Welzheim

Lernwerkstatt in der alten Backstube

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Holzbearbeitung in der Lernwerkstatt für Flüchtlinge in der ehemaligen Backstube der Bäckerei Ellinger. Bilder: Palmizi © Alexandra Palmizi
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Lernwerkstatt
Wie nimmt man genau Maß? © Alexandra Palmizi

Welzheim. Wie lassen sich ausländische Mitbürger am besten integrieren? Auf diese Frage gibt es in der ehemaligen Backstube der Bäckerei Ellinger in der Bahnhofstraße eine Antwort. Ehrenamtliche bringen dort Flüchtlingen in einer Lernwerkstatt handwerkliche Grundfertigkeiten und das für Deutschland passende Arbeitsverhalten näher.

Die Gruppe „Arbeit und Bildung“ der Flüchtlingsarbeitskreise Alfdorf, Kaisersbach und Welzheim hat das Projekt initiiert. An zwei Nachmittagen in der Woche ist die Werkstatt in Betrieb. Es wird gebohrt, gefeilt, gesägt, gehämmert. Konzentration und Fingerspitzengefühl sind gefragt. „Die Flüchtlinge wollen arbeiten und sind voller Tatendrang“, sagt Hermann Fitz. Acht ausländische Mitbürger sind in der Werkstatt. „Mit zwölf sind wir gestartet.“ Zu viele dürfen es nicht sein, denn die vier ehrenamtlichen Helfer haben alle Hände voll zu tun, die Arbeitenden anzuleiten. Etwa ein halbes Jahr sollen die Flüchtlinge in der Lernwerkstatt bleiben, danach, so die Hoffnung, soll der nächste Schritt folgen, am besten natürlich ein fester Arbeitsplatz.

Kreisdiakonieverband als Träger

Die Verantwortlichen der Freundeskreise in Alfdorf, Kaisersbach und Welzheim haben bereits im letzten Jahr die Entscheidung getroffen, für die Flüchtlinge in den verschiedenen Unterkünften eine zentrale Lernwerkstatt in Welzheim einzurichten. In dieser Lernwerkstatt sollen grundlegende Handfertigkeiten und Techniken im Umgang mit Werkzeugen, Maschinen und Materialien erlernt werden mit dem Ziel, geeignete Flüchtlinge auf die Berufs- und Arbeitswelt vorzubereiten. Die Lernwerkstatt steht unter der Trägerschaft des Kreisdiakonieverbandes Rems-Murr.

Metall, Kunststoff und Glas für kleine Projekte

Bei der Herstellung kleiner Projekte wird insbesondere mit Metall, Holz, Kunststoffen und Glas gearbeitet. Hergestellt wurde zum Beispiel schon ein Schlüsselanhänger aus Aluminium oder ein kleiner Handwagen aus Holz. Im Rahmen der Lernwerkstatt wird auch berufliches Deutsch als Fachsprache erlernt. „Grundlegendes Arbeits- und Sozialverhalten, wie Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen, Zuverlässigkeit und Teamarbeit, was von Industrie- und Handwerksbetrieben erwartet wird, gehören ebenso dazu“, betont Hermann Fitz. Alle ehrenamtliche Helfer lehren, was sie selbst als Beruf erlernt haben.

Werkstatt in Gmünd als Vorbild

Entstanden ist die Idee, eine Lernwerkstatt im Welzheimer Wald aufzubauen, bei einem Treffen der Arbeitskreise für Flüchtlinge in Alfdorf. Dort wurde über die Erfahrungen der Lernwerkstatt in der Nachbarstadt Schwäbisch Gmünd so eindrucksvoll berichtet, dass Hanspeter Erne vom Arbeitskreis Asyl, Fritz Bareiss und andere die Idee aufgriffen und umsetzten.

Größtes Problem: geeignete Räume finden

Das größte Problem dabei war, geeignete Räume zu finden. Die Initiatoren waren fast so weit, die Flinte ins Korn zu werfen, als Bäckermeister Winfried Ellinger die Räume der Backstube der ehemaligen Bäckerei Ellinger zur Vermietung anbot. Mit Spenden und Zukäufen wurde aus der Backstube auf einmal eine Werkstatt, in der an zwei Nachmittagen fleißig geschafft wird.

Syrer, Iraker und Togolesen arbeiten einträchtig nebeneinander

Die meisten Teilnehmer stammen von der Unterkunft im Haghof. Syrer, Iraker und Togolesen arbeiten trotz aller Unterschiede einträchtig nebeneinander und tun damit Sinnvolles. So wurden zum Beispiel bereits die Stühle eines Kindergartens repariert. Derzeit bemüht sich die Stadt darum, dass die Lernwerkstatt in ein Förderprogramm des Bundes aufgenommen wird. FIM ist ein befristetes Arbeitsmarktprogramm des Bundes. Es soll Asylbewerberinnen und Asylbewerbern während des Asylverfahrens sinnvolle und gemeinwohlorientierte Beschäftigung bieten und sie mittels niedrigschwelliger Angebote an den deutschen Arbeitsmarkt heranführen.

Scheck über 13 000 Euro vom Golfclub Haghof

Sehr dankbar sind die Ehrenamtlichen dem Golfclub Haghof. Nach einem Benefizturnier konnte die Lernwerkstatt einen Scheck über mehr als 13 000 Euro entgegennehmen. Damit war eine finanzielle Grundlage für das Angebot in Welzheim geschaffen worden.

Präsentation am 1. November im Dietrich-Bonhoeffer-Haus

Am Mittwoch, 1. November, wird in Zusammenhang mit dem Basar der evangelischen Kirchengemeinde Welzheim im und am Dietrich-Bonhoeffer-Haus die Lernwerkstatt Welzheimer Wald der Öffentlichkeit präsentiert. Besucher können sich dann im DBH in eine Liste eintragen, und es werden Gruppenführungen angeboten.


Weitere Betreuer willkommen

Die Flüchtlinge werden ehrenamtlich von fachlich geeigneten Betreuern angeleitet und ausgebildet.

Die Planungsgruppe kann aber noch weitere Betreuer brauchen, die handwerkliches Geschick mitbringen und Freude an der Vermittlung von handwerklichen Grundtechniken haben.

Einiges an Material und Werkzeug ist bereits vorhanden, gebraucht werden aber noch Holzbearbeitungswerkzeuge jeglicher Art und ganz besonders eine Hobelbank. Neben Sachspenden werden zur Anschaffung von Werkzeugen und Kleinmaschinen auch gerne Geldspenden angenommen.

Sachspender und Interessenten an einer Mitarbeit in der Lernwerkstatt wenden sich bitte an den interkommunalen Integrationsbeauftragten Giovanni Deriu, Telefon 0 71 82/80 08-20, E-Mail: deriu@welzheim.de.