Welzheim

Lehrerversorgung an Welzheimer Schulen: „Eigentlich ist es jetzt schon knapp“

MaskenpflichtHuy
Michael Huy leitet die Bürgfeld-Gemeinschaftsschule und fungiert als geschäftsführender Schulleiter der Welzheimer Schulen. © Gaby Schneider

Die Stundenpläne haben die ersten Praxistests geschafft, in den Schulen und für die Schüler geht es wieder rund. So weit, so gut.

Doch es könnte besser sein. Etwa bei der Versorgung der Schulen mit Lehrern, weiß Michael Huy, geschäftsführender Schulleiter der Welzheimer Schulen. Er kümmert sich in dieser Funktion um viele Angelegenheiten, die die Schulen übergreifend betreffen, zum Beispiel um die Abstimmung mit dem Schulträger, die Mensa, die Busfahrpläne. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Auf dem Schulcampus lernen 1650 Schüler, es unterrichten grob geschätzt 180 Lehrkräfte an allen Schulen in über 70 Klassen.

Limes-Gymnasium konnte gut versorgt ins Schuljahr starten

Durch diese Arbeit hat Huy auch Einblick in die Lehrerversorgung an den Welzheimer Schulen. Die gestaltet sich „tatsächlich etwas unterschiedlich in den Schulen in Welzheim“, weiß der Fachmann. Das Limes-Gymnasium etwa erhält seine Lehrer durch das Regierungspräsidium und konnte gut versorgt ins Schuljahr starten, weiß Huy. Von der Hofgarten-Schule berichtet er von einem leichten Abmangel, an der Kastell-Realschule gebe es krankheits- und schwangerschaftsbedingt deutliche Ausfälle. An der Bürgfeld-Gemeinschaftsschule, deren Schulleiter Michael Huy ist, gibt es ebenfalls schwangerschaftsbedingt deutliche Ausfälle. Die Janusz-Korczak-Schule bräuchte ebenfalls mehr Lehrer und vor allem Sonderpädagogen, so Huy.

Schwangere Lehrerinnen arbeiten nicht in Präsenz

Dass Lehrerinnen schwanger werden, ist natürlich alles andere als neu. Durch die Corona-Pandemie wirkt sich das aber noch einmal anders aus. Eine Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz ist für die jeweilige Lehrerin nötig. Die coronabedingten Vorschriften einzuhalten, erweist sich in der Praxis als schwierig. Die schwangeren Kolleginnen sollen eine Maske tragen und können damit eine halbe Stunde unterrichten. Dann sollte eine Vertretung übernehmen. Aber: Schon allein eineinhalb Meter Abstand zu halten, sei „im Schulalltag unrealistisch, in der Grundschule noch weniger“, weiß Michael Huy.

So gibt es zwar kein Beschäftigungsverbot, aber die schwangeren Lehrkräfte arbeiten in Nicht-Präsenz, etwa von daheim aus. Das ginge im Fernunterricht gut. Allerdings: „Wir haben keinen einzigen Schüler im Fernunterricht“, weiß Michael Huy für seine Schule. So kann eine schwangere Lehrerin kleine Verwaltungsaufgaben oder Korrekturen übernehmen. Sie wird aber trotzdem mit vollem Deputat angerechnet, als ob sie in Präsenz unterrichten würde. Hier ergibt sich ein Unterschied zwischen Theorie und Praxis. „Bei uns fehlen aktuell drei Lehrkräfte, mindestens“, sagt Huy.

Für Angebote über den Unterricht hinaus bleiben keine Kapazitäten mehr

Das Thema Lehrermangel „merken wir ganz gravierend“, stellt der Schulleiter der Bürgfeld-Gemeinschaftsschule fest und berichtet von der Situation an seiner Schule. Zwar bekommt diese sogenannte Poolstunden zur freien Verfügung. Die aber braucht die Schule für den Unterricht, wenn etwa für den Religionsunterricht drei Gruppen gebildet werden oder die Schüler entsprechend viele Wahlpflichtfächer auswählen. Für Angebote über den Unterricht hinaus wie Arbeitsgemeinschaften oder Förderstunden bleiben keine Kapazitäten mehr. Was Huy sehr bedauert. Immerhin: Der Bürgfeld-Gemeinschaftsschule ist es gelungen, zwei Arbeitsgemeinschaften zu behalten: die Schulband und die Computerwerkstatt, die man unbedingt erhalten wollte. Was alles an Arbeitsgemeinschaften wegfällt, kann der Schulleiter gar nicht genau sagen. „Die Arbeitsgemeinschaften gibt es schon nicht mehr, seit ich da bin. Das ist so schade.“ Denn solche Angebote bereichern die Schule und die Lehrer, weiß Huy.

Er hält fest: „Nur durch geschickte Gruppenzusammenlegung schaffen wir es noch, den Stundenplan abzubilden. Eigentlich ist es jetzt schon knapp.“

Dazu beobachtet er einen Generationenwechsel: Mehr Lehrkräfte gehen in den Ruhestand, geburtenstärkere Jahrgänge an Schülern kommen nach. Und: Es kommen nicht so viele junge Lehrerinnen und Lehrer nach.

Lehrernachwuchs: "Am schwierigsten ist es im sonderpädagogischen Bereich"

An der Grundschule und am Gymnasium ginge es noch, für den Sekundarstufenbereich sei es an den Pädagogischen Hochschulen schwierig. „Am schwierigsten ist es im sonderpädagogischen Bereich.“

Für die Bürgfeld-Gemeinschaftsschule beziffert Huy den Unterrichtsausfall über alle Jahrgangsstufen und -klassen hinweg auf zehn bis zwölf Stunden. Dieser zeige sich dadurch, dass zum Beispiel in einer Klasse nur eine Stunde Kunst statt zwei Stunden gehalten werden oder nur eine Stunde Musik. Huy betont: „Es finden alle Fächer statt.“ Aber einzelne Nebenfächer in einzelnen Klassen in etwas geringerem Umfang.

„Wir haben null Krankheitsreserven“

So steht nun die Planung. Was die Praxis im Laufe des Schuljahres mit sich bringt, wird sich zeigen. Huy weiß schon jetzt für seine Schule: „Wir haben null Krankheitsreserven.“ Fällt ein Kollege oder eine Kollegin krankheitsbedingt aus, springen andere in ihren Hohlstunden ein. Bei längerfristigen krankheitsbedingten Ausfällen wird versucht, Unterrichtsstunden umzuverteilen, es wird dem Schulamt gemeldet und gegebenenfalls wird der Stundenplan umstrukturiert. Wenn Kolleginnen und Kollegen ihr Deputat erhöhen, um den Unterricht zu übernehmen, auch über eine Vollzeitstelle hinaus, ist es eine „Gratwanderung“, so Huy. Es bringe nichts, wenn die Lehrkraft später womöglich selbst ausfalle.

"Lernen mit Rückenwind" findet an jeder Welzheimer Schule statt

Um Versäumtes im Lehrstoff aus den zwei Schuljahren mit Schulschließungen aufzuholen, hat das Kultusministerium Baden-Württemberg ein Programm „Lernen mit Rückenwind“ erstellt. „Durch das Programm ‘Rückenwind’ versuchen wir, unsere Schüler und unsere Lehrkräfte zu unterstützen in der Arbeit.“ Es findet an jeder Welzheimer Schule statt. Die Lehrkräfte ersetzen keine Lehrer, die Schulen setzen die Kräfte zusätzlich ein, so Huy. „Die Förderung, die eigentlich durch Lehrer stattfände, können wir durch ‘Rückenwind’ teilweise auffangen.“

Die Stundenpläne haben die ersten Praxistests geschafft, in den Schulen und für die Schüler geht es wieder rund. So weit, so gut.

Doch es könnte besser sein. Etwa bei der Versorgung der Schulen mit Lehrern, weiß Michael Huy, geschäftsführender Schulleiter der Welzheimer Schulen. Er kümmert sich in dieser Funktion um viele Angelegenheiten, die die Schulen übergreifend betreffen, zum Beispiel um die Abstimmung mit dem Schulträger, die Mensa, die Busfahrpläne. Ein Blick auf die Zahlen

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