Welzheim

Mittelalterliche Funde am Feuersee

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© Benjamin Beytekin
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Tag der Städtebauförderung: Grabungsleiter Papadopoulos informiert über die bisherigen archäologischen Funde am Feuersee, Welzhe
Tag der Städtebauförderung: archäologischen Funde am Feuersee: Tonscherben aus dem Mittelalter, Welzheim, 24.05.2018. © Benjamin Beytekin

Welzheimer Bürger haben einen Blick auf die archäologischen Untersuchungen in der Baugrube werfen können

Welzheim. Wo in Bälde ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen soll, sind seit Anfang des Jahres Archäologen am Werk. Das Landesamt für Denkmalschutz führt eine Rettungsgrabung durch und hofft auf neue Erkenntnisse über die Besiedlung zur Römerzeit. Bislang sind die Forscher jedoch hauptsächlich auf mittelalterliche Funde gestoßen.

Vieles ist ja bereits bekannt über die Zeit, als Römer auf dem Welzheimer Wald den Limes bewachten. Doch noch immer gibt es in Welzheim schwarze Flecken, Gebiete also, in denen die Archäologen noch nicht genau bestimmen konnten, was sich dort befunden hat. Die Baugrube nahe dem Feuersee ist ein solches Gebiet. Sicher ist nur, dass es sich in unmittelbarer Nähe zum antiken Reiterlager „Westkastell“ befindet.

Die ersten Baggersondagen Anfang des Jahres haben sich zunächst als schwierig erwiesen, berichtet Grabungsleiter Stephan Papadopoulos. Denn der Untergrund erwies sich als sehr feucht. Was für den Forscher, der sich auf die Römerzeit spezialisiert hat, zwar mehr Arbeitsaufwand bedeutet, zugleich aber interessant sein könnte, denn „in feuchten Milieus lässt sich die organische Masse besser erhalten“. Etwa anhand der Jahresringe von Hölzern sei dann eine relativ genaue Datierung möglich. Papadopoulos vermutet aufgrund des sumpfigen Terrains, dass sich bereits zu antiken Zeiten an dieser Stelle ein Gewässer befunden hat. Auch wenn sich das noch nicht eindeutig belegen lässt, läge es durchaus nahe und würde die Standortwahl für das Westkastell erklären. Benötigten doch Pferde und Soldaten gleichermaßen große Mengen an Wasser.

In Welzheim hat es dann bei den Probebohrungen schnell Verdachtsmomente gegeben, dass dieses Areal archäologisch interessant sein könnte. Weshalb die Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalschutz seit Januar systematisch die Untersuchung des Gebiets betreiben. Bis zu drei Meter in die Tiefe sind sie bereits vorgedrungen – und dabei vor allem auf Funde gestoßen, die sich dem späten Mittelalter zuordnen lassen.

Das Relief des Geländes erwies sich dabei als komplex. Auf wenig Fläche variiert die Zusammensetzung des Bodens sehr stark, so dass sich nicht ohne Weiteres die frühere Nutzung auf einer Bodenebene nachvollziehen lässt. Einige Bereiche des Bodens haben die Archäologen bereits durchdrungen, in anderen müssen sie noch tiefer abtragen. Dies ist auch notwendig, da für die geplante Bebauung eine Tiefgarage vorgesehen ist.

Relativ schnell fanden die Archäologen bei den Grabungen in den Sedimenten Hufeisen. Diese hat es zur Römerzeit aber noch nicht gegeben. Im selben Bereich gefundene Keramiken, die dem 14. bis 16. Jahrhundert zuzuordnen sind, lassen die Schlussfolgerung zu, dass auch diese aus dem späten Mittelalter stammen.

Keramiken, Flechtzäune, Steine und ein Lederschuh gefunden

Vermutlich mittelalterlich ist auch eine quadratische Steinanordnung, die wohl einst einen Kellerraum bildete – und definitiv älter als die vorherige Bebauung sein muss. Passt sie doch architektonisch nicht zu der Gebäudeanordnung.

Noch nicht genau datierbar, vermutlich aber auch mittelalterlich ist ein Flechtzaun, der am Rand zur Brunnenstraße entdeckt wurde. Neben dem Rutengeflecht befinden sich auch dort Keramiken sowie ein Lederschuh, der allerdings erst noch ausgegraben werden muss. Dietrich Frey vom Historischen Verein hat bereits Interesse bekundet, sich näher mit dem Fund zu beschäftigen.

Des Weiteren wurden Überreste eines Holzbaus auf dem Areal entdeckt sowie ein kleineres Geviert, das als Brunnen oder Latrine gedient haben könnte. Auch an dieser Stelle wurden Hölzer und Rutengeflechte gefunden, die eine Zuordnung als mittelalterlich ermöglichen. „Die Fläche hat Potenzial“, meint Papadopoulos, der noch auf ältere Funde aus römischer Zeit hofft. Einige wenige haben die Archäologen bereits ausgegraben: eine Gürtelschnalle aus Bronze, eine stark erodierte Münze sowie Überreste eines römischen Arztbestecks.

20 Monate waren für die Grabungen ursprünglich angesetzt. In der kommenden Woche soll nochmals eine Probebohrung stattfinden. Dann kann Papadopoulos genauer einschätzen, wie tief es noch geht – und wann an dieser Stelle mit dem Bau des Wohn- und Geschäftshauses begonnen werden kann.