Welzheim

"Lego Welten" im Museum Welzheim: Zeitgeschichte in bunten Bausteinen

Lego Welten
„Jedes Haus erzählt eine Geschichte“: Eine von Ausstellungsmacher Roland Birkle gebaute Lego-Stadt im Museum Welzheim. © Benjamin Büttner

Von der allerersten Schachtel mit simplen Legosteinen aus den 1950er Jahren bis zum 2018 erschienenen „Lunalander“, mit dem die Amerikaner auf dem Mond gelandet sind - das Museum Welzheim zeigt seit Sonntag und bis zum 9. Januar 2022 in der Ausstellung „Lego Welten“ das Spielzeug, das bis heute Kinder und Erwachsene fasziniert.

Beim Blick auf seine Lego-Stadt geht dem Ausstellungsmacher Roland Birkle das Herz auf: „Jedes Haus erzählt eine Geschichte“, sagt er. Wer sich gedanklich mit hineinbegibt in den Spielzeug-Kosmos, sieht unzählige Details und die Vielfalt von Lego. Die Stadt, um die herum Roland Birkle einen alten Lego-Zug mit Trafobetrieb fahren lässt, ist sein ganzer Stolz.

"Mich faszinieren die Ideen, die drinstecken"

Womit und wann seine Sammelleidenschaft begonnen hat, könne er nicht an einem konkreten Erlebnis festmachen. „Mich faszinieren schon immer die Ideen, die drinstecken“, schwärmt er. Er kann sich begeistern für den Überfall auf einen Geldtransporter. Die Polizei fährt vor und ertappt die Ganoven auf frischer Tat. Die Geschichte geht auf dem Dach weiter: Dort hat ein Ganove ein Seil hinterlegt, um sich abzuseilen direkt in den Tresorraum.

Zu sehen sind Dachdetails, die der Bäckerei im Erdgeschoss entnommen wurden. Wer genau hinsieht, entdeckt die Giebelzier in typischer Croissant-Form. Mit winzigen Fotoapparaten hat sich die Presse vor dem Kino versammelt, als die Diva in einer schicken Cabrio-Limousine vorgefahren wird. Ein Haus hat kunterbunte Bewohner: Der Tierarzt steht mit einem Papagei außen auf dem Balkon, oben befindet sich ein Fitnessstudio, in dem Menschen mit buntem Sportdress trainieren - und auf dem Dach ruht sich ein Boxer aus.

Durch die Lego-Haus-Fenster lässt sich manche Detailausstattung erkennen

Roland Birkle sagt, er möge die sogenannten „Modularhäuser“, weil sie sich beliebig stockwerkweise zerlegen lassen, und er sich mit den Häusern immer wieder neue Straßenzeilen bauen könne. Innen gehen die Geschichten noch weiter – aus Platzgründen können nicht alle Bausätze und Steckplatten aufgebaut werden, doch durch die Fenster hindurch gespickelt, lässt sich manche Detailausstattung entdecken – etwa der original nachempfundene karierte Boden eines amerikanischen Diner-Restaurants.

Empfehlenswert ist der Blick auf die Aufmachung der Figuren, die Lego mit den Jahren verfeinerte. Die erste Lego-Familie – 1974 erschienen, auch sie ist in der Ausstellung zu bestaunen – hatte das typische freundliche gelbe Lego-Gesicht. „Inzwischen gibt es Hunderte an Gesichtsausdrücken zu kaufen“, erzählt Birkle. Er hat auch sein persönliches allererstes Schächtelchen aus der Kindheit mitgebracht, mit dem er Mitte der 1950er Jahre gespielt hat. Mit dieser Handvoll simpler Steine in Rot und Weiß beginnt die Zeitreise.

Mit einer Box drei Szenen nachbauen

Auf einem Tisch dreht sich alles um die Lego-Serie „Creator“. Anhand eines Piratenschiffs zeigt Ausstellungsmacher Birkle das Konzept, mit dem Inhalt einer Schachtel drei separate Szenen zu erbauen. Entweder ein Piratenschiff oder eine Hafenspelunke im Schiffsrumpf oder eine Totenkopfinsel.

In einem Raum sticht als raumgreifendes Highlight eine Mondbahn ins Auge: In ihr seien mehrere Hundert Steine verbaut, bis Fahrzeug, Schienen, Ladestation, ein Fantasie-Raumgleiter und alle Mondfahrzeuge die Vorstellung einer Raumstation aufkommen lassen. Lego bildet nicht nur unsere Welt ab, sondern schafft auch utopische Spielszenen in Science-Fiction-Räumen.

Die Anfänge waren simpel – ob Tankstelle oder Reihenhaus. Anfangs konnten zu den roten und weißen Steinen allenfalls Ergänzungskisten gekauft werden, wenn man Buchstaben, Fahnen oder Räder brauchte. Ein Dach musste man in Stufenform bauen, erst 1959 erschienen die ersten Schrägsteine. Vergleicht man die Gebäude der ersten Jahre mit den Bausätzen für Wolkenkratzer, einer Mondstation, einem Piratenschiff oder den Prinzessinnen-Schlössern und Friseursalons in der Mädchenserie „Friends“ von heute, so wird deutlich, welchen Sprung in die Gegenwart die „Klötzchen“ genommen haben. „Lego macht Zeitgeschichte erlebbar, vom einfachen Grundspielzeug bis zum großen Themenkasten“, so Birkle.

Auch mehrere Rennwägen sind Teil der Ausstellung

Und wer denkt, dass die Sammelleidenschaft mit dem Alter nachlässt, der wird beim Rundgang schnell eines Besseren belehrt. Birkles Legosammlung wächst weiter. Er kauft Lego-Sets dazu, mal auf Flohmärkten, das Meiste im Internet. Es gibt Baustellen, Flugzeuge und Exponate aus der Serie „Modulex“. Sie wurde konzipiert für Architekten, die damit Modelle bauen können. Auch mehrere Rennwägen haben einen Platz in der Ausstellung gefunden: Die hat sich der Sammler, der im Museum nur rund die Hälfte seiner Lego-Schätze zeigt, tatsächlich ausgeliehen, weil er hier eine Lücke hat. So freut er sich, dass ihm der treue Ausstellungsbesucher und begeisterte Lego-Bauer Tim Baier aus Welzheim einen Porsche 911 GT, einen Rennwagen und ein großes Motorrad überlassen hat. Die Schwestern von Tim, Nele und Florentine, zeigen in einer eigenen Vitrine ihre Mädchen-Themenkisten aus der Lego-„Friends“-Serie, in denen fast erwartungsgemäß nicht mehr rot und weiß dominieren, sondern lila und rosarot.

Öffnungszeiten des Museums

Die Ausstellung Lego-Welten ist bis einschließlich 9. Januar 2022 im Museum Welzheim zu den Öffnungszeiten sonntags von 13 bis 16 Uhr zu sehen. Für Gruppen und Schulklassen werden auf Anfrage und Terminvereinbarung auch Führungen mit Roland Birkle angeboten.

Von der allerersten Schachtel mit simplen Legosteinen aus den 1950er Jahren bis zum 2018 erschienenen „Lunalander“, mit dem die Amerikaner auf dem Mond gelandet sind - das Museum Welzheim zeigt seit Sonntag und bis zum 9. Januar 2022 in der Ausstellung „Lego Welten“ das Spielzeug, das bis heute Kinder und Erwachsene fasziniert.

Beim Blick auf seine Lego-Stadt geht dem Ausstellungsmacher Roland Birkle das Herz auf: „Jedes Haus erzählt eine Geschichte“, sagt er. Wer sich gedanklich mit

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