Welzheim

Niko Kappel aus Welzheim ganz privat: Ein 1,41 Meter großes Energiebündel

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Niko Kappel ganz privat: Neben dem Kugelstoßen hat der Welzheimer noch so viel mehr zu bieten. © Benjamin Büttner

Wenn er sich selbst beschreiben müsste, dann fällt dem Welzheimer Niko Kappel spontan sehr viel ein. Bronze in Tokio, Gold in Rio - der kleinwüchsige Kugelstoßer ist aber mehr als nur ein Profisportler mit Handicap. Er ist Gemeinderat in Welzheim, Familienmensch und vieles mehr. Kappel selbst sagt: „Ich bin ein 1,41 Meter großer Mann, voller Energie und Freude und großer Lebenslust. Ich genieße jeden Tag und finde es super, was ich in meinem Leben machen darf. Der Spaß ist sicher das Wichtigste im Leben, und den habe ich.“

Normalerweise wird die Kleinwüchsigkeit schon während der Schwangerschaft festgestellt. Bei Niko Kappel war es etwas anders. „Bei mir wurde es erst nach einem Dreivierteljahr festgestellt, so nach dem Motto, irgendwie wächst der Kerl nicht nichtig. Aber vielleicht war es auch gut so, wenn das erste Dreivierteljahr normal ablief, wobei auch danach alles normal war. Und für meine Eltern war es vielleicht gut so, denn sie wussten dann, dass es keinen Unterschied macht, ob der Niko nun kleinwüchsig ist oder nicht“, erzählt Niko Kappel.

Das Aufwachsen als Kind bis zum Erwachsenen verlief für ihn „fast ausschließlich positiv“. Er habe kaum Unterschiede zu seinen Freunden oder Bekannten gemerkt. „Der Wiederkennungswert bei mir ist dafür viel größer“, lächelt der 26-Jährige, der mit seinem Handicap prima umgeht. Zwar sei es nicht immer von Vorteil gewesen, dass Mitschüler bei Späßen und anderen Tätigkeiten immer wussten, dass, wenn „ein Kleiner dabei war, ich damit gemeint war“, so Kappel. Da hätten die Lehrer dann schon immer gewusst, wer etwas angestellt hatte.

„Irgendwie wächst der Kerl nicht richtig ... hieß es bei mir“

Dafür war der Sport Niko Kappel immer schon sehr wichtig. Und mit dem Kugelstoßen hat er seinen Lieblingssport gefunden. Heute ist er glücklich, dass er das Kugelstoßen beruflich betreiben kann. Dank vieler Sponsoren ist es ihm möglich, Kugelstoßen als Kleinwüchsiger auf höchstem Weltklasseniveau betreiben zu dürfen. Und dabei sieht er gar nicht viele Unterschiede zu den „normalen“ Kugelstoßern, außer dass diese Jungs mit teilweise zwei Meter großer Körpergröße einfach aus biomechanischer Sicht etwas weiter stoßen können. „Das stört mich aber nicht“, sagt Kappel.

Der Sport ist aber nicht sein einziges Leben, Niko Kappel zeichnet viel mehr aus. Dabei wird er oft gefragt, wie der Alltag für ihn sei.

Darf er zum Beispiel Auto fahren? „Ja, warum auch nicht. Ich kann sicher nicht jedes Auto ohne Umbaumaßnahmen fahren, aber sehr viele. Im Moment fahre ich einen Audi A5, den kann ich so fahren, da man die Sitze super verstellen kann. Denn mit meinen 1,41 Meter bin ich auf dem asiatischen Kfz-Markt, was die Damenwelt betrifft, noch der Durchschnitt. Daher ist es super möglich, Auto zu fahren. Ich kann aber jedes Auto fahren, auf das ich Lust habe, das ist schnell umgebaut“, erklärt der 26-Jährige. Auch Beziehungen mit Frauen sind für ihn möglich, und dabei lernte er nicht nur gleich große Damen kennen. Seit 2013 hat er eine langjährige Freundin, seit 2015 lebt das Paar gemeinsam in Welzheim in einer Wohnung. Mit Kindern oder gar Hochzeit kann er noch nicht dienen, „aber wir sind auf dem besten Weg in diese Richtung“, lächelt Niko Kappel bei dieser Antwort. So seien auch die privaten Ziele, denn der Kinderwunsch ist da. „Aber eines nach dem anderen, ich bin ja erst 26 Jahre jung“, so Kappel.

„Die politische Arbeit auszubauen, kann ich mir gut vorstellen“

Zurück zum Sport noch einmal. Was bedeutet Niko Kappel Olympia beziehungsweise die Paralympischen Spiele? „Das ist etwas ganz Besonderes für mich. Ich wollte mich immer mit den Besten der Welt messen und bei den Paralympics ist dies möglich. Ich bin hier ganz vorne dabei. Dafür danke ich meinem Umfeld, meiner Partnerin, der Familie, dem Verein, den Sponsoren, den Trainern und vielen mehr. Ohne die würde es nicht gehen“, berichtet der Welzheimer Junge. Die beiden olympischen Medaillen bedeuten ihm sehr viel, „alle Medaillen sind großartig, da ich von jedem Großereignis bislang eine Medaille mitnehmen durfte“, so Kappel.

Die Paralympics und Olympia hätten auch einen sehr großen Wert für die Gesellschaft: „Man sieht einfach, zu welchen Hochleistungen Sportler fähig sind, und bei den Paralympics sieht einfach jeder, zu was Menschen mit einem Handicap fähig sind. Wer eine Behinderung hat, ist auch ein normaler Mensch. Und bei den Paralympics wird dies besonders deutlich, denn der Sportler wird als Sportler gesehen und nicht als Mensch mit einer Behinderung. Somit werden auch die Sorgen und Ängste von Menschen ohne Behinderung genommen, wenn man einen Menschen mit Handicap zum Beispiel auf der Straße antrifft. Man kann hier nichts falsch machen, einfach auf alle zugehen. Wenn hier die Gesellschaft noch weiter zusammenwächst, dann wäre dies genial und die Paralympics hätten einen großen Anteil daran, dass Menschen mit und ohne Handicap normal miteinander umgehen können“, erklärt Kappel.

„Welzheim ist meine Heimat, Welzheim ist etwas ganz Besonderes!“

Seit 2018 kann Niko Kappel von seinem Hobby leben. „Dank der Sponsoren natürlich, für die ich mir immer sehr viel Zeit nehme“, verrät Kappel, der auch viele regionale Partner hat. Und er startet ja seit kurzer Zeit für den VfB Stuttgart.

Aber was macht Niko Kappel nach dem Sportlerleben? So viel verdienen wie ein Fußballer wird er nie, um davon leben zu können. Als CDU-Gemeinderat ist er bereits politisch in Welzheim aktiv. „Ich kann mir vorstellen, diese politische Arbeit weiter auszubauen. Vielleicht ein politisches Amt zu verfolgen, um Werte wie Inklusion, Vereine, Amateursport zu unterstützen.“

Auch in der Bildungsebene wäre ein Job für ihn denkbar. Als lösungsorientierter Mensch, der eine Bankausbildung hat und als Bänker einige Jahre arbeitete, ist auch dieser Weg zu Finanzen und Wirtschaft eine Option. „In der Politik noch aktiver zu sein kann ich mir aktuell am besten vorstellen nach meiner Zeit als Kugelstoßer“, äußert sich Niko Kappel.

Seine Heimat Welzheim wird dabei immer eine große Rolle spielen: „In Welzheim bin ich zu Hause. Hier ist meine Heimat. Hier ist mein Umfeld. Welzheim ist etwas ganz Besonderes, denn bei meinen Freunden und Bekannten bin ich einfach nur der Niko, nicht der Sportler. In Welzheim geht es auf der Straße auch mal nur um den Gemeinderat, nicht um den Sport oder die Behinderung. Und das genieße ich sehr.“

Wenn er sich selbst beschreiben müsste, dann fällt dem Welzheimer Niko Kappel spontan sehr viel ein. Bronze in Tokio, Gold in Rio - der kleinwüchsige Kugelstoßer ist aber mehr als nur ein Profisportler mit Handicap. Er ist Gemeinderat in Welzheim, Familienmensch und vieles mehr. Kappel selbst sagt: „Ich bin ein 1,41 Meter großer Mann, voller Energie und Freude und großer Lebenslust. Ich genieße jeden Tag und finde es super, was ich in meinem Leben machen darf. Der Spaß ist sicher das

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