Welzheim

Mittlerweile 3,3 Millionen Euro: Die Kosten explodieren beim Schulhaus Aichstrut

Altes Schulhaus
2021 im April sah das Alte Schulhaus in Aichstrut so aus. © ALEXANDRA PALMIZI

Wie bei jedem Bauprojekt spielen auch bei der Sanierung des Alten Schulhauses in Aichstrut verschiedene Einflüsse ineinander. Eine Vielzahl von spezialisierten Gewerken muss umgesetzt werden, viele hängen voneinander ab, nicht nur in der Ausführungsart, sondern auch zeitlich. „Durch die Preisentwicklung bei Baumaterialien im vergangenen Jahr sind bei verschiedenen Gewerken deutliche Nachträge zu verzeichnen. Ferner musste und muss die Planung mehrfach an die vorhandene Bausubstanz und Erkenntnisse angepasst werden, die erst im Verlauf des Bauprojektes klarwurden, was ebenfalls Mehrkosten mit sich bringt. Die Kostenprognose der noch auszuführenden Arbeiten ergibt gegenüber dem im April beschlossenen Kostenrahmen von 2 717 000 Euro eine Kostensteigerung von ca. 633 000 Euro auf nunmehr 3 350 000 Euro“, berichtet Sabine Klein von der Stadt Welzheim, die dieses Projekt begleitet, dem Welzheimer Bau- und Verwaltungsausschuss in der Sitzung am Dienstagabend. Bürgermeister Thomas Bernlöhr erklärt zu Beginn: „Übliche Baukostensteigerungen von fünf Prozent kennen wir, doch hier waren es im letzten Jahr 18 Prozent. Es hat uns sehr stark erwischt, aber bei denkmalgeschützten Gebäuden und bei den aktuellen Preisen und Bedingungen in der Baubranche muss man mit diesem Risiko der starken Preiserhöhung leben. Dennoch bleibt unser Ziel, das Schulhaus Aichstrut für die Kinder im September 2022 nutzbar zu übergeben.“

Bisher sind Mittel in Höhe von ungefähr 1 440 000 Euro auf dem Projekt verbucht, wodurch sich ein Finanzierungsbedarf von 1 910 000 Euro in 2022 ergibt. Da die Höhe der Kostensteigerung bei der Erstellung des aktuellen Haushaltsplans noch nicht voll umfänglich bekannt war, wurden für 2022 nur 1 600 000 Euro eingeplant. „Die Differenz von 310 000 Euro kann über einen Ermächtigungsrest aus dem Vorjahr gedeckt werden. Die Inbetriebnahme des Kindergartens kann nach derzeitigem Kenntnisstand wie geplant im September 2022 erfolgen“, heißt es weiter.

Dies sei laut Sabine Klein eine beträchtliche Kostensteigerung. Und vermutlich auch noch nicht die letzte Kostensteigerung, so Stadtrat Sebastian Buhl, der aufgrund seiner Befangenheit abrücken musste vom Gemeinderatstisch. Im Gespräch mit der Welzheimer Zeitung erklärte Buhl jedoch: „Diese Kostenexplosion war tatsächlich nicht vorhersehbar. Ein Altbau ist und bleibt eine Wundertüte. Begonnen hatte alles mit einer Kostenschätzung von 2,1 Millionen Euro mit dem Umbau des Kindergartens und der Erstellung von Wohnraum. Wir sind heute bei über 1,2 Millionen Euro Mehrkosten angelangt. Dennoch hätte im Vorfeld einiges besser erkundet und vorgeplant gehört, vieles war aber auch nicht ersichtlich. Jeder, der an dieser Sanierung mitarbeitet, ist trotz der langen Bauzeit und den nervigen Unterbrechungen mit Herzblut weiter dabei, um es zu einem guten Ende zu bringen. Aber ich befürchte, dass die jetzt genannten Mehrkosten nicht ausreichen werden.“

Der Beschlussvorschlag für die Entscheidung im Gemeinderat, der vermutlich am 8. Februar 2022 dann folgen soll, lautet: 1. Der Projektkostenrahmen wird um 633 000 Euro auf nun insgesamt 3 350 000 Euro erhöht. 2. Die Finanzierungslücke von 310 000 Euro wird über einen Ermächtigungsrest aus dem Vorjahr gedeckt.

Veränderungen in der Ausführung in Statik und Brandschutz

Die größten Abweichungen vom ursprünglichen Plan sind während der Bauphase bei der Statik und im Brandschutz notwendig geworden. Nach dem Freilegen der Wände und Decken wurde ersichtlich, dass die vorhandene Bausubstanz im Bereich der Wände erhebliche Mängel aufweist. Dies macht eine umfassende handwerkliche Überarbeitung der Gefache der Fachwerkwände in den oberen Geschossen und ertüchtigende Maßnahmen im Mauerwerk des Erdgeschosses erforderlich. „Insbesondere im Bereich der Ostseite haben sich aufgrund des gestörten Mauergefüges Risse in der Außenwand eingestellt. Hier müssen Fehlstellen ausgemauert und mit Betonstützen verstärkt werden. Im Frühjahr muss das Gefüge noch mittels Nadelanker- und Verpress-Arbeiten weiter gesichert werden. Dies führt in Folge auch dazu, dass der Außenputz erneuert werden muss“, heißt es seitens der Stadt Welzheim.

Zusammenarbeit mit dem bisherigen Architekten beendet

Ein weiterer Punkt sei die erforderliche Aussteifung des Gebäudes. In Absprache mit dem Prüfstatiker wurde ein Aussteifungskonzept für die Decken und Wände entwickelt und umgesetzt. Auch aus den Anforderungen des Brandschutzes ergaben sich umfangreiche Arbeiten (zum Beispiel das Herstellen von Verblockungen zwischen den Deckenbalken unter allen Wänden). Diese Faktoren führen im Bereich Zimmerer-, Stahlbau- und Rohbauarbeiten zu Mehrkosten von ungefähr 187 000 Euro.

„Die Kosten aus der entstandenen Bauzeitverlängerung sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abschließend bezifferbar. Es ist jedoch klar, dass durch die pandemiebedingt gestiegenen Baupreise Mehrkosten von ca. 15 bis 30 Prozent je nach Gewerk entstehen werden“, meint Jan Wölfl, Leiter des Hochbauamts.

Ferner entstanden während der Pandemie für zahlreiche Materialien Lieferengpässe. Um weitere Verzögerungen im Bauablauf zu vermeiden, mussten hier die Ausführungen der Wand- und Deckenbekleidungen umgeplant werden. Die Mehrkosten aus der Baupreisentwicklung belaufen sich laut Bericht auf 380 000 Euro. Zum Jahreswechsel 2021/2022 wurde die Zusammenarbeit mit dem beauftragten Architekten Brinkmann in gegenseitigem Einvernehmen beendet. Durch den Wechsel und erhöhte Aufwendungen in anderen Planungsbereichen ergeben sich Mehrkosten für Honorare von ca. 66 000 Euro. „Mit der Bauüberwachung wird die Bauleitungsgesellschaft mbH aus Bühlerzell beauftragt. Das Büro Baumeister Architekten Stuttgart/Ludwigsburg übernimmt die Bearbeitung der ausstehenden Ausführungsplanungen und Detailfragen. Beide Büros sind der Stadtverwaltung als leistungsstarke und zuverlässige Büros bekannt. In Summe ergeben sich Mehrkosten von ca. 633 000 Euro“, so Sabine Klein in ihren Ausführungen gegenüber dem Bau- und Verwaltungsausschuss. Und: „Die noch nicht ausgeschriebenen Leistungen haben einen Umfang von 340 000 Euro. Der Versand der Ausschreibungsunterlagen ist im Februar geplant.“

Schädlingsbefall im Holztragwerk sorgt für Verzögerungen und Mehrkosten

Aufgrund des Schädlingsbefalls im Holztragwerk, des Schadstoffbefundes und der entsprechenden Arbeiten, der erforderlichen statischen Ertüchtigungsmaßnahmen und lange ausstehender Freigaben seitens des Landesdenkmalamtes, der ungünstigen Witterungsverhältnisse und coronabedingter Einschränkungen und Lieferschwierigkeiten kam es zu massiven Verzögerungen im Bauablauf. „Der Zeitplan des neu beauftragten Architekten ist aktuell noch in der Erarbeitung. Nach den ersten Rückmeldungen sei der geplante Fertigstellungszeitpunkt aber aktuell nicht gefährdet. Das Dach ist gedeckt und die Fenster sind eingebaut. Die Unterkonstruktion für die Fassadenbekleidungen ist hergestellt, mit dem Einbau der Schalungen wird in Kürze begonnen. Die Nachgründungsmaßnahmen wurden ausgeführt. Die statischen Ertüchtigungen im Dach und in der Decke über OG sind vollständig und die Maßnahmen in der Decke über EG sind weitgehend abgeschlossen. Die neuen Innenwände sind so weit vorbereitet, dass die Installationen von Heizung, Elektrik und Sanitär ausgeführt werden können“, äußerte sich Klein. Mit den Ausbauarbeiten wurde begonnen. Die Brandschutzbeplankungen der Decken und Wände sind in Ausführung, die Innendämmung im Erdgeschoss ist weitgehend angebracht. Der Einbau der Stahlkonstruktion für die Ertüchtigung der Decke über EG im Bereich des neuen Treppenhauses werde in Kürze ausgeführt. Anschließend folgen die weiteren Installationen und Haustechnik im UG, EG und OG.

Witterungsbedingt erfolgt im Frühjahr die Herstellung des neuen Hausanschlusses für Wasser auf der Westseite, die Ertüchtigung des Mauerwerks und das Herstellen des neuen Zugangs auf der Ostseite, und die Überarbeitung des Außenputzes im Erdgeschoss und Herstellen der Außenanlagen. Beim Innenausbau folgen noch der Einbau der Treppen, die neuen Fußbodenaufbauten, das Fertigstellen der Wände, Herstellen der Einbauten und die restauratorischen Arbeiten.

Altes Schulhaus in Aichstrut soll im September 2022 fertig saniert sein

Für Gemeinderätin Alexandra Veit sei das Schulhaus Aichstrut und dessen Sanierung ein trauriges Kapitel in Welzheim. Auf den Vorschlag der Stadt Welzheim, die 310 000 Mehrkosten aus dem Haushalt 2021 zu nehmen, wollte sie wissen, woher das Geld komme. Bernlöhr antwortete in einem einfachen Bild: „Es ist Geld, das die Stadt Welzheim in 2021 im Haushalt nicht ausgegeben hatte. So müssen wir den neuen Haushalt 2022 nicht mehr in aufwendiger Form ändern.“

Diskutiert wurde weiterhin innerhalb des Bau- und Verwaltungsausschuss über die hohen Kosten. Aber was ist die Alternative: „Ein zu dreiviertel saniertes Gebäude ohne Zuschüsse zahlen zu müssen, es aber nicht nutzen zu können? Das kann keiner wollen“, so Bernlöhr. Die Frage, ob es eine andere Alternative gibt, hätte also schon vor der Entscheidung getroffen werden müssen, ob man dieses Gebäude sanieren möchte. Aber nicht mitten in der Sanierungsphase. Es gelte nun, dieses Projekt so zu beenden, dass man nicht in drei Jahren wieder etwas aufreißen oder sanieren müsse.

Dem Gemeinderat bleibt am 8. Februar also nichts anderes übrig, als den Mehrkosten zuzustimmen, um das Schulhaus im September 2022 unter anderem an den Kindergarten übergeben zu können.

Und auf die Nachfrage von Stadtrat Friedrich Mayle, ob es stimme, dass der Strom für dieses sanierte Gebäude in Aichstrut nicht mehr ausreichen würde, antwortete Jan Wölfl: „Ja das stimmt. Wir müssten eine zweite Stromleitung verlegen für 50 000 Euro. Das machen wir aber nicht, dafür werde es statt eines Durchlauferhitzers mehrere Boiler geben.“

Wie bei jedem Bauprojekt spielen auch bei der Sanierung des Alten Schulhauses in Aichstrut verschiedene Einflüsse ineinander. Eine Vielzahl von spezialisierten Gewerken muss umgesetzt werden, viele hängen voneinander ab, nicht nur in der Ausführungsart, sondern auch zeitlich. „Durch die Preisentwicklung bei Baumaterialien im vergangenen Jahr sind bei verschiedenen Gewerken deutliche Nachträge zu verzeichnen. Ferner musste und muss die Planung mehrfach an die vorhandene Bausubstanz und

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