Welzheim

Neue Wohnheime an der Laufenmühle

1/2
Laufenmühle neue Gebäude_0
Die holzfarbenen Gebäude sollen neu gebaut werden. © ZVW/Sarah Utz
2/2
_1
Reiner Böning mit dem Modell für die beiden geplanten Wohnhaus-Ensembles.

Welzheim-Laufenmühle. Großes hat das Christopherusheim Laufenmühle vor. Drei Gebäude sollen abgebrochen werden, zwei neue Wohnheim-Ensembles sind geplant. Reiner Böning, Leiter der Abteilung Bauen & Haustechnik in der Christopherus- Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Laufenmühle schätzt die Baukosten auf derzeit acht Millionen Euro.

„Wir sind seit drei Jahren in der Planung und wollen im Herbst beginnen“, sagt Reiner Böning. Beginnen heißt, zunächst einmal die alten Gebäude abbrechen. „Der Sanierungsaufwand wäre zu groß gewesen, wir wollen was Neues schaffen.“ Gebaut wird für 61 Bewohner. Von früher einmal 85 Bewohnern sind 24 in die neue Einrichtung in der Stadt Welzheim umgezogen. Auch von der Konzeption her sind die rund 30 Jahre alten Wohngebäude nicht mehr geeignet. Im Sinne der Anthroposophie Rudolf Steiners wurde seinerzeit viel Wert auf Gemeinschaftsräume gelegt und die Zimmer wurden seinerzeit vergleichsweise klein angelegt. Künftig hat jeder Bewohner ein Einzelzimmer, über einen Vorraum wird der Sanitärbereich gemeinsam mit einem Nachbarn genutzt. Diese Veränderungen sind Folge des neuen Heimgesetzes.

In einem ersten Schritt wurde ein Ersatzneubau zentral in Welzheim für insgesamt 24 Bewohner erstellt und im Januar 2017 bezogen. Der Neubau liegt zentrumsnah, die Innenstadt ist fußläufig und barrierefrei zu erreichen. Somit sind die grundlegenden Voraussetzungen für Begegnung und Teilhabe in der städtischen Umgebung gegeben.

Im nun zweiten Schritt sollen Ersatzneubauten für 48 Personen am Standort Laufenmühle erstellt werden. Der sich anschließende notwendige dritte Bauabschnitt ist erforderlich für den Umbau eines Bestandsgebäudes für weitere 14 Bewohner.

Der Pflegeaufwand ist bei vielen Bewohnern sehr hoch

Ein wichtiger Grund für den Standort Laufenmühle ist die große Anzahl der schwerst-mehrfach-behinderten Betreuten mit teilweise hohem Pflegeaufwand, die sich in ihrer bekannten Umgebung sehr wohl fühlen und für die ein Wechsel in ein städtischeres Umfeld kein Zugewinn wäre, bzw. teilweise auch zu einer Reizüberflutung führen würde. Hinzu kommt die Einbindung in eine intakte Dorfgemeinschaft, die mit den ihr eigenen Rhythmen im Tagesverlauf den Bewohnern Orientierung und Halt gibt.

Der gesamte Neubaukomplex ist nach den neuesten gesetzlichen Richtlinien gestaltet und nach modernen Standards ausgerüstet. In Haus 1 und 2 leben die Bewohner verteilt auf je vier Wohneinheiten (mit jeweils sechs Bewohnern, die da, wo es als sinnvoll erscheint, auch zu einer Wohngruppe mit zwölf Personen zusammengefasst werden können). Insgesamt beherbergt so jedes Haus 24 Personen.

Jede Etage der einzelnen Häuser verfügt über mindestens zwei rollstuhlgerechte Zimmer mit entsprechend rollstuhlgerechtem Duschbad. Zudem hat jedes Haus ein rollstuhlgerechtes Pflegebad, welches es ermöglicht, auch Menschen mit intensiverem Pflegebedarf und starken körperlichen Behinderungen (Spastik etc.) in der Pflege gerecht zu werden.

Die Häuser sind jeweils barrierefrei erreichbar und mit einem Fahrstuhl ausgestattet, der alle Ebenen erschließt.

Großes Angebot im Freien

Die Außenanlagen rund um die Häuser ermöglichen ein Zusammenkommen der Bewohner und gemeinschaftliche Aktivitäten wie Grillen, Spielen etc. im Freien. Das Erfahrungsfeld mit seinen Gästen und zahlreichen Angeboten bietet zusätzlich einen großen Spielraum für Begegnung und Austausch.

Der zu betreuende Personenkreis in den Neubauten in der Laufenmühle erstreckt sich von schwerst-mehrfach-behinderten Menschen bis hin zu Bewohnern, die ein relativ selbstständiges Leben führen können.

Aus heutiger Sicht haben rund zehn Prozent der geplanten Bewohner einen Werkstattstatus bzw. besuchen aktuell den Berufsbildungsbereich der Einrichtung. 90 Prozent der geplanten Bewohner besuchen den Bereich Fördern und Betreuen.

Laut Reiner Böning ist der Bauablauf so vorgesehen, dass der Betrieb im Erfahrungsfeld der Sinne in der Hauptsaison weiterhin möglich ist. Baustart mit dem Abbruch der alten Gebäude ist deshalb im September 2018 vor der Winterpause. Die Bauzeit ist insgesamt mit 20 Monaten angesetzt. Der Baubeginn für die neuen Gebäude ist für September 2019 terminiert. Die Fertigstellung beider Häuser ist derzeit für Juni 2021 geplant. Für die Unterbringung der Bewohner in der Bauphase hat die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Laufenmühle von der Stadt Welzheim bereits ein Gebäude angemietet.

Im Jahr kommen 100 000 Besucher

Ein Erfahrungsfeld der Sinne als Werkstatt für behinderte Menschen und gleichzeitig Begegnungsort für annähernd 100 000 Besucher im Jahr zu schaffen, ist der Weg, den die Christopherus-Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Laufenmühle e. V. nun seit mehr als zehn Jahren geht. Das Erfahrungsfeld Eins und Alles bietet den Bewohnern am Zentralgelände in den Werkstätten ein breites Betätigungsfeld.

In landschaftlich reizvoller Umgebung kann so intensiv Inklusionsarbeit geleistet werden. Ein möglicher Standortnachteil, stadtfern zu liegen, wird hier wirksam durch ein attraktives Konzept zum Vorteil umgekehrt. Die „Gesellschaft“ in Form der Gäste kommt in die Einrichtung. Das Leben und Arbeiten der Betreuten findet nicht mehr ausgeschlossen von der Gesellschaft statt. Die hohe Nachfrage nach Plätzen in der Tagesstruktur macht deutlich, dass die Einrichtung mit ihren vielfältigen Arbeitsbereichen für potenzielle Bewohner/Arbeitende sehr attraktiv ist.

Ein zentraler Gedanke steht dabei über allem: Gemeinschaft und Solidarität entstehen durch das gemeinsame Tun.

Menschen jedes Alters und verschiedener Lebenslagen mit und ohne Behinderung bringen ihre individuellen Fähigkeiten und Begabungen im Rahmen inklusiver Projekte ein.

Die Begegnung der Beteiligten auf Augenhöhe steht dabei immer im Mittelpunkt.

Mit dieser inklusiven Angebotsstruktur wurde für die Bewohner ein Lebens- und Arbeitsumfeld geschaffen, das in der Form einzigartig ist und den verschiedenen Zielsetzungen der Inklusion zuarbeitet.