Welzheim

Neue Wohnungen für Menschen mit Handicap: Vorfreude auf ein neues Zuhause in der Laufenmühle

Laufenmühle Baustelle
Es wird fleißig gebaut in der Laufenmühle. © ALEXANDRA PALMIZI

Ein wenig fachsimpeln mit den Handwerkern, das machen die Bewohner der Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Laufenmühle derzeit gern. Schließlich entsteht nicht alle Tage ein Neubau direkt vor der Tür. Und auch mit Abstand lässt sich gut verfolgen, wie zwei neue Häuser Gestalt annehmen. „Das Interesse ist riesig“, bestätigt Daniela Doberschütz, zuständig für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Das Baugeschehen gibt Anlass zur Vorfreude und Freude, liegen doch die Arbeiten gut im Zeitplan. Die Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft errichtet zwei neue Wohnhäuser, in denen künftig 48 behinderte Menschen leben werden (wir haben berichtet). Drei alte Bestandsgebäude waren dafür abgebrochen worden. Die neuen Häuser warten mit einer Wohnfläche von insgesamt rund 2100 Quadratmetern auf, jedes Haus verfügt über eigene Pflegebäder, große Gemeinschaftsflächen und Einzelzimmer.

Zeitlichen Vorsprung bis jetzt sehr gut gehalten

Ursprünglich sollten die Bauarbeiten im März beginnen, sagt Reiner Böning, der die Leitung des Bereichs Bauen und Haustechnik innehat. Tatsächlich wurde aber aufgrund des günstigen Wetters schon im Januar losgelegt. „Diesen zeitlichen Vorsprung haben wir bis jetzt sehr gut gehalten.“ Derzeit stehen Fenster und Dächer sowie der Innenausbau im Vordergrund, Heizungen, Sanitäranlagen, Lüftung und Elektrik nehmen Gestalt an. Bis zum 31. Juli nächsten Jahres soll alles fertig sein. „Da sind wir sehr zuversichtlich, dass wir den Termin halten können“, so Böning.

Das Projekt schlägt mit rund 8,5 Millionen Euro zu Buche, inklusive der Außenanlagen, so sieht es der Kostenrahmen vor. „Wir als kleiner Träger sind gezwungen, den auch einzuhalten“, sagt Böning. Für das Bauvorhaben gibt es Zuschüsse und Förderungen. Sehr zupass kommt den Bauherren zudem die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit dem Generalunternehmer.

Der Baugrund hatte sich vorab als schwierig erwiesen. Eine Schwerlastwand musste wegen der Hanglage nördlich des Hauses eins errichtet werden, auch Geologen waren zurate gezogen worden, erinnert sich Reiner Böning. „Die Wand wurde vor der Bautätigkeit gebaut. Damit ist die Sicherung des Geländes abgeschlossen.“

Eines der Häuser verfügt nun über zwei Geschosse, eines über drei, beide fügen sich in den Hang und die Umgebung ein. Sie sind so geplant, dass sie mit den umgebenden Bauten eine Art kleines Dorf bilden.

Für die Außenanlagen erwartet die Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft im nächsten Jahr zahlreiche Gärtnerinnen und Gärtner aus den Reihen der Bundesarbeitsgemeinschaft selbstverwalteter Gartenbaubetriebe samt Kindern. Rund 100 Gartenfachleute krempeln hier eine Woche lang im Rahmen eines Sommerprojekts die Ärmel hoch und werden auf dem Gelände wohnen und verköstigt werden, so lautet die Idee.

Stichwort Corona: Das Virus hat auch das Bauvorhaben tangiert. Glücklicherweise bisher aber nur kurz. „Ganz zu Anfang gab es eine kleine Schrecksekunde im Frühjahr“, denkt Reiner Böning zurück. Würde es gelingen, im Zeit- und Lieferplan zu bleiben, wie würden Lieferketten unterbrochen? Doch es gab Entwarnung. „Toi, toi, toi: Es ist alles gut gelaufen.“

Schutzmaßnahmen ziehen erhebliche Kosten nach sich

Auf den Alltag in der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft wirkt sich das Virus aber sehr wohl aus. Zurzeit gibt es keinen Erkrankungsfall unter den betreuten Menschen, informiert Daniela Doberschütz. Das Team setzt alles daran, dass das so bleibt. Zwei Mitarbeitende hatten sich in der Vergangenheit infiziert, es gelang aber, dass sich kein Mensch mit Behinderung ansteckte, wie unsere Zeitung im Mai berichtete.

In der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft herrscht ein hohes Sicherheitsniveau. Schutzmaßnahmen, Anschaffungen, zusätzliche Hygieneaktivitäten, Materialbeschaffungen, Masken, Desinfektionsmittel, Trennwände, Notfallboxen: Umfangreiche Maßnahmen zum Corona-Infektionsschutz ziehen für die Einrichtung erhebliche Kosten nach sich, „deutlich über 100 000 Euro“, beziffert Reiner Böning für dieses Jahr. Im Falle des Falles muss bereits beim Verdacht einer Infektion reagiert werden können, muss die Einrichtung vorbereitet sein, und schließlich gibt es auch Bewohner mit Vorerkrankungen.

Auf viele liebgewordene Aktivitäten müssen Bewohner und betreute Menschen derzeit verzichten. Da ist etwa der gemeinsame Start in den Tag, das Mittagessen miteinander, nennt Daniela Doberschütz Beispiele, auch viele Freizeitbeschäftigungen finden nicht wie gewohnt statt. So verwundert’s nicht, dass es Bewohner gibt, die sich täglich erkundigen, wann denn Corona endlich kein Thema mehr ist.

Immerhin gibt es auch gute Nachrichten: Der Werkstattbetrieb funktioniert wieder, phasenweise waren alle bis auf einen„Notbetrieb“geschlossen. Externe haben aber derzeit Besuchsverbot in den Werkstätten. In der Rösterei wird der Kaffee an der Tür verkauft, man kann indes nicht hineinlaufen und ebenso wenig dort Kaffee trinken. „Das ist so eine Zwischenlösung“, so Daniela Doberschütz. Das Café-Restaurant „Molina“ hat mit den entsprechenden Vorgaben geöffnet.

Mit den beiden neuen Wohnhäusern wird die Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft im nächsten Jahr übrigens 90 Prozent ihrer stationären Wohnräume für die Menschen mit Behinderungen erneuert haben. Bleibt noch ein Rest, ein Puzzlestein gewissermaßen. „Der wird noch entwickelt“, kündigt Reiner Böning an.

Ein wenig fachsimpeln mit den Handwerkern, das machen die Bewohner der Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Laufenmühle derzeit gern. Schließlich entsteht nicht alle Tage ein Neubau direkt vor der Tür. Und auch mit Abstand lässt sich gut verfolgen, wie zwei neue Häuser Gestalt annehmen. „Das Interesse ist riesig“, bestätigt Daniela Doberschütz, zuständig für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Das Baugeschehen gibt Anlass zur Vorfreude und Freude, liegen doch die Arbeiten

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