Welzheim

Mannholzer Festtage als Magnet

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Old Johnny’s Crew spielte am Freitagabend bei den Mannholzer Festtagen. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Kuhfladenroulette beim Familiennachmittag am Pfingstsonntag: Die erste Kuh hat schon was ins Gras gelegt, der Schiedsrichter links vermisst bereits die Stelle: In der Mitte ist Kuh Flora zu sehen, rechts Kuh Elke, die ihre Sache schon erledigt hat.

Alfdorf-Mannholz. Das Wetter hat mitgemacht, die Festgäste auch: Bereits zum 26. Mal veranstaltete der Verein The Restlers die Mannholzer Festtage. Keine lokale Veranstaltung, sondern ein dreitägiges Fest „uff em Wald“ für die ganze Region. Das Programm reicht von Rockmusik über schwäbisches Kabarett bis zu Kuhfladenroulette. Also ist für jeden etwas dabei, weshalb jedes Jahr mehrere Tausend Besucher kommen.

Die Wiesen sind gemäht und für die Festgäste als Parkplätze zur Verfügung gestellt worden. Der Besucher hat den Eindruck, dass hier alles sehr gut organisiert ist. Dabei hat der Verein The Restlers „nur“ 70 Mitglieder.

Es kommen aber nochmals mehr als 70 ehrenamtliche Helfer aus dem Flecken und der Umgebung zusammen, um so eine Großveranstaltung zu stemmen. Im Dorf hält man zusammen.

Strom vom Nachbarbauernhof und von zwei Notstromaggregaten

Ein eingespieltes Team rund um den Vorsitzenden (seit dem Jahr 2001) Rainer Hirzel fängt schon knapp eine Woche vor Festbeginn mit den Vorbereitungen an. Eigentlich ist nach dem Fest schon vor dem Fest, denn die Musikkapellen müssen langfristig gebucht werden, sonst haben sie woanders ihre Auftritte. – Nur ein Beispiel für den Organisationsaufwand: Zwar kann von einem nahe liegenden Bauernhof Strom angezapft werden, doch der reicht bei all den Fritteusen, Kühlgeräten und Musikkapellen mit ihren Anlagen nicht aus, so dass noch mit zwei Notstromaggregaten die Versorgung sichergestellt wird.

Zwei Bühnen für den Rockabend aufgebaut

Rainer Hirzel ist von Anfang an dabei. Ein Mopedclub hatte seinerzeit die Initiative fürs Fest ergriffen. Moped fahren nur noch einige, dafür ist das Fest mit den Jahren deutlich größer geworden.

Ein weiteres Beispiel für den Organisationsaufwand. Für Freitagabend wurden für zwei Bands zwei Bühnen aufgebaut. Das haben sich die Verantwortlichen in Hamburg abgeschaut. Das hat den Vorteil, dass die Gruppen nicht nacheinander spielen, sondern abwechselnd, und dadurch keine große Umbaupause entsteht.

Drei Bands waren engagiert worden

Zwei Bühnen heißt aber auch doppelter Arbeitsaufwand. Die Veranstalter hatten das Akustikquartett Old Johnny’s Crew und die Cover-Rockband Amplified für Freitagabend engagiert. Zum Ausklang der Festtage spielte die Partyband Xtreme Partywind.

Bei den Musikabenden sowohl am Freitag- als auch am Sonntagabend ist das Zelt brechend voll. Am Samstagabend bei dem schwäbischen Kabarett „Mariele von dr Alb“ für die ältere Generation gab es noch freie Plätze. „Das ist jedes Jahr so und entspricht unseren Erwartungen“, berichtet Rainer Hirzel.

Am Sonntagnachmittag startete das 22. Mannholzer Kuhfladenroulette. Der Erlös ist für den Förderverein der Hofgartenschule in Welzheim bestimmt. Die Eltern der Schule liefern dafür jede Menge selbst gebackene Kuchen für die Mannholzer Festtage. Es gab schon Jahre, da haben sich Tierschützer über die Veranstaltung mokiert. Doch dieser Ärger hat sich, so Hirzel, mittlerweile wieder gelegt.

Gemischter Braten bereits um 13 Uhr ausverkauft

Am Pfingstmontag war Aufräumen angesagt und Zeit für eine erste Bilanz. „Das Fest ist gut verlaufen“, fasst Vereinsvorsitzender Rainer Hirzel zusammen. Am Sonntagabend war das Zelt gut gefüllt. Das Mittagessen mit gemischtem Braten war bereits kurz nach eins ausverkauft. Die Festbesucher mussten jedoch angesichts einer reichhaltigen Speisekarte nicht verhungern.

Übrigens haben die Kühe Elke und Flora ihren Einsatz sehr gut überstanden. Sie sorgten dafür, dass Chris Freudenberger in der ersten Serie mit dem Siegerfeld Nummer 74 erfolgreich war.

Ebenfalls Glück hatte Marit Hesse im zweiten Durchgang mit Siegerfeld 164.


The Restlers und die Festtage

Die Restlers sind ursprünglich aus einer Moped-Clique entstanden. Die Gründung dieser Gruppe war im Jahr 1986. Mit der Zeit wurden die ersten Ausflüge und Feste organisiert. Immer vor dem Hintergrund, dass die meisten Mitglieder Handwerker und Landwirte sind.

Im Jahr 2001 wurde aus der Gruppe der Verein „The Restlers e. V.“ gegründet. Die Mannholzer Festtage, die zu Anfang von der FFW organisiert wurden, werden mittlerweile unter der Regie der Restlers durchgeführt. Die Helfer, die bei dem Fest unterstützen, sind jedoch schon seit vielen, vielen Jahren dabei. Ohne die zahlreichen Freiwilligen würde es die Mannholzer Festtage heute nicht in diesem Umfang geben.

Nach und nach wurden der Naturschutz und die Brauchtumspflege sowie die Erwachsenenbildung mit in die Vereinsaktivitäten aufgenommen. So werden jährlich Lehrgänge vom Computerkurs bis zum Fahrsicherheitstraining oder Erste-Hilfe-Kurs durchgeführt.

Die Teilnahme an den Kreisputzeden ist dabei genauso selbstverständlich wie der Schutz von heimischen, bedrohten Arten. So wurden schon über 50 Fledermauskästen und über 30 Hornissenkästen gebaut und aufgehängt.

Überaus populär

Außer den Auftritten der Rock- und Coverbands, schwäbischem Kabarettabend, einem Frühschoppen und Familientag gibt es seit mehr als 20 Jahren überaus populäre Kuhfladenroulette, bei dem der Ausscheidungsort der verdauten Gräser über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Für alle, die sich noch nicht mit Kuhfladenroulette auseinandergesetzt haben, kurz die Spielregeln: Auf einem 15 mal 15 Meter großen Wiesenstück werden zwei Kühe zum Grasen oder besser gesagt zum Ausscheiden geschickt. Gedanklich ist diese Rasenfläche in 100 je anderthalb Meter große Quadrate eingeteilt. Um „ihr“ Feld zu erkennen, kaufen die Teilnehmer Lose, und die Nummer wird mit dem jeweiligen Namen notiert.

Das Landwirtschaftsministerium in Stuttgart hatte 2010 festgestellt, es sei wirklich schwer, zu sagen, was eine Kuh bei so einem Spiel fühle. „Die Empfindungen einer Kuh, die beim Absetzen von Kot von einer größeren Anzahl von Menschen beobachtet und gegebenenfalls angefeuert wird, entziehen sich derzeit der wissenschaftlichen Nachprüfbarkeit.“