Welzheim

Licht am Ende des Corona-Tunnels? Stadt Welzheim und HGV Welzheim wollen den Einzelhändlern und Gastronomen in der Innenstadt helfen

Welzheim Wintereinbruch  Schnee 28.12.2014
Die Stadt Welzheim und der HGV Welzheim lassen ihre Einzelhändler und Gastronomen in der Innenstadt nicht im Stich. © Gaby Schneider

Die Suche nach Möglichkeiten, wie Welzheimer Gewerbetreibenden Überlebenshilfe geleistet werden kann, die durch behördlich verhängte Einschränkungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie in wirtschaftliche Not geraten sind, war ein Thema im nichtöffentlichen Teil der letzten Gemeinderatssitzung. Auslöser dafür war die gemeinsame Sitzung von Vorstand und Ausschuss des Handels- und Gewerbevereins Welzheim am 27. Januar, in deren Verlauf der Existenzkampf einzelner Mitglieder ebenfalls zur Sprache kam. In einem Rundschreiben wurden diejenigen Mitglieder, die „dringend Kapital benötigen, um einen bedrohlichen Engpass zu überwinden“, aufgefordert, sich umgehend vertrauensvoll beim stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Müller von Rollladenbau Müller zu melden, damit man ermitteln kann, welcher Betrag der Handels- und Gewerbeverein benötigt.

Welche Möglichkeiten gibt es, an Förderungen zu kommen?

Kurzfristig wurde ein Gesprächstermin mit Bürgermeister Thomas Bernlöhr und der im Rathaus für Wirtschaftsförderung zuständigen Leiterin des Hauptamtes, Nicole Marquardt-Lindauer, vereinbart, um zu eruieren, „ob es noch irgendwelche Möglichkeiten gibt, an Förderungen zu kommen“, so das Rundschreiben.

Marquardt-Lindauer erklärte auf Anfrage, mit dem HGV sei absolutes Stillschweigen in dieser Angelegenheit vereinbart worden, auch darüber, ob die Stadt Welzheim bereit sei, Haushaltsmittel für die Rettung notleidender Unternehmen einzusetzen. In einer ersten Reaktion hatte sie dem HGV gegenüber auf das neu aufgelegte, am 1. Februar gestartete Programm „Tourismusfinanzierung Plus“ verwiesen. Mit ihm stellt die Landesregierung insgesamt zwölf Millionen Euro zur Verfügung, um kleinere und mittlere Gastronomie- und Tourismusbetriebe bei Investitionen zu unterstützen. Es handelt sich um eine Ergänzung bereits bestehender Förderprogramme und soll helfen, in Gastronomie und Tourismus die Grundlage für einen erfolgreichen Neustart nach den coronabedingten Einschränkungen zu legen. In diesem Rahmen bietet die L-Bank einen Kredit in Kombination mit einem Tilgungszuschuss in Höhe von maximal 25 Prozent beziehungsweise bis zu 200 000 Euro an, um Investitionen von kleinen und mittleren Unternehmen in touristische Einrichtungen, wie zum Beispiel Gebäudemodernisierung und -sanierung oder auch Neubauten, zu fördern. Die Laufzeit dafür beträgt zwischen fünf und zwanzig Jahren.

Das Stuttgarter Wirtschaftsministerium verweist auf Anfrage auf das Landesprogramm der Städtebauförderung, in dessen Rahmen die Aufwertung des Ortskerns in Welzheim seit 1982 mit insgesamt rund 10,3 Millionen Euro gefördert werde. Aufgrund der aufeinander abgestimmten Sanierungsgebiete konnte über mehr als vier Jahrzehnte eine maßgebliche Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität sowie eine Belebung des Ortskerns erreicht werden. Im aktuellen Sanierungsgebiet „Stadtkern V“ werden unter anderem ein Wohn- und Geschäftshaus mit zwei Gewerbeeinheiten, einer Arztpraxis sowie 17 Wohneinheiten und in unmittelbarer Nachbarschaft eine neue Mediathek entstehen. Weiter verweist das Ministerium auf seinen Aufruf zur Förderung von Innenstadtberatern, die gemeinsam mit den lokalen Innenstadtakteuren, auch Gewerbevereinen, tragfähige Zukunftskonzepte entwickeln. Sie sollen vor Ort dabei unterstützen, den Einzelhandel und die Vitalität und Attraktivität der Innenstädte und Ortszentren zu stärken und zu sichern. Das Ministerium fördere ferner Begleitveranstaltungen von Leistungsschauen mit einem pauschalen Zuschuss in Höhe von 1500 Euro. Diesen Zuschuss könnten unter Umständen auch Gewerbevereine in Anspruch nehmen.

Solidarität und Zusammenhalt sind sehr wichtig

Gemeinderatsmitglied Dieter Hinderer (CDU) geht davon aus, dass je länger der Lockdown andauert, desto mehr werde man zu kämpfen haben. In diesen schwierigen Zeiten seien Zusammenhalt und Solidarität gefragt, es sei wichtig, niemanden allein zu lassen. Jeder Einzelne könne seinen Teil dazu beitragen, indem er auf die Lieferangebote der lokalen Gewerbetreibenden zurückgreife. Eine leere Welzheimer Innenstadt liege in niemandem Interesse. Eine große Hilfe wäre es seiner Meinung nach, „wenn der Bund endlich in die Pötte kommt und es bei der Auszahlung der zugesagten Hilfsgelder rund läuft“.

Sebastian Buhl (FFW) meint, wenn er einzelne Wirtschaftsbereiche betrachte, laufe ihm ein eiskalter Schauer den Rücken herunter. Teile der Wirtschaft habe es „knüppeldick“ getroffen, sie seien völlig unverschuldet in Not geraten, während andere, wie das Handwerk, von dieser coronabedingten Krise so gut wie gar nicht berührt seien. Der HGV mache einen „ganz tollen Job“; er unterstütze seine Mitglieder nach besten Kräften und sogar darüber hinaus. Dies gelte auch für die Stadtverwaltung. Sie könne sich in dieser Situation auf die Unterstützung des Gemeinderats verlassen, „in unserer kleinen Stadt sind wir Teamplayer und halten zusammen“. Schließlich gehe es um Schicksale, um Arbeitsplätze, um den Erhalt der Wirtschaft und der Kultur. Letztendlich seien alle betroffene, passive Opfer, die mit den Einschränkungen, denen sie ausgesetzt seien, zurechtkommen müssten. „Wir leben in der Situation, in die wir hineingeworfen wurden, und handeln danach.“

Dass die Maßnahmen nicht immer nachvollziehbar seien, bedauert Winfried Ellinger (Bürgerforum). Der Lockdown dürfe nicht mehr zu lange dauern, sonst werde wohl das eine oder andere Geschäft nicht wieder aufmachen. Dabei stünden die Welzheimer in den Startlöchern und würden nur darauf warten, dass die Geschäfte wieder öffnen. „Und wenn eines Tages die Gaststätten wieder öffnen dürfen, dann werden die auch voll sein.“ Deshalb sei es umso wichtiger, auf den letzten Metern alle sich bietenden Möglichkeiten auszuschöpfen, damit auch diese Hürde genommen werden könne und alle gemeinsam durchhalten. Da stehe auch der Gemeinderat geschlossen dahinter.

Philipp Köngeter (Piraten) wiederum begrüßt die Initiative des HGV und dass die Stadt dem Verein „unterstützend unter die Arme greift“. Er könne sich unter Umständen auch Förderprogramme vorstellen, für die Haushaltsmittel zum Einsatz kommen, solange man ausreichend berücksichtige, „dass es in Welzheim 11 000 Menschen gibt, die alle ihren gerechten Teil vom Kuchen wollen. Wir alle sind doch froh, dass wir in der Innenstadt noch Einzelhändler und Gewerbe haben, die das Gemeinschaftsleben bereichern und sich in den Dienst der Mitmenschen stellen.“ Daher seien HGV, Stadtverwaltung und Gemeinderat aufgerufen, gemeinsam zu überlegen, wie die Innenstädte gerettet werden könnten, wenn die Einschränkungen noch weitergehen. Er sei sicher, dass die Bürgerinnen und Bürger wie schon beim ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr ebenfalls bereit wären, im Rahmen von gezielten Aktionen, mit Click und Collect oder Gutscheininitiativen ihren Beitrag dazu zu leisten.

Landtagsabgeordneter Gernot Gruber (SPD) schließlich zeigt sich sicher, dass den Menschen in Welzheim die Existenz ihrer Einzelhändler und Gastronomen am Herzen liegt und dass sie auch Angebote für den Verkauf außer Haus nutzen. „Neben den wichtigen Hilfen von Bund und Land, wie Kurzarbeitergeld und Hilfszahlungen, die leider oft nicht schnell genug ankommen, finde ich es toll, wenn der HGV mit Unterstützung der Stadt hier den besonders hart getroffenen Einzelhändlern und Gastronomen hilft, die schwierige Krise durchzustehen. Hoffentlich sehen wir bald Licht am Ende des Corona-Tunnels.“

Die Suche nach Möglichkeiten, wie Welzheimer Gewerbetreibenden Überlebenshilfe geleistet werden kann, die durch behördlich verhängte Einschränkungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie in wirtschaftliche Not geraten sind, war ein Thema im nichtöffentlichen Teil der letzten Gemeinderatssitzung. Auslöser dafür war die gemeinsame Sitzung von Vorstand und Ausschuss des Handels- und Gewerbevereins Welzheim am 27. Januar, in deren Verlauf der Existenzkampf einzelner Mitglieder ebenfalls zur

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