Welzheim

Mehr Fahrtage, schlankerer Fahrplan

Schwäbische Waldbahn im Winter Strümpfelbachviadukt
So prachtweiß wollen wir das auch 2018 wieder haben: Die Schwäbische Waldbahn unterwegs im Advent 2017. © Joachim Mogck

Welzheim. Die Schwäbische Waldbahn geht in ihre neunte Saison – und versucht sich ein gutes Jahr vor dem Zehner-Jubiläum am einen oder anderen Fahrplan-Experiment. Motto: weniger Fahrten pro Tag, dafür mehr Fahrtage pro Jahr.

Video: Eine Fahrt mit der Schwäbischen Waldbahn von Rudersberg nach Welzheim.

Den Fahrplan 2018 zu stricken war nicht ganz leicht, räumen der Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr und sein Wirtschaftsförderer Reinhold Kasian ein. Es gab ein paar Aspekte, die bedacht sein wollten:

  • Das Publikum will sich von der Dampflok hochziehen lassen. Der Dieselzug, sagt Bernlöhr, taugt dazu, „den Fahrplan aufzufüllen, wenn man keinen Dampf hat, nicht arg viel mehr“. Beim Waldbahnstart 2010 habe man sich da „ein bisschen mehr versprochen“, aber die Zahlen sind eindeutig: 90 Prozent der Kundschaft stürzen sich auf die Stahlross-Tage.
     
  • Pro Fahrtag drei Touren bergauf und noch mal drei talab – das ist für die ehrenamtlich Engagierten vom Verein DBK nicht immer ganz leicht zu stemmen.

Am Ende gelang die Punktlandung

Die Verhandlungen mit der DBK zogen sich hin – und irgendwann Anfang Januar sagte Kasian: „Wenn wir jetzt nicht wissen, was wir wollen, stehen wir zur CMT ohne Fahrplan da.“ Am Ende gelang die Punktlandung. Gerade noch mal gut gegangen? Nein – gerade noch mal sehr gut gegangen:

  • 2018 gibt es stolze 36 Fahrtage – 22 mit der Dampflok, 14 per Diesel. Zum Vergleich: 2017 waren’s nur 33 (19 Dampf, 14 Diesel), 2015 nur 29, 2014 nur 30 – und 2016, als Bauarbeiten auf dem unteren Streckenabschnitt zwischen Schorndorf und Rudersberg für Behinderungen sorgten, gar bloß 25.
     
  • Zur Entlastung der Ehrenamtlichen fährt die Bahn nur in der Hauptsaison (um Pfingsten und in den großen Ferien) dreimal pro Fahrtag rauf und dreimal wieder runter. Ansonsten gilt: Abfahrt bergwärts in Schorndorf um 10.30 und 14 Uhr, Abfahrt talwärts in Welzheim um 12 und 16.30 Uhr.
     
  • Eine Fahrgastbefragung soll im Laufe der Saison klären, wie die neue Fahrplanstruktur angenommen wird.

Von Jahr zu Jahr wird es schwieriger

Und wie steht die Waldbahn grundsätzlich da? Seit dem Start 2010 knackte sie fast in jedem Jahr die magische Zielmarke von 20 000 Fahrgästen, nur 2016 verröchelte die Zählung bei etwa 19 000. 2017 gab es dafür wieder einen ordentlichen Ausschlag nach oben: 22 000. So weit also: respektabel; wenngleich die fast 30 000 Kunden aus dem Jahr 2011 kaum wiederholbar erscheinen. Bernlöhr und Kasian fassen zusammen: Es zeichnet sich „eine Linie“ ab, „die man auf Dauer halten kann“ – 20 000 plus x.

Aber: „Es wird natürlich von Jahr zu Jahr schwieriger.“ Familien mit kleinen Kindern mag es genügen, „wenn es dampft und faucht“ – um die hochinteressante Zielgruppe der Senioren zu akquirieren, sollen Zusatzangebote helfen von der Whiskey-Verkostung bis zur Weinprobe im Zug.



Welzheim. Vieles spricht derzeit dafür, dass die Sanierung des Laufenmühlviadukts im Kostenplan bleibt – nach Jahren voller Schockmeldungen zeichnet sich ein Happy End ab, an das manche zwischenzeitlich nicht im Entferntesten mehr geglaubt hatten.

Liebe Museumszug-Freunde, Achtung, jetzt kommt ein brutaler Satz, aber dies ist die Wahrheit: Im Jahr 2015 stand das gesamte Projekt Schwäbische Waldbahn „frontal auf der Kippe“. Das Aus drohte, erinnern sich der Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr und sein Wirtschaftsförderer Reinhold Kasian. Denn damals hatten die beiden ein Desaster zu konstatieren, zu dessen Beschreibung wir die abgenutztesten Schreckensworthülsen aus dem Satzbaukasten des Katastrophenjournalismus bemühen müssen: Hiobsbotschaft. Damoklesschwert. Dies nämlich sagten seinerzeit Experten über das betonbröselige Laufenmühlviadukt:

  • Nein, die Sanierung werde nicht, wie ursprünglich mal geschätzt, 500 000 Euro kosten. Sondern: 3 500 000. Drei. Komma. Fünf. Millionen.
     
  • Von der schönen alten Bausubstanz werde danach nicht mehr viel zu sehen sein: Sie müsse, so hieß es, komplett mit einer 30 bis 50 Zentimeter dicken Schale aus neuem Beton ummantelt, sozusagen in ein Stützkorsett gepackt werden.
     
  • Während der Bauarbeiten werde die Strecke nicht befahrbar sein. Die Waldbahn: vorübergehend komplett stillgelegt ...

Professor brachte alternative Lösung

„Stopp. Das kann doch nicht sein! Gibt’s da nicht was anderes?“ Bernlöhr und Kasian telefonierten sich „die Finger wund“, pilgerten „von Pontius zu Pilatus“; Auswege taten sich auf – und entpuppten sich „als Sackgassen“; Hoffnungen keimten – und verwelkten. „Es muss da doch was geben!“

Es gab was. Ein Professor in Karlsruhe brachte eine alternative Lösung ins Gespräch. Ein Ingenieurbüro gesellte sich dazu. Ein Team formierte sich. Bauwerksprüfer. Geophysiker. Bauchemiker. Baustoffexperten. Dies schlugen sie vor:

  • 3,5 Millionen? Es müsste für 2,2 Millionen zu machen sein.
     
  • Wir fahnden per Bauradar nach porösen Stellen und impfen das Viadukt. Pumpen neuen Beton in die alte Substanz rein. Spritzen die Brücke fit. 1200 Injektionen. Minimalinvasiver Eingriff statt Total-OP. Die Optik des Bauwerks bleibt dadurch bewahrt. Die Denkmalschützer werden Schluckauf kriegen vor Glück.
     
  • Und all das ließe sich erledigen „unterm rollenden Rad“. Die Waldbahn könnte weiterfahren.

Bauarbeiten laufen weitgehend reibungslos

Es gab nur einen klitzekleinen Haken: Noch nie hatte jemand derlei an einem solchen altehrwürdigen Ingenieursbauwerk erprobt. Würde das, was theoretisch so faszinierend klang, praktisch klappen? Reinhold Kasian: „Man wusste es vorher nicht. Da will ich ehrlich sein. Die Fachleute haben gesagt: Es müsste eigentlich funktionieren ...“ Müsste. Eigentlich.

Sie wagten es – und gewannen. Die Bauarbeiten laufen weitgehend reibungslos, die größten vier von acht Bögen und Pfeilern sind bereits gerichtet, bis zum Sommer soll alles fertig sein, „wir liegen voll in der Kostenschätzung“.

Mit der Methode auch Autobahnbrücken ertüchtigen?

Da staunt der Laie – und der Fachmann kriegt Stielaugen: „In der Expertenwelt zieht das Kreise“, berichtet Bürgermeister Bernlöhr. Die Zeitschrift „Bausubstanz“, herausgegeben vom Fraunhofer-Informationszentrum, hat dem Projekt eine Sonderausgabe gewidmet, Vierfarbdruck auf Hochglanzpapier.

Vielleicht macht die Methode Schule. Vielleicht kann man dank der Erfahrungen mit dem Laufenmühlviadukt künftig auch Autobahnbrücken aus den 50er, 60er Jahren auf diese Art ertüchtigen und muss nicht mehr „sprengen und neu bauen“.

Und der Bund der Steuerzahler, der über diese Bahnstrecke schon mehrmals in seinem Schwarzbuch hergezogen hat, müsste dann – zumindest, wenn die Autoren des Werkes einen Funken Ehre im Leib haben – bald noch mal berichten; unter der Schlagzeile: „Innovative Welzheimer Idee spart bundesweit viele Millionen Steuergelder!“

Fahrtage 2018

Dampf: Sonntag, 29. April; Dienstag, 1. Mai, Donnerstag, 10. Mai (Himmelfahrt), Pfingstsonntag, 20. Mai, Pfingstmontag, 21. Mai, Donnerstag, 31. Mai (Fronleichnam); Sonntag, 10. Juni, Sonntag, 24. Juni; Sonntag, 8. Juli, Samstag, 21. Juli, Sonntag, 22. Juli; Sonntag, 5. August, Sonntag, 19. August; Sonntag, 2. September, Sonntag, 16. September, Sonntag, 23. September; Mittwoch, 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit), Sonntag, 14. Oktober, Sonntag, 28. Oktober; Samstag, 1. Dezember, Sonntag, 2. Dezember, Sonntag, 9. Dezember.

Diesel: an den Sonntagen, 6., 13. und 27. Mai, 3. und 17. Juni, 1., 15. und 29. Juli, 12. und 26. August, 9. und 30. September, 7. und 21. Oktober.

Details zu Abfahrtszeiten und Ticketbuchung im Internet via www.schwaebische-waldbahn.de.