Welzheim

Neues Gewerbegebiet in Breitenfürst

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Noch ist der Blick auf den Hohenstaufen und die Alb frei. Doch künftig wird hier wahrscheinlich ein Industriegebiet stehen. © ZVW/Sarah Utz

Welzheim. Die Planungen für „Reizenwiesen Süd“ schreiten voran. Es wäre das vorerst letzte größere Gewerbegebiet, das die Stadt ausweisen kann. Allerdings muss dafür der Bereich aus dem Landschaftsschutzgebiet herausfallen. Dem hat der Gemeinderat nun seine Zustimmung erteilt.

Grundsätzlich ist der Weg damit frei für das zehn bis zwölf Hektar große Gewerbegebiet. Noch ist allerdings nichts endgültig entschieden. „Wir greifen damit nicht einer städtebaulichen Konzeption vor“, sagte Bürgermeister Thomas Bernlöhr am Ende der Diskussion über „Reizenwiesen Süd“, dessen Umsetzung die Mehrheit der Gemeinderäte zugestimmt hat. Lediglich der SPD-Fraktionsvorsitzende Gerhard Vogel enthielt sich bei der Abstimmung.

„Keine Fläche, die man leichtfertig besiedeln sollte“, sagt Bernlöhr

Eine gewisse Skepsis war aber bei vielen Räten spürbar, vor allem, weil die Fläche in einem Landschaftsschutzgebiet liegt und als Tor zu Welzheim bislang den Blick auf die Alb ermöglicht. „Das ist keine Fläche, die man leichtfertig besiedeln sollte“, sagte auch Bernlöhr. Doch allzu viele Möglichkeiten habe die Stadt nicht mehr, wenn es um weitere Gewerbegebiete gehe. Und rund um Welzheim gebe es kaum eine Fläche, die nicht im Landschaftsschutzgebiet liege.

Außerdem punkte der Standort durch die gute Anbindung nach Schorndorf und könne zugleich gewerblichen Verkehr aus der Stadt fernhalten. Das habe eine Untersuchung über die Potenziale von Gewerbegebieten in Welzheim ergeben. „Dieser Standort bringt die wenigsten Restriktionen und den größten Eigennutz mit, auch wenn es wehtut“, so der Bürgermeister.

„Für die wirtschaftliche Entwicklung eines Unterzentrums wie Welzheim ist dieses Gewerbegebiet wichtig“, sagte Stadtplaner Ulrich Finke, der den aktuellen Projektstand im Gremium vorstellte.

Während der Verband Region Stuttgart die Entwicklung eines Gewerbegebietes begrüßen würde, sieht die Baurechtsbehörde des Landratsamtes den Eingriff in das Landschaftsbild auch im Hinblick auf den Tourismus durchaus kritisch.

Ein neuer Standort für die Firma Christian Bauer?

Die untere Naturschutzbehörde hat nun einen Vorschlag zur Änderung des Landschaftsschutzgebietes gemacht. Dieser sieht vor, dass der Bereich westlich der beiden Aussiedlerhöfe herausfällt. Dort könnten künftig also Industrieanlagen und mehrere Hundert Arbeitsplätze entstehen.

Für die weitere Planung hat die Verwaltung außerdem vorgesehen, die Landesstraße 1150 in diesem Bereich als Ortsdurchfahrt mit Erschließungsfunktion zu klassifizieren. Damit würde ein Bauverbot im Bereich von 20 Metern beiderseits der Landesstraße entfallen.

Die Stadt ist seit vergangenem Jahr im Dialog mit der Firma Christian Bauer, die signalisiert hatte, ihren Sitz ganz oder zumindest teilweise aus der Stadt hinaus zu verlagern. Um Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen zu sichern, sei es daher im Interesse der Stadt, die Firma in Welzheim zu halten. „Ich denke, dass wir deshalb gut daran tun, unseren Teil der Aufgabe zu erledigen“, sagte Bernlöhr mit Blick auf das Geberbegebiet „Reizenwiesen Süd“.

Verlust des Landschaftsschutzgebiet zu verkraften

Sebastian Buhl (Freie Wähler) begrüßt die Planungen, denn „nicht nur Christian Bauer, auch andere Betriebe stehen in den Startlöchern“. Dass hier Landschaftsschutzgebiet verloren geht, sei zu verkraften. „Schließlich ist auf der anderen Seite ja schon ein Gewerbegebiet.“ Außerdem würde Buhl es begrüßen, wenn auf der dann als Ortsdurchfahrtsstraße umdeklarierten Landesstraße Tempo 50 gelten könnte – wegen der vielen Raser, die auf dieser Strecke unterwegs seien.

„Mir blutet das Herz, dass wir Landschaft opfern“, sagte Alexandra Veit (SPD), „aber wir brauchen Christian Bauer – und können ihn dadurch in Welzheim halten.“ Allerdings gab sie zu bedenken, dass vor „Reizenwiesen“ erst zwei innerstädtische Gewerbegebiete erschlossen werden sollten, also „Reizenwiesen-Schwabäcker“ sowie die Paul-Dannenmann-Straße. Auch Gemeinderätin Angelika Böttcher (Welzheimer Bürgerforum) war dieser Punkt besonders wichtig.

Genau so habe es die Stadt geplant, sagte Bürgermeister Bernlöhr, wobei es aus seiner Sicht die Kunst sei, das richtig zu steuern. Ein vernünftiger zeitlicher Vorlauf sei deshalb unerlässlich. Doch „niemand kann die Konjunktur voraussehen“. Sprich: So dringend im Moment auch Gewerbefläche gebraucht wird – sollte das Wirtschaftswachstum nachlassen oder gar eine Rezession eintreten, könnten all diese Planungen Makulatur sein.

Bauer-Areal

Noch ist es Zukunftsmusik, in vielen Köpfen von Gemeinderat und Verwaltung aber bereits präsent: Sollte die Firma Bauer tatsächlich komplett aus der Innenstadt in das neue Gewerbegebiet ziehen, hätte Welzheim plötzlich ein innerstädtisches Areal zur Verfügung, das ungleich größer wäre als das Schul-Areal.