Welzheim

Nach drei Jahren Pause: 34. Weinfest des Musikvereins Stadtkapelle in Welzheim

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Ein Prosit auf das 34. Weinfest, das nach drei festfreien Jahren erstmals in der Eugen-Hohly-Halle gefeiert wurde. © Markus Metzger

Riesen-Remmidemmi runterschrauben, Gemütlichkeit hochfahren – so lässt sich der Neustart des Weinfests des Musikvereins Stadtkapelle nach drei festfreien Jahren zusammenfassen. Der Verein will mit „einer Nummer kleiner“ an die Tradition anknüpfen. Das 34. Weinfest ohne Partyband und erstmals in der Eugen-Hohly-Halle: Christos und seine Clique müssen sich an die neue Aufmachung beim Reinkommen erst mal gewöhnen. „Die Musik reißt mich nicht so vom Hocker“, sagt der 47-jährige Christos. „Das Feiern, die Leute, das ganze Drumherum“ fehle ihm.

Dem Weinfest die Treue gehalten

Dennoch halten sie „ihrem“ Weinfest dieses Jahr die Treue: „Aufs Weinfest kommen die Welzheimer, aufs Stadtfest kommen alle“, meint Sascha. Für sie sei es ein Fixpunkt. „Hier geht man hin, weil man viele wiedersieht, die man sonst das Jahr über nicht trifft“, meint Franziska.

Bis einschließlich 2019 hat der MV das Fest groß aufgezogen, in der Justinus-Kerner-Halle, mit Liveband und mehr Platz. „Das hatte zuletzt nichts mehr mit dem traditionellen Weinfest von früher zu tun“, so Vorsitzender Winfried Ellinger. Der Verein habe sich für die 34. Auflage des Fests bewusst für „eine Nummer kleiner“ entschieden.

„Die Atmosphäre und Gemütlichkeit, Blasmusik, Gläsle in der Hand und Wohlsein – das wollen wir wieder“, ergänzt Kassier Harald Bauer. „Ein Weinfest gibt’s rund um Welzheim sonst nicht“, meint Ellinger. Schon das mache die Besonderheit aus. Fürs Wohlsein braucht es aus ihrer Sicht nicht so viel drum herum. „Überschaubar, gemütlich, so soll es sein.“ Auch der Termin ist neu – statt wie bisher am letzten Oktoberwochenende trafen sich Weinliebhaber und Freunde der Blasmusik eine Woche später. Die Halle wäre zum angestammten Termin nicht frei gewesen.

Claudia und Uwe – beide über 50 und seit einem halben Jahr in Welzheim wohnend – gefällt’s. Mal wieder „Musik hören, unter Leute gehen, das ist schön“, sagt Uwe. „Ich dachte noch, dass vielleicht alle in Trachten da sind, aber es ist ja ganz anders, schön gemütlich“, meint sie.

Mix aus Wein und Blasmusik

„Positiv überrascht“ äußert sich Gerd Niethammer. Er sei zum ersten Mal hier und treffe einen „sehr gelungenen Mix aus Wein und Blasmusik“ an. „Außerdem will ich die örtlichen Vereine so gut, wie es geht, immer unterstützen“, sagt er.

„Mir kochet schon den ganzen Tag“, sagt Vorsitzender Ellinger. Er meint das Kraut für die Schlachtplatte – aus Tradition entstehe es in Handarbeit. Für viele Welzheimer sei es ein Highlight am Sonntag, das sie auch in der Qualität erwarten. Dasselbe gilt für die frisch ausgebackenen Schnitzel und den hausgemachten Kartoffelsalat.

Vereinsmitglieder wickeln zudem Weinausschank in der Halle und den Barbetrieb auf der Empore ab. Um die Organisation aus eigenen Reihen stemmen zu können, hätten sie sich gegen die frühere Vielfalt mit mehreren Weinlauben entschieden. Die Weine kommen von einem Weingut aus dem Heilbronner Raum, bei dessen Hoffest der MV schon öfter gespielt habe. Zudem hätten Platzgründe ein Bummeln und Durchprobieren bei mehreren Weingütern nicht zugelassen.

Jugend war gut vertreten

Was die einen an ihrem Traditionsfest vermissen – Stimmungsmusik und Party –, wissen andere zu schätzen. Zudem Blasmusik nicht immer die große Orchesterbesetzung braucht, sie kann auch anders: Eine Nummer kleiner besetzt, aber einfallsreich und mit ordentlich Klangvolumen lässt es das Ensemble „6+1“ krachen. Sieben Musiker decken zwei Tenorhörner, drei Trompeten, zwei Flügelhörner und eine Basstuba ab, ergänzt um den Schlagzeuger Jakob – dafür stehe das „+1“.

In der Gipfelglück-Polka zeigen sie ihre Wandlungsfähigkeit, als die Flügelhörner den Part der Klarinetten übernehmen. Die schmissigen Märsche und Polkas nach böhmisch-mährischen Vorbildern nehmen die Zuhörer mit in den Takt. Manche klingen melodisch wie Gesang, andere sind tanztauglich. An den Tischen wird mitgeklatscht und gelacht, die Stimmung ist schon früh am Abend gut, als die Musiker mit der Weinkellerpolka den stimmig-süffigen „Soundtrack“ zum Viertele liefern.

„6+1“ sei ein Ensemble aus befreundeten Musikern, erklärt Winfried Ellinger. Zwei „Eigengewächse“ des MV Welzheim spielen mit: Toni Hinderer am Tenorhorn ist Dirigent der aktuell 22-köpfigen Jugendkapelle, die derzeit verstärkt werde. Trompetenspieler Arne Timcke wurde in Welzheim ausgebildet und spielt nach dem Umzug nach Alfdorf im dortigen Musikverein.

Blasmusik mag nicht jedermanns Sache sein, im jüngeren Stammpublikum frotzelt einer „Sparveranstaltung“, doch dies hat offenbar nicht auf die Stimmung geschlagen. „Die Jugend war gut vertreten. Und die meisten blieben auch recht lang“, berichtet Ellinger auf Nachfrage.

Riesen-Remmidemmi runterschrauben, Gemütlichkeit hochfahren – so lässt sich der Neustart des Weinfests des Musikvereins Stadtkapelle nach drei festfreien Jahren zusammenfassen. Der Verein will mit „einer Nummer kleiner“ an die Tradition anknüpfen. Das 34. Weinfest ohne Partyband und erstmals in der Eugen-Hohly-Halle: Christos und seine Clique müssen sich an die neue Aufmachung beim Reinkommen erst mal gewöhnen. „Die Musik reißt mich nicht so vom Hocker“, sagt der 47-jährige Christos. „Das

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