fußballverbandes demnächst gesperrt wird für den Trainings- und Spielbetrieb.

"Spätestens in zwei Jahren gar keine Jugendmannschaften" beim FC Welzheim

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