Welzheim

Mit Country-Rock gegen den Corona-Blues: Der Welzheimer Countrymusiker Udo Gräser und seine Band

Gitarre Country Countrymusik
Symbolbild. © pixabay.com/3422763

Statt auf Bühnen zu stehen, haben sich die Musiker von „Wild Country Udo G.“ mit Videoschnitt, MP3 und Streamingdiensten die Corona-Zeit vertrieben. Sie haben elf Videos gedreht und als virtuelle CD ins Netz gestellt. So wollen sie Kontakt mit ihren Fans halten und mit Country-Roots-Rock gegen den Corona-Blues anspielen.

Er würde jetzt gerne mal wieder auftreten, sagt Udo Gräser. Der in Welzheim wohnende Countrymusiker vermisst das Publikum. Ihm fehlen auch „seine“ Jungs und der Spaß, den die vier bei Live-Konzerten haben. Corona ist für die Band „Wild Country Udo G.“ eine Auftrittsbremse, über 30 Konzerte seien ihnen 2020 durch die Lappen gegangen. Sie müssen zwar nicht davon leben, alle haben einen festen Job, dennoch brennen sie fürs Musikmachen.

„Kommed, Jungs, nehmen wir doch ein paar Lieder auf“

Nach Monaten der Kurzarbeit-Daheimhockerei wollten sie auch im Corona-Jahr etwas anschieben: „Spielen können wir nicht, die Leute sollen uns aber nicht vergessen. Und wir vergessen unsere Fans nicht“, sagt Udo Gräser. Die Idee mit den Videos, da seien sie „so reingestolpert“. Der Helmut, ihr „Rentner“, also der Gitarrist Helmut Krämer, sei mit der Idee ums Eck gekommen: „Kommed, Jungs, nehmen wir doch paar Lieder auf und machen Videos.“

Gräser gesteht, er habe beim Begriff „Video“ keine Ahnung gehabt. „Video war gar nicht meine Welt. Ich bin einfach Country. Cowboy durch und durch, halt ohne Pferd“, liefert er scherzhaft eine nicht ganz ernst gemeinte Selbstbeschreibung. Die vier verbinde die Liebe zur Countrymusik, zum Handgemachten. „Die Instrumente, die wir in die Hand nehmen, spielen wir live. Ohne doppelten Boden, ohne Keyboard-Orchesterteppiche und Choros-Maschinen.“ Country sei ein Stückchen „heile Welt“, die Countryszene sei „eine coole Szene, in der der familiäre Kontakt und Begegnungen mit Menschen zählen“, so Gräser.

Der „Cowboy“ und seine Jungs können nun auch Video, und jeder verfüge neuerdings über den Videohintergrund „Green Screen“, gute Mikrofone und schnelle Laptops. Während andere Home-Office und Home-Schooling hatten, hätten sie sich ins Home-Studio begeben, ihr Instrument eingespielt und dazu ein Filmchen gedreht.

Schräge Videos: „So kennen uns die Leute“

„Denn wir durften ja weder proben noch uns sehen“, so Gräser. Zum Abmischen sei alles auf den Server von Dick Cox gewandert. Cox, ihr „echter Ami, direkt aus Massachusetts“, sei schon immer ein kleiner Tekkie gewesen. Er habe die Technik zusammengestöpselt, die Tonspuren miteinander gemischt und zur Songreife gebracht. Mit Erstaunen hätten sie gemeinsam im Online-Meeting das erste Video zu „Time marges on“, ein Coversong von Tracey Lawrence, begutachtet. „Es zeigt uns so, wie man uns kennt, ein bisschen verrückt und schräg“, sagt Gräser.

Seit sechs Jahren stehen sie auf den Brettern und bringen es auf 150 Jahre Bühnenerfahrung. „Uns geht es um den Spaß, den wir untereinander und mit dem Publikum haben.“ Keine Seltenheit, dass sie beim Konzert die Zeit vergessen, keine Pausen einlegen, mal ‘ne Stunde länger spielen und Ausflüge auf die Tische machen. „Wenn es läuft, dann läuft’s halt“, beschreibt Gräser jenes „Gänsehaut-Feeling“, das sie versuchen, auch per Video rüberzubringen.

Auf Spritztour im Welzheimer Wald

Er ist in seinem Beitrag zum Gesamtvideo im Welzheimer Wald zu sehen: auf Spritztour mit der Lebensgefährtin, die ihn beim Autofahren filmt, wie er wild gestikulierend Playback singt. „Ich hab’ mich mit Sicherheit zum Vollhorst gemacht, aber es war lustig.“ Eine weitere Szene sei auf dem Balkon entstanden im Corona-Frühling. „Wir wollten keinen sturen Film machen, sondern die Leute sollen was zum Schmunzeln bekommen, weil sie uns so kennen.“

Ihr „HaPe“, Hans-Peter Jakober aus Zwiefalten-Gauingen, habe den Song „Ghostwriter“ von Johnny Cash beim Motorradfahren performt. Er sei in der Band das „Brain“ für Streamingportale und das Gema-Thema, spiele ab und zu in einer Fun-Bierzelt-Band, lasse Schlager und Après-Ski-Bässe wummern.

Reihenweise tolle Linedance-Videos erhalten

Schmerzfrei in Sachen spaßiger Video-Dilettantismus auch Helmut: Er hat den Hut auf. In „Thank God for the Radio“ latscht er mit verratztem Opa-Hut und altem Kassettenrekorder durchs Bild, hebt das Retrogerät wie einen modernen Ghettoblaster in die Kamera, „macht a bleeds G'sicht dazu und schnippt mit dem Finger“, so Gräser. Der Song „Gypsy Queen“ von Chris Norman ging dann „viral“, wie es in sozialen Netzwerken heißt: Auf den Aufruf auf Facebook, sich beim Mittanzen filmen zu lassen, hätten sie reihenweise tolle Linedance-Videos erhalten. „Es war Beschäftigungstherapie pur für uns alle, als man gar niemanden treffen durfte.“ Die eingesandten Videos seien zu einem Film zusammengeschnitten worden. Unterlegt mit dem typischen Wild-Country-Sound habe er über 5000 Aufrufe gebracht. Inzwischen folgen ihnen 1500 Follower auf Facebook. „Die Netzwerke bringen uns unseren Fans wieder näher“, sagt Gräser.

Ein Zeichen der Zuversicht gesetzt

Das letzte der elf Videos, „One Night at a Time“ von George Strait, sei im Februar entstanden. Sobald ein Video fertiggestellt war, war es zehn Tage lang zum kostenlosen Download erhältlich. Am Zugriff auf die Homepage hätten sie gemerkt, „dass die Leute Freude haben an unseren Songs“. 800 Euro habe die Band inklusive Gema-Gebühren investiert, um auf allen gängigen Streaming-Plattformen veröffentlicht zu werden.

Am 25. Februar kam plattformübergreifend das Release raus. Die Release-Party stehe noch aus. Offen sei auch, ob sie ihre neu eingespielten Songs zusätzlich als CD herausbringen. Unter den elf Videos seien zwei Eigenkompositionen: „Keep on smiling“ mit Bezug auf Corona. „Vergessed’s Lächeln ned“, übersetzt Gräser. Auch der zweite Titel „Der Sonne entgegen“ setze ein Zeichen der Zuversicht. Der Frühling mit Sonne ist ja rasch gekommen. Doch nicht nur die Temperaturen steigen - das wäre in Verbindung mit offenen Biergärten erfreulich. Leider zeige die Zahl der Neuinfektionen noch nicht in Richtung „Bühnensonne“, unter der sie alle gerne endlich wieder losrocken und ihren schwäbischen Charme rauslassen möchten. Niemand wisse, was das Jahr bringen wird, sagt Gräser. Die ersten Termine hätten sie optimistisch jedenfalls gebucht. „Sobald irgendwo wieder ein Tor aufgeht und wir zumindest wieder proben dürfen, dann sind wir schon glücklich.“

Statt auf Bühnen zu stehen, haben sich die Musiker von „Wild Country Udo G.“ mit Videoschnitt, MP3 und Streamingdiensten die Corona-Zeit vertrieben. Sie haben elf Videos gedreht und als virtuelle CD ins Netz gestellt. So wollen sie Kontakt mit ihren Fans halten und mit Country-Roots-Rock gegen den Corona-Blues anspielen.

Er würde jetzt gerne mal wieder auftreten, sagt Udo Gräser. Der in Welzheim wohnende Countrymusiker vermisst das Publikum. Ihm fehlen auch „seine“ Jungs und der Spaß,

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