Welzheim

Kur-Apotheke in Welzheim: Corona-Impfdebatte unter neuem Blickwinkel

Kur Apotheke
Der Apotheker Christian Köstlin plädiert in seinen Aushängen im Schaufenster der Kur-Apotheke für einen neuen Debattenstil. © Gabriel Habermann

Die Überschrift jedes Aushangs an der Kur-Apotheke in Welzheim kennt nur jeweils ein Wort: „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“. Den Text dazu hat der Apotheker Christian Köstlin (57) verfasst, er steht unter dem bekannten Motto: „Glaube - Liebe - Hoffnung“. „Ich habe bereits vor zwei Jahren einen ähnlichen Text im Schaufenster hängen gehabt. Meine Aussagen musste ich leider gar nicht sehr ändern. Auch ich habe in dieser Zeit dazulernen dürfen, und die eine oder andere Aussage würde ich heute vielleicht anders sehen. Der Kern aber bleibt“, erläutert Köstlin, der auch einige Jahre für das Welzheimer Bürger-Forum die Bürger im Gemeinderat vertreten hat, auf Anfrage unseres Mitarbeiters.

Politiker wissen nicht, was sie tatsächlich entscheiden

Hauptauslöser für ein weiteres Schaufenster zum Thema Corona war für den Apotheker die Diskussion um eine Impfpflicht, die er für völlig überzogen hält. Die Politiker wissen seiner Meinung nach überhaupt nicht, was hier tatsächlich entschieden wird und welch weitreichende Folgen eine Impfpflicht in ihrem Leben haben wird.

„Mir ist zu viel Panikmache im Spiel, die Leute werden in Angst gehalten, wo sie keine haben müssten, es wurden und es werden teilweise die falschen Schlüsse gezogen. Das Leben endet zwangsweise mit dem Tod, manche scheinen das völlig verdrängen zu wollen. Vor lauter Corona fallen wichtige Operationen und Vorsorgeuntersuchungen zum Beispiel gegen Krebs aus oder werden verschoben, teilweise um Jahre! Stirbt es sich an Krebs leichter als an Corona? Eine sehr zynische Betrachtungsweise, die sich jedoch zwangsweise aus dem Umgang der Krankenhäuser mit dem Thema ergibt! Leute abzuweisen und von medizinischer Behandlung auszuschließen, nur weil sie nicht geimpft sind (aber negativ getestet), widerspricht ganz klar dem hippokratischen Eid.“

Eine Impfpflicht hätte laut Köstlin weitreichende Konsequenzen, die aber nicht ansatzweise in der politischen Diskussion, die momentan auch gar nicht mehr stattfinde, berücksichtigt werden.

Viele Fragen sind noch nicht beantwortet

Folgende Fragen stellte der Apotheker in den Raum: Wer entscheidet, wer in welchem Abstand zu impfen ist? Muss ich ab sofort bis an mein Lebensende gegen Corona geimpft werden? Der wievielte Booster reicht? Was passiert mit Menschen mit einem schwachen Immunsystem, die zum Beispiel an schweren Autoimmunkrankheiten wie Rheuma leiden?

Diese Menschen bekämen momentan noch eine Zusatzimpfung, teilweise mit verheerenden Folgen. Hier werde viel zu unkritisch geimpft.

Wer entscheidet über Ausnahmen von der Impfpflicht?

Welche Krankheiten, welche Erreger werden in die Impfpflicht aufgenommen, wer entscheidet das?

Wie unabhängig sei eine ständige Impfkommission, in der ein Großteil der Mitglieder mit Pharmaindustrie oder Impfstoffherstellern verbandelt sei?

Wie neutral und wie systematisch werde überhaupt über Impffolgen jedweder Art geforscht, und gibt es überhaupt einen ernstzunehmenden Untersuchungsansatz in Deutschland?

Wollen wir das Sterberisiko grundsätzlich ausschließen?

Wenn für einen Erreger eine Impfpflicht beschlossen würde, warum nicht auch für alle möglichen anderen Erreger? „Wollen wir eine totale Impfpflicht?“, fragt Köstlin. Das sei von der Wortwahl her sicher ein wenig provokativ, aber Köstlin sieht die große Problematik, dass „die Wissenschaft“, die es genau in dieser Geschlossenheit eben nicht gebe, von einer totalen Beherrschbarkeit der Natur und des menschlichen Körpers träume. „Wollen wir das wirklich? Was würde das für uns bedeuten? Wollen wir dann jedes Sterberisiko grundsätzlich ausschließen durch Impfen, Vorbeugen, Behandeln? An was müssen wir aber dann sterben? Können wir den Tod einfach von unserem Leben ausschließen? Glauben wir wirklich, dass wir mit einer Impfpflicht für die Corona-Erreger unsere gesundheitliche und unsere gesellschaftliche Unversehrtheit wiedererlangen?“

Bevor die Gesellschaft diese wichtigen Fragen angehe, sollte der Mensch jedoch nach der Meinung des Apothekers die grundlegenden Fragen klären, wie er mit seinen Mitmenschen in wohlwollender und achtsamer Form umgehe. Und das sei eine Frage, die eben jeden angehe, ob er für eine Impfung oder dagegen ist, unabhängig von der Hautfarbe, der Religion oder der politischen Einstellung.

In diesem Zusammenhang beleuchtet der Welzheimer die Begriffe Gleichheit und Würdigung näher. In der Diskussion der Impfgegner und Impfbefürworter spiele die Herabwürdigung eine große Rolle. Geringschätzung anderer oder pauschale Verurteilung anderer aufgrund Herkunft, Hautfarbe, Religion oder persönlicher, politischer oder gesundheitlicher Einstellung gehörten mittlerweile zum Alltag. Köstlin sieht die Herabwürdigung auf beiden Seiten und er möchte sich von keiner Seite vereinnahmen lassen.

Neugeborene werden mit einer Sechsfachimpfung gequält

„Ich bin auch nicht gegen das Impfen, denn es hilft vor allem Älteren, schwere Verläufe einschließlich Tod zu vermeiden, aber spätestens als die Diskussion begann, dass Jugendliche geimpft werden sollten, wurde es für mich schwierig, denn die Impfung hilft den Jüngeren selbst nur in den allerwenigsten Fällen und rechtfertigt eine Impfung nicht wirklich.

Auch haben meine Mitarbeiterin und ich uns fürs Impfen fortgebildet und könnten es in der Apotheke anbieten. Momentan sehe ich jedoch keinen Bedarf, da die Ärzte und die Impfzentren mit der sehr überschaubaren Nachfrage nach Impfungen gut klarkommen.

Die Frage stellt sich für mich, warum wir Neugeborene schon mit Sechsfachimpfungen quälen, wo die Impfung für das dann ausgebildete kindliche Immunsystem eigentlich mit drei Jahren sehr viel besser verträglich wäre. Ehrlicherweise müssen wir uns eingestehen, dass das rein organisatorische Gründe hat, die mit den Vorsorgeterminen beim Kinderarzt zu tun haben. Warum hat die Zahl der Autoimmunkrankheiten in den letzten Jahrzehnten so zugenommen? Wir verstehen die komplexesten Zusammenhänge der Natur und unserer menschlichen Körper nicht ansatzweise und maßen uns an, hier steuernd eingreifen zu können.“

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgeschäden

Abschließend stellt Christian Köstlin, der seit 1993 Inhaber der Kur-Apotheke ist, fest: „Es tut mir in der Seele weh, dass wir uns jetzt schon über zwei Jahre mit Corona in einem Maß beschäftigen, als gäbe es nichts anderes. Der Krieg in der Ukraine lehrt uns jedoch gerade etwas anderes. Ich kann das Wort Corona schon nicht mehr hören. Allein die Wahl des Wortes Corona, also Krönung, für ein Virus ist für mich sehr ambivalent. Der Umgang mit Corona selbst hat schon zu einer Spaltung der Gesellschaft geführt, die Impfpflicht wird diese Spaltung noch verschärfen, und jeder meint, er hat recht. Nein, Toleranz wäre angesagt, da könnten wir durchaus von den Schweden lernen, die nicht schlechter durch die Pandemie gekommen sind bei wesentlich geringeren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgeschäden.“

Die Überschrift jedes Aushangs an der Kur-Apotheke in Welzheim kennt nur jeweils ein Wort: „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“. Den Text dazu hat der Apotheker Christian Köstlin (57) verfasst, er steht unter dem bekannten Motto: „Glaube - Liebe - Hoffnung“. „Ich habe bereits vor zwei Jahren einen ähnlichen Text im Schaufenster hängen gehabt. Meine Aussagen musste ich leider gar nicht sehr ändern. Auch ich habe in dieser Zeit dazulernen dürfen, und die eine oder andere Aussage würde ich heute

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