Welzheim

Mit "Buxx" macht in Welzheim ein Fachgeschäft für Wäsche auf

Buxx
Ulrike Steeb ist stolz, dass sie es geschafft hat, trotz der Corona-Krise ihr Fachgeschäft für Wäsche in Welzheim zu eröffnen. © ALEXANDRA PALMIZI

Wer im Lockdown ein Ladengeschäft eröffnet, braucht ordentlich Mut, Nerven aus Draht und unbeirrbaren Optimismus.

Das Leben kann manchmal ungerecht sein: Da hat jemand den Mut, ein inhabergeführtes Fachgeschäft für Wäsche und Dessous - eine Nische, noch dazu eine „nicht systemrelevante“ - zu eröffnen, in einer Zeit, in der mancher im Einzelhandel wegen der zunehmenden Onlinehandel-Konkurrenz die große Flatter kriegt. Dann kommt die sorgfältige Planung wegen einer Pandemie ins Rutschen.

Mitte März wollte Ulrike Steeb die Ladentür zum ersten Mal aufsperren, doch das ist nicht möglich. Sie hat frühzeitig geplant, einige Monate lang geeignete Räume gesucht und in Welzheim gefunden. Alles sei gelaufen wie am Schnürchen. Die Ware bestellt, im Voraus bezahlt, die Ladeneinrichtung steht, die Kartons warten nur noch darauf, ausgepackt und in die Regale geräumt zu werden. „Im Februar habe ich den Mietvertrag unterschrieben, dann kam Corona.“

Erst Ende Mai kann sie offiziell eröffnen und es dauert nicht lange, bis ihr die ersten Kundinnen - und bis heute nur ein einziger Mann - einen Besuch abstatten. Seit dem erneuten Lockdown Ende Oktober herrscht wieder Flaute. „Man könnte seit dem zweiten Teil-Lockdown grad meinen, dass nur noch das Nötigste im Supermarkt geholt wird und die Leute sich den Ganz-Lockdown selbst verordnen.“

Ein denkbar ungünstiges Jahr für eine Geschäftsgründung also, doch ihren Optimismus lässt sich die 51-jährige neue Einzelhändlerin nicht nehmen: „Irgendwann wird es ja hoffentlich auch wieder besser oder vorbei sein“, sagt sie rückblickend aufs erste geschaffte halbe Jahr.

Seit Corona ist die Nachfrage im Onlineshop nicht größer

Bis jetzt habe Corona ihren Plänen wenig anhaben können: „Es ist gut angelaufen, dafür, dass die Situation so schwierig ist“, sagt sie. Eine gewisse Zeit müsse sie ihrem „Baby“ geben, um es anlaufen zu lassen, doch die Kundinnen melden ihr schon Positives zurück: „Viele sind froh, dass es wieder so einen Laden in der Nähe gibt. Die Entscheidung, ihn „Buxx“ zu nennen, sei auf der Terrasse neben ihren Buchshecken gefallen.

„Es soll einfach gut klingen und gut aussehen, so kam die Idee mit den zwei X“, erzählt sie. Momentan fährt sie zweigleisig: Ihren 2006 gegründeten Onlineshop für Wäsche führt sie im Nebenerwerb weiter, will ihn aber zum Jahresende auslaufen lassen. Ihr Hauptaugenmerk gilt ihrem stationären Fachgeschäft. Das Thema „Ladensterben“ und ausblutende Innenstädte infolge der Zunahme des Online-Handels könne sie für ihren Bereich ausblenden. „Ich kann nicht feststellen, dass in meinem Ebay-Shop seit Corona die Nachfrage mehr geworden ist.“

Viele suchten die persönliche Beratung - gerade im Wäschesektor kommt es auf Passform und Genauigkeit an. „Das Qualitätsbewusstsein ist noch nicht gestorben.“ Mit dem Sprung in die Selbstständigkeit beschäftige sie sich seit rund zwei Jahren. Bis 2017 hat sie bei Getränke Lachenmaier (Urbacher Mineralquellen) in der Qualitätssicherung im Labor gearbeitet, im Schichtbetrieb, 18 Jahre lang. Nachdem die Produktion dort eingestellt wurde, sei sie ein Jahr freigestellt gewesen, ab Mitte 2018 ein Jahr lang arbeitslos.

Während der Phase, als sie zur Untätigkeit verdammt war, habe es „geschnackelt“. „Irgendwas muss ich jetzt tun“, habe sie beschlossen. Da sie wisse, dass es im Wäschebereich rund um Welzheim kein Fachgeschäft gibt, habe sie ihre Fühler ausgestreckt. Sie wohnt seit 2013 in Rudersberg, davor wohnte sie mit ihrer Familie in Schorndorf. Welzheim als Standort für ein Einzelhandelsgeschäft gefällt ihr: „Hier versuchst du es jetzt einfach, die Gemeinde hat ein großes Einzugsgebiet“ habe sie gedacht.

Mit ihrem Sortiment, das sie direkt beim Hersteller Triumph in Heubach und noch von einem zweiten Hersteller kauft, rechnet sie sich gute Chancen aus - wenn sie nicht von der Pandemie gehindert wird: „Die Kundinnen wollen was G'scheits, das sie eben nicht überall bekommen.“ Zudem biete sie Sonderposten im Modebereich für Damen an, auch Bestell- und Lieferservice rund um Welzheim sind inbegriffen.

„Anprobe und Beratung auf Abstand, es geht alles, eine Zeit lang.“

Normalerweise arbeitet sie nah an der Kundin - aktuell werde improvisiert. „Einige legen mir einen Zettel auf die Theke mit dem gewünschten Modell, das ich ihnen einpacke und rüberreiche.“ Den bestellten BH einer betagten Frau im Altenheim Bethel habe sie an der Pforte abgegeben. Während sie nicht ausmessen darf, reiche sie der Kundin ein Maßband in die Kabine.

„Anprobe und Beratung auf Abstand, es geht alles, eine Zeit lang.“ Momentan sei „wenig bis gar keine“ Laufkundschaft unterwegs. Sie hoffe sehr, dass es nicht zu lange andauert. Würden jetzt erneut die Schotten komplett dichtgemacht, wäre es für sie sehr vermutlich existenzbedrohend. „Wenn es dann keine Hilfen gibt, um die Fixkosten abzudecken, müsste ich schließen.“ So weit möchte sie im Moment nicht denken: „So schnell gebe ich nicht auf, ich bin ein optimistischer Mensch.“

Wer im Lockdown ein Ladengeschäft eröffnet, braucht ordentlich Mut, Nerven aus Draht und unbeirrbaren Optimismus.

Das Leben kann manchmal ungerecht sein: Da hat jemand den Mut, ein inhabergeführtes Fachgeschäft für Wäsche und Dessous - eine Nische, noch dazu eine „nicht systemrelevante“ - zu eröffnen, in einer Zeit, in der mancher im Einzelhandel wegen der zunehmenden Onlinehandel-Konkurrenz die große Flatter kriegt. Dann kommt die sorgfältige Planung wegen einer Pandemie ins

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