Welzheim

Landesschülerwettbewerb: Achim Schwarz, Schüler am Limes-Gymnasium in Welzheim, ist auf der Pole-Position, weitere Welzheimer holen auch tolle Preise

Schülerpreise
Auf dem Bild die Preisträger des Limes-Gymnasiums, von links kommissarischer Schulleiter Henning Zimmermann, Achim Schwarz (1. Preis), Jessica Sholabomi (2. Preis), Debora Tisch (3. Preis), Tirza Weiler (3. Preis), Abteilungsleiter Simon Schulz, Melisa Bayraktar (3. Preis) und Lisa-Marie Lang (3. Preis). © ALEXANDRA PALMIZI

„Komm heraus, mach mit“, so lautete das Motto des Schülerwettbewerbs des Landtags von Baden-Württemberg zur Förderung der politischen Bildung. Alljährlich ruft der Landtagspräsident damit alle Schülerinnen und Schüler Baden-Württembergs ab 13 Jahren auf, zu brisanten politischen Themen Stellung zu nehmen. Der Schülerwettbewerb will junge Leute auf Politik neugierig machen und sie zu kritischem und tolerantem Engagement für die Demokratie anspornen.

Jährlich nehmen rund 4000 Schüler aus ganz Baden-Württemberg am Wettbewerb teil. Maximal 50 von ihnen erhalten einen ersten Preis. Immer dabei und sehr erfolgreich ist das Welzheimer Limes-Gymnasium. Den ersten Preis ergatterte sich Achim Schwarz, dessen Artikel über Flüchtlinge in Welzheim am 8. Dezember 2020 erschien. Online ist der Artikel weiter abrufbar unter https://www.zvw.de/lokales/welzheim/woher-kommt-der-riss-in-der-gesellschaft-ein-welzheimer-abiturient-begab-sich-auf-spurensuche_arid-290673.

Henning Zimmermann lobt die engagierten Schüler in Welzheim

Der kommissarische Schulleiter Henning Zimmermann lobt die Arbeiten aller Teilnehmer und bedankt sich für das großartige Engagement, denn so werde das Limes-Gymnasium noch bekannter. Lehrer Simon Schulz, der die Schüler während des Wettbewerbs betreut, meint: „Es gibt immer acht Themen und es muss um Politik gehen. Achim Schwarz hat einen Zeitungsartikel als Reportage geschrieben und dafür einen ersten Preis bekommen. Die Kurzgeschichte von Jessica Sholabomi handelt ebenfalls von Flüchtlingen. In vier Doppelstunden wurden die Themen erarbeitet, vieles leisten die Kinder aber auch zu Hause.“

Fakt ist, wer nicht genügend Engagement mitbringt, der wird keine Top-Platzierung erreichen. Denn für Schulz ist auch nur die Urkunde als Teilnahmebestätigung eine schöne Auszeichnung für spätere Bewerbungen.

Schüler Achim Schwarz, der den ersten Preis erreichte, sagt: „Das Beste ist nicht der Preis, sondern dieser Wettbewerb lässt uns tiefer mit Politik auseinandersetzen. Für mich war das Gespräch mit den Menschen vor Ort die schönste Erfahrung. Denn von dem Parallelort Flüchtlingsunterkunft bekommt man ja sonst nichts mit und es ist wichtig, Brücken zu bauen mit Menschen. Ich bin sehr dankbar, da ich noch heute Kontakt zu den beiden Flüchtlingen in Welzheim habe, mit denen ich sprechen durfte.“

Jessica Sholabomi (2. Preis) schrieb eine Kurzgeschichte über Flüchtlinge und sie fand es wichtig, sich in die Gefühlswelt dieser Mitmenschen hineinzuversetzen.

Melisa Bayraktar (3. Preis) konnte sehr viel aus sich herausholen und konnte bei der Bildanalyse von Donald Trump mit der Bibel in der Hand klar erkennen, dass Trump dieses Bild bewusst gestellt hatte. Auch Lisa-Marie Lang (3. Preis) untersuchte das politische Interesse der Menschen in den USA im Bezug auf das Trump-Bild.

Debora Tisch (3. Preis) und Tirza Weiler (3. Preis) machten eine Umfrage zu Ängsten und Sorgen von Jugendlichen mit Blick auf die Zukunft, zum Beispiel Rassismus oder Klimawandel. Es sei interessant gewesen auszuwerten, wie Jugendliche über diese Zukunftsthemen denken. „Wir müssen in dieser Welt leben und daher müssen wir uns mit politischen Themen auseinandersetzen, um unseren Teil für eine bessere Welt beizutragen“, äußert sich Tirza Weiler.

Nachdem die Reportage von Achim Schwarz bereits in der Welzheimer Zeitung veröffentlicht wurde, gibt es hier zum Lesen die interessante Kurzgeschichte von Jessica Sholabomi mit dem Titel „Herz aus Stein“.

Herz aus Stein von Jessica Sholabomi

Endlich ist er fertig! Ich halte den Stein prüfend gegen das Sonnenlicht, schaue ihn von allen Seiten an. Ja, man sieht, dass das ein Herz sein soll. Ich bin glücklich. Endlich, endlich fertig und jetzt kann ich ihn Mama schenken!

Meiner Mama geht es in letzter Zeit, glaube ich, nicht so gut … sie weint ganz viel und ich weiß dann immer nicht warum … und machen kann ich auch nichts dagegen … Ich glaube, sie ist so traurig, weil Papa nicht da ist. Deswegen sind wir ja gegangen, das hat sie mir schon ganz oft erklärt.

Wir sind gegangen weil mein Papa, der ist in Deutschland. Ich weiß nicht genau, was das ist, aber weil die Mama meinen Papa so doll vermisst und ich auch, gehen wir da jetzt auch hin. Außerdem darf ich da in die Schule gehen, hat meine Mama gesagt, weil bei uns zu Hause, da ist die Schule kaputt und niemand geht mehr hin.

Jedenfalls geht es Mama, seit wir los sind, noch schlechter … und sie fasst sich ganz oft an die Brust ... Da ist ja das Herz drin und sie hat mir mal erklärt, dass ihr das Herz oft wehtut ... Das ist bestimmt, weil sie den Papa so sehr vermisst.

Und deswegen habe ich ihr aus dem Stein, den ich heute gefunden habe, ein Herz gemacht, weil dann tut ihr Herz nicht mehr weh und es geht ihr wieder gut!

Wenn ich ihr den Stein gebe, wird alles wieder gut!

Gleich bin ich da! Da hinten ist das Zelt, in dem sie liegt! Oh, sie wird sich so freuen über den Stein! Ich fange an zu rennen. Je schneller sie den Stein hat, desto besser! Sie sagt immer, ich bin der geschickteste Junge, den sie kennt, und dass sie mich ganz arg liebhat. Immer dann sagt sie mir das, wenn ich ihr irgendetwas mitbringe. Als wir noch zu Hause waren und Papa noch da war, habe ich ihm immer geholfen, wenn in unserem Haus irgendwas kaputtgegangen ist, und sie hat immer gesagt, wir sind ihre Lieblingsmänner, weil wir so was so gut können!

Ich öffne das Zelt. „Mama, ich bin wieder ...“ da stehen Leute … viele Leute… Was machen die hier?! Ich kenne die nicht! Obwohl … ein paar Frauen kenne ich, mit denen hat sich Mama manchmal unterhalten, aber was machen die hier? Irgendwie sehen sie besorgt aus, stehen alle um meine Mama herum, eine Frau kniet vor ihr. Was ist hier los?

Da steht eine Frau auf, nimmt mich am Arm - die soll mich nicht anfassen! Sie redet auf mich ein und will mich wegziehen. Ich verstehe nicht, was sie sagt und warum zieht sie mich weg? Sie darf mich nicht einfach wegziehen, das geht nicht, ich muss doch meiner Mama den Stein geben! Ich versuche ihr das zu sagen, doch sie versteht mich nicht, sagt irgendwas, das ich nicht verstehe, und zieht mich weg. Weg von Mama!

Nein! Ich ziehe, versuche, mich aus ihrem Griff zu lösen, sie soll das lassen! Da nimmt sie mich einfach hoch und trägt mich weg ... „NEIN!“ Ich will das nicht! „Mama!“

Da schlägt sie die Augen auf, ihre Hand streckt sich in meine Richtung. Sie sieht so traurig aus. Der Stein! Ich muss ihr den Stein jetzt geben! Ich trete die Frau, schlage sie, versuche irgendwie, aus ihrem Griff zu entkommen, aber sie ist zu stark, drückt mich noch stärker an sich. Sie riecht nicht gut … nicht so wie Mama, die riecht immer nach Essen und nach Mama ...

Dann sehe ich Mama nicht mehr, die vielen Leute stehen vor ihr und sie liegt ja auf dem Boden … Irgendwann gebe ich auf zu kämpfen, um mich zu schlagen … es bringt ja nichts, die Frau ist viel stärker als ich. Aber wieso? Warum lässt sie mich nicht zu Mama und warum sind da so viele Menschen bei ihr? … Die Frau trägt mich immer weiter bis in ein Zelt, in dem schon viele andere Leute sitzen, setzt sich dazu und vor den Eingang und lässt mich jetzt endlich los … aber ich komme hier nicht raus … sie sieht aus, als würde sie mich sofort daran hindern, wenn ich auch nur versuchen würde wegzulaufen.

Sie reden, aber ich verstehe nicht viel, es sind alles verschiedene Sprachen, Sprachen, die ich nicht verstehe, und sie reden so schnell .... Ich verstehe nur einzelne Wörter … Ich verstehe das Wort „Krieg“. Was ist das? Krieg? Meine Mama spricht manchmal davon...

Es scheint etwas sehr Schlimmes zu sein, sie fängt dann immer an zu weinen … Alles, was ich verstehe, sind einzelne Fetzen ... Aber was die bedeuten? Keine Ahnung …. Langsam werde ich müde.

Plötzlich sind alle ruhig, hören auf, durcheinanderzureden, eine Frau steht im Zelteingang. Sie atmet ganz schnell, sie muss sehr schnell gerannt sein. Ich kenne sie, sie ist eine von den Frauen, die vorher bei Mama waren, und eine der ganz wenigen Frauen, mit denen Mama redet ... Sie stammelt irgendwas.

Dann aber höre ich meinen Namen! Und - hat sie da nicht eben den Namen von Mama gesagt? Mama! Stimmt!

Dank der Frau ist der Zelteingang endlich, endlich frei und sie achten nicht auf mich! Dass ihre Blicke mitleidig werden, sehe ich nicht, ich renne. Unter den Beinen einer Frau durch, schüttele eine Hand ab, die nach mir greift, mich festhalten will. „Nein! Ich will zu meiner Mama, ich muss ihr jetzt ihren Stein geben, damit es ihr wieder gut geht. Warum versteht ihr das denn bloß nicht?“

Mama sagt immer, ich bin der schnellste Junge, den sie kennt, und wenn ich früher, noch zu Hause, mit den anderen Jungs Fußball gespielt habe, war ich immer Stürmer, weil ich einfach der Schnellste war. Darauf bin ich sehr stolz.

Der Stein, wo ist der Stein? Ich greife in meine Tasche. Gott sei Dank, da ist er. Ich umklammere ihn ganz ganz fest mit meiner Hand und renne … zu dem Zelt, auf dem sie auf ihren Decken liegt, schlage den Zelteingang auf - aber ... wo ist sie? Das Zelt ist leer. Mama ist nicht da und die anderen auch nicht. Aber in der Mitte vom Zelt liegen ein paar Decken.

„Mama?“ rufe ich. „Mama!“ Wo ist sie? Wo ist meine Mama? Bin ich am falschen Platz? Hier sieht ja alles gleich aus, die Zelte unterscheiden sich nicht. Am Anfang, als wir hierhergekommen sind, hat Mama niemals meine Hand losgelassen. „Damit du nicht verloren gehst“, hat sie gesagt. Aber inzwischen kann ich es! Ich kann es doch und ich habe mich noch nie verlaufen! Wo ist meine Mama! Langsam kriecht die Panik meinen Hals hoch. Ich will meine Mama! Ich renne zwischen den Zelten durch, bloß nicht weinen ...

Da! Da hinten! Da ist sie! Da ist meine Mama! „Mamaaaaa!“ Gott sei Dank. Ich ziehe an ihrem Rock, umschlinge ihre Beine, will sie nie mehr loslassen, da dreht sie sich um und sagt etwas zu mir, das ich nicht verstehe ... Das ist nicht Mama!!! Ich lasse die Beine los und ich renne. Weg hier. Ich kann nicht mehr klar sehen ... Etwas Heißes läuft meine Backe runter. Ich darf nicht weinen!!! Mama sagt immer, ich bin der tapferste Junge, den sie kennt, und der werde ich auch bleiben.

Ich renne und renne, an Leuten vorbei, die ich nicht kenne, ich kenne hier niemanden, nur Mama, hier interessiert sich niemand für die anderen und auch für mich interessiert sich jetzt keiner.

Ich renne bis an den Ort, an dem ich den ganzen Morgen damit verbracht habe, den Stein zu suchen und schönzuklopfen, setze mich auf den sandigen Boden und atme tief durch.

Dann hole ich den Stein aus meiner Tasche, halte ihn in der Hand und streiche mit meinem Finger über die raue Oberfläche.

Bestimmt ist es ihr einfach schon viel besser gegangen, sie ist aufgestanden und hat mich gesucht. Ja genau, sie hat mich gesucht und ich war in dem Zelt eingesperrt. Und dann habe ich sie gesucht und dann haben wir uns verpasst ...

Ich bleibe jetzt einfach genau hier sitzen und sie wird kommen und mich hier abholen! Trotzig wische ich mir die Tränen aus den Augenwinkeln, weil, wenn sie kommt, soll sie nicht sehen, dass ich geweint habe. Ich bin ihr tapferer Junge!

Sie lässt mich nicht einfach allein!

„Komm heraus, mach mit“, so lautete das Motto des Schülerwettbewerbs des Landtags von Baden-Württemberg zur Förderung der politischen Bildung. Alljährlich ruft der Landtagspräsident damit alle Schülerinnen und Schüler Baden-Württembergs ab 13 Jahren auf, zu brisanten politischen Themen Stellung zu nehmen. Der Schülerwettbewerb will junge Leute auf Politik neugierig machen und sie zu kritischem und tolerantem Engagement für die Demokratie anspornen.

Jährlich nehmen rund 4000 Schüler

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