Welzheim

„Nie wieder Faschismus und Krieg“, so der Tenor des Gedenkens am 9. November

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Gemeinsames Gedenken auf dem Welzheimer Hermann-Schlotterbeck-Platz zum Thema: „Nie wieder Faschismus, Rassismus und Krieg.“ © Markus Metzger

„Nie wieder Faschismus! Nie wieder Rassismus! Nie wieder Krieg!“ Unter dieser Losung fand am Montagabend auf dem Welzheimer Hermann-Schlotterbeck-Platz ein gemeinsames Gedenken des „Offenen Antifaschistischen Treffens Rems-Murr“, des „Bündnisses zusammen gegen rechts Rems-Murr“ sowie der VVN-BdA e.V. (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) statt.

Bereits in der Nacht davor hatten Unbekannte an der Landstraße von Welzheim Richtung Rudersberg ein Schild mit der Aufschrift „Henkerssteinbruch – Gedenkstätte für die Opfer des ehemaligen KZ Welzheim - nie wieder Faschismus!“ aufgestellt. Mit diesem Schild, so eine Presseaussendung, solle an die mehr als 60 Insassen des KZ Welzheim erinnert werden, die dort ermordet wurden. Antifaschismus funktioniere am besten, wenn man selbst aktiv werde, anstatt auf Aktivität von oben zu warten. Wie viele Einwohner aus dem Rems-Murr-Kreis wüssten überhaupt, heißt es weiter in der Aussendung, „dass in Welzheim das zentrale Durchgangslager für alle württembergischen Menschen jüdischen Glaubens in der Reichspogromnacht 1938 war?“

Am 9. November, erinnerte einer der Redebeiträge der Kundgebung, jähre sich die faschistische Reichspogromnacht. Damals organisierten NSDAP, SA und SS die Zerstörung und Plünderung zahlreicher Einrichtungen jüdischen Lebens, Synagogen, Gebetshäuser, Geschäfte und Privatwohnungen. Tausende Juden und Kommunisten wurden inhaftiert und in Konzentrationslager verschleppt. Diese Nacht sei zum Wendepunkt von der Diskriminierung zur Verfolgung geworden, die schließlich in der industriellen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung endete. Viele der rund 2000 verhafteten Juden aus Baden, Württemberg und Hohenzollern kamen in das Schutzhaftlager Welzheim, von wo aus sie in andere Vernichtungslager weitertransportiert wurden.

Antisemitismus ist immer noch kein Ding der Vergangenheit

Natürlich sei man heute weit entfernt von Auschwitz, Buchenwald und Co, hieß es in einem weiteren Redebeitrag. Doch Antisemitismus sei immer noch kein Ding der Vergangenheit. Ob Holocaustrelativierungen in Form von Davidsternen bei Querdenker-Demos oder der Anschlag auf eine Synagoge in Halle an Jom Kippur mit zwei Todesopfern: Die tödliche Gefahr des Judenhasses gebe es weiterhin. Und auch „im Ländle“ existierten gewaltbereite Nazis, so der Redner und verwies auf die auf einem Grillplatz gegründete „Gruppe S.“. Dass nicht noch mehr rechte Strukturen zu finden seien, „liegt an uns allen. Als vielfältige antifaschistische Bewegung, die auf verschiedenen Ebenen - mit Gedenkveranstaltungen, Bildungsarbeit, Demos, Blockaden und direkten Aktionen - gegen die Ewiggestrigen und Faschisten vorgeht, konnte das offene Auftreten von Nazis innerhalb der letzten zehn Jahre hierzulande deutlich zurückgedrängt werden.“ Diese Aufgabe könne und werde kein Verfassungsschutz übernehmen, „der mit dem V-Mann-System systematisch braune Kameradschaften finanzierte“, auch keine Polizei, „deren Angehörige mehr damit beschäftigt sind, in Whatsapp-Chatgruppen Hitlerbilder herumzuschicken, als die 475 mit Haftbefehl gesuchten Faschisten zu finden“.

Diese Aufgabe werde auch von keinen Parteien abgenommen, die mit Sozial- und Freiheitsrechteabbau, Kriegsbeteiligungen und Korruption glänzten und den Rechten täglich neues Futter für ihre Hetze lieferten. 83 Jahre nach der Reichspogromnacht brauche es mehr Antifaschismus, mehr organisierte und aktive Antifaschisten und Antifaschisten auf der Straße und in den Betrieben.

„Die Ereignisse der Reichspogromnacht sind unser aller Auftrag: Alle zusammen gegen den Faschismus - auf allen Ebenen, mit allen Mitteln. Nieder mit dem Krieg, nieder mit dem Faschismus!“ Dieter Keller, der Vorsitzende des DGB Fellbach, erinnerte an Hermann Schlotterbeck, den Namensgeber des Platzes vor der einstigen Kommandantur des KZ Welzheim. Er wurde als 16-Jähriger im September 1935 in Welzheim eingesperrt und in der Nacht vom 18. auf den 19. April bei Riedlingen von SS-Angehörigen ermordet.

Dank an den Bürgermeister, die Stadtverwaltung und den Gemeinderat

Das langjährige Ringen, um eine Straße oder diesen Platz nach Hermann Schlotterbeck zu benennen, sei teilweise unbequem, aber notwendig gewesen, zitierte Keller Bürgermeister Thomas Bernlöhr. Er bedankte sich dafür sowohl beim Bürgermeister wie auch dem Gemeinderat, dem Historischen Verein und den Bürgerinnen und Bürgern, die dazu ihren Beitrag leisteten.

Kerzen und Nelken werden auf dem Friedhof niedergelegt

Die Stadt habe sich damit schwergetan. Der Hermann-Schlotterbeck-Platz stelle einen wichtigen Bestandteil der Welzheimer antifaschistischen Gedenkstättenarbeit dar. „In einer Zeit, in der Rassisten, Neofaschisten und Judenhasser immer dreister auftreten, nicht einmal vor Mord und Gewalt zurückschrecken, ist er gleichzeitig Mahnung und klares Bekenntnis zu: Nie wieder Faschismus. Nie wieder Krieg!“ so Keller. Im Anschluss an die Versammlung zogen die ca. hundert überwiegend jungen Teilnehmer zu der Gedenkstätte im Friedhof, wo sie Kerzen aufstellten und Nelken niederlegten.

„Nie wieder Faschismus! Nie wieder Rassismus! Nie wieder Krieg!“ Unter dieser Losung fand am Montagabend auf dem Welzheimer Hermann-Schlotterbeck-Platz ein gemeinsames Gedenken des „Offenen Antifaschistischen Treffens Rems-Murr“, des „Bündnisses zusammen gegen rechts Rems-Murr“ sowie der VVN-BdA e.V. (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) statt.

Bereits in der Nacht davor hatten Unbekannte an der Landstraße von Welzheim Richtung

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