Welzheim

„Laufenmühle ohne Maria gibt’s nicht!“

Restaurant-Laufenmühle
Vom Schnitzel bis zur Paella: Maria Dolores Diz verwöhnt ihre Gäste. © Palmizi / ZVW

Welzheim-Laufenmühle. Seit Juni vergangenen Jahres ist die Straße zwischen Welzheim und Rudersberg gesperrt. Was viele nicht wissen, ist, dass die Sperrung nach dem Erdrutsch eine Existenz bedroht. Maria Dolores Diz kämpft seit Monaten dafür, dass ihr spanisches Lokal im Welzheimer Wald eine Zukunft hat. Das ist nicht einfach, denn seit der Sperrung gebe es fast keine Laufkundschaft mehr.

Im Video: Inhaberin Maria Dolores Diz spricht über die Probleme, die sie seit gut einem Dreivierteljahr wegen der Sperrung als Folge der Rutschung zwischen Welzheim und Rudersberg hat.

Bei Vogelgezwitscher verwandelt strahlender Sonnenschein die Terrasse des Restaurants in ein friedliches Plätzchen inmitten der Natur. Umgeben von idyllischem Wald, Frühlingsblumen und dem Viadukt liegt das Restaurant Laufenmühle. Was Maria Dolores Diz seit einem Dreivierteljahr fehlt, sind Gäste. 1996 eröffnete sie nach harter Arbeit endlich das Lokal.

Spanische und schwäbische Küche

Die 64-Jährige ist für die spanische und schwäbische Küche höchstpersönlich zuständig. Vom Schweineschnitzel bis zu typisch spanischer Paella macht sie alles selbst. Doch gekocht hat sie in den vergangenen Monaten wenig.

Den Tag im Juni 2016, an dem die Straße zwischen Welzheim und Rudersberg wegen einer Erdrutschung gesperrt wurde, wird Maria Diz lange nicht vergessen. Von diesem Zeitpunkt an konnten ihre Gäste, viele kommen aus Schorndorf, Backnang, manche sogar aus Stuttgart, nur noch eingeschränkt zum Restaurant gelangen.

„Es ist zum Heulen"

Als Ende September die Saison der Dampflok zu Ende ging, verschlechterte sich die Situation weiter. „Es ist zum Heulen: Unter der Woche kommt oft gar niemand und auch am Wochenende ist nur wenig los“, klagt sie. Die Zahl der Gäste ging um rund zwei Drittel zurück, denn was fehlt, ist vor allem die Laufkundschaft. Weil sie Stammgäste hat, will sie weiterhin von Mittwoch bis Sonntag ihr Restaurant öffnen, um nicht auch noch jene zu verscheuchen, die regelmäßig kommen. „Welcher Gastronom kann das ein Jahr durchhalten“, fragt sie laut.

Motorrad- und Radfahrer, die das schöne Wetter nutzen, füllten früher regelmäßig ihren Biergarten und die gut fünfzig Plätze im Restaurant. Nun nicht mehr. Trotzdem besorgt sie täglich Lebensmittel, für den Fall, dass Gäste ihren Weg ins Restaurant finden. Denen will sie die gewohnte Qualität bieten. Doch oft bleibt die Küche unbenutzt und Maria Diz muss die abgelaufenen Nahrungsmittel entsorgen. Die Fixkosten für ihr Restaurant und die hauseigene Kläranlage sind also fast unverändert hoch.


Schuld sei allerdings nicht nur die Erdrutschung im vergangenen Sommer, sondern auch die Beschilderung. Das Umleitungsschild am Kreisverkehr in Welzheim sorge unter den Gästen für Verwirrung. Das würde die Menschen in eine andere Richtung schicken, so Diz.

Viele ihrer Gäste wären frustriert nach Hause zurückgefahren, weil sie durch die vielen Umleitungsschilder irritiert worden wären. Besucher des Erfahrungsfelds der Sinne „Eins und Alles“ würden an den Wochenenden oft auf der gesperrten Straße parken, so dass die Anfahrt zu ihrem Lokal blockiert sei.

Viele Gäste denken, man kommt nicht bis zum Lokal

Das Sperrschild in der Senke sorge ebenfalls für Verwirrung: Viele Gäste denken, man kommt nicht bis zum Lokal, bestätigt auch das Ehepaar Frech, Stammgäste von Maria Diz.

Klaus und Gerda Frech aus Schorndorf versuchen, mindestens einmal in der Woche zur Laufenmühle zu fahren, um Sonne und leckeres Essen zu genießen, wie sie sagen. Seit der Eröffnung des Restaurants kennen und schätzen die beiden die Kochkunst von Maria Diz und die Atmosphäre im Lokal: „Wenn im Winter das Feuer im Ofen flackert, dann ist das wie ein zweites Wohnzimmer für uns“, erzählt das Paar begeistert. Aus Stammkunden wurden Freunde.

Mehrere Monate lebte Maria Diz in Ungewissheit

Mehrere Monate habe sie in Ungewissheit gelebt, so Maria Diz, wie lange die Bauarbeiten dauern würden. Mit unterschiedlichsten Mitteln und Wegen versucht sie, sich über Wasser zu halten. Sie habe unzählige Versuche unternommen, Gäste in ihr Restaurant zu locken: „Eine Flasche Wein beim Verzehr von 20 Euro, Gruß aus der Küche, spanische Torte – ich habe alles versucht“, meint Maria Diz verzweifelt, die Existenzängste plagen.

Auch die Flyer, die ein Bekannter für sie gestaltet hat, hätten wenig geändert. An Aufgeben denkt die temperamentvolle Südländerin aber noch lange nicht: „Laufenmühle ohne Maria gibt es nicht. Ich habe nie den Mut verloren und das werde ich auch nicht!“ Sie fiebert der Aufhebung der Sperrung entgegen, die voraussichtlich am 30. Juni stattfinden soll.

20-jähriges Jubiläum

„Da gibt es eine Riesenparty“, freut sie sich. Dann soll nicht nur das Sardinen-Fest, ein traditionelles Fischer-Fest aus Spanien, nachgeholt werden. Auch das 20-jährige Jubiläum werde groß gefeiert, verspricht Maria Diz. Mit der Freude geht aber auch Angst einher, denn die Wiedereröffnung sei ihre letzte Chance, ein verlorenes Jahr zu retten.

Einen kleinen Lichtblick gibt es für die Köchin noch: Ab dem 30. April startet die Schwäbische Waldbahn in die neue Saison und bringt an Sonn- und Feiertagen Menschen zur Laufenmühle. „Ich habe Angst, in Vergessenheit zu geraten“, befürchtet sie. Was die Spanierin zum Weiterkämpfen motiviert, sind ihre treuen Gäste. Sie ist sehr dankbar für die große Unterstützung, die sie von Familie und Freunden erhält. Viele bringen Freunde mit und feiern ihren Geburtstag hier, erzählt sie. Trotz aller Existenzängste „kriegst du dann Kraft wie eine Kanone“, sagt sie und lacht.

Eins und Alles: Sackgassenschild wäre besser

  • Laut Regierungspräsidium Stuttgart liegen die Arbeiten im vorgesehenen Zeitplan. Der derzeitige Sachstand sei, dass die Bohrpfähle für die vier Bohrpfahlwände zwischen der Klingenmühle und Klaffenbach erfolgreich fertiggestellt worden sind. Momentan laufe die Bewehrung der Kopfbalken an einer der vier Bohrpfahlwände. Es würden – Stand heute – keine Bauzeitverzögerungen erwartet. Bauende werde wohl der 1. Juli sein.
  • Nachgefragt bei Eins und Alles. Pressesprecherin Daniela Doberschütz: Gerade im Jubiläumsjahr hoffe man auf eine baldige bessere Erreichbarkeit – mit dem Auto, aber auch mit dem Bus. Deutlich angestiegen sei der Wunsch der Gäste nach Beratung, wie man zum Eins und Alles gelange. Zwar habe das Eins und Alles großräumig und in Abstimmung mit Maria Diz Pfeile angebracht, die die Gäste lotsen, aber es sei schwer zu beurteilen, ob sie den Gästen wirklich helfen. Unglücklich seien die Auswirkungen auf alle Gäste, die ein Navi nutzen. Die dann per Routenplaner vorgeschlagenen Wege führten in den seltensten Fällen dorthin.
  • „Eigentlich wäre gut, wenn am Kreisel oben in Welzheim ein Sackgassenschild stünde – keine Sperrung – in der Hoffnung, dass die Straße dann nicht als völlig gesperrt angezeigt wird.“