Welzheim

Noel gilt als Ausnahmetalent

Musiker
Im Musikraum der Familie Lehar im Keller übt Noel, damit er schnell besser wird und somit bald schon wieder schwierige Stücke spielen kann. © Palmizi / ZVW

Welzheim. Redakteur und Fotografin könnten sich auf die Schulter klopfen, behaupten, den neunjährigen Noel Lehar durch ihren Besuch zusätzlich motiviert zu haben. Am Wochenende holte er beim Jugendwertungsspiel in Höfingen des Blasmusikverbands Böblingen im Solovortrag 100 von 100 Punkten. Chapeau! Da seine Musiklehrerin den jungen Querflötisten als Ausnahmetalent bezeichnet, brauchte es die Motivation wohl aber nicht. Er hat sogar schon Autogramme gegeben.

Video: Noel Lehar spielt „Der Mückentanz“ von Wilhelm Popp.

„Im Moment kann ich noch mithalten“, sagt Mutter Maria Lehar, „aber wahrscheinlich nicht mehr lange.“ Kostprobe. Noel Lehar wischt sich kurz durch die langen Haare, räuspert sich und führt die Querflöte an die Lippen. Los geht’s. Er spielt den Mückentanz, bläst dabei die Backen auf, wenn er schnell Luft holt, kneift manchmal die Augen konzentriert zusammen, geht in die Knie und der Körper schwingt mit der Flöte mit. Die Hände flattern und entlocken der Flöte Töne, die wie Mücken durch die Luft schwirren. Ist das eine Showeinlage, wenn er so wippt und sich ein bisschen dreht? Fast schon schüchtern sagt der Neunjährige, man solle nicht ganz steif stehen. Extravagant ist sein Auftritt aber nicht. Seine Mutter hält fest, Hörer und Zuschauer müssten ja merken, dass der Musiker „das, was er spielt, auch lebt und nicht nur etwas spielt, das er gelernt hat“.

Noel Lehar liebt vor allem die schnellen Stücke

Der Oberkörper darf sich bewegen, erklärt Noel Lehar, die Füße sollten aber stehen. Was motiviert ihn? Noel hat mit der Blockflöte angefangen, weil seine Eltern meinten, ein knapp vierjähriger Junge sei noch zu jung für die Querflöte, die seine Mutter ebenfalls spielt. Er spielte Blockflöte – und das ziemlich gut. Also gaben die Eltern nach: Noel konnte endlich Querflöte spielen, wenn auch ein kleines Exemplar für kleine Spieler mit kurzen Armen. Er nimmt Unterricht bei Rita König, die ihn nun als Ausnahmetalent bezeichnet. Und wie lange übt ein Ausnahmetalent? Mindestens 45 Minuten am Tag müssten es schon sein. Lehrerin und Mutter sprechen sich ab: Zu Hause wird dann auch gezielt trainiert. Dabei gehe es nicht bloß ums Notenauswendiglernen, sondern auch darum, sich Gedanken über das Stück zu machen, die eigene Fantasie anzuregen und einem Stück mit der Flöte Leben einzuhauchen. Und „man muss schon sehr konzentriert sein, sonst passieren Leichtsinnsfehler“, erklärt Noel, der vor allem schnelle Stücke liebt.

Ohne Querflöte eher schüchtern

Was ist sein Ziel? Berühmt werden? Och. Berühmt werden wäre schon schön, interpretiert seine Mutter die noch zögerliche Geste und die leicht schmunzelnde Mimik des Sohnes. Besser zu werden sei das erste Ziel, sagt Noel. Wettbewerbe zu gewinnen, sei nicht so wichtig. Es freut ihn, wenn er noch schnellere und noch schwerere Stücke meistern kann. Kein Wunder, dass der Kleine Stücke spielt, für die er eigentlich noch zu jung erscheint. Talent? Klar, sagt seine Mutter, und das Glück, gute Lehrerinnen zu haben und musikalische Eltern und Geschwister, die mitmachen – und auch mal zwei Stunden zu Wettbewerben fahren.

Leidet die Freizeit? Zeit zum Fußball fehlt jedenfalls nicht, denn an Kicken hat Noel nach eigener Aussage überhaupt kein Interesse. Ihre Familie sei musikalisch und nicht sportlich, sagt Mutter Maria Lehar.

Auch Noels Geschwister spielen. Mit seiner Schwester Lara hat er am Wochenende auch erfolgreich als Duo musiziert. Er mit seiner Querflöte, sie am Schlagzeug. Ergebnis: 97,5 Punkte. So gut wie das Welzheimer Duo war bei dem Jugendwertungsspiel keiner. Hat er Lampenfieber? Nein, sagt er. Bei 1000 Zuschauern würde er aber wohl schon aufgeregt sein. „Noel hätte eher ein Problem damit, sich anzusagen, als dann nachher zu spielen“, sagt seine Mutter. Er sei eher schüchtern, aber nicht, wenn er Querflöte spielt. Und die spielt er gut.

„Es muss ja auch noch Freizeit geben“

Noel trumpft bei Wettbewerben auf, hat schon einige Zuhörer begeistert, weil er als sehr junger Spieler schon sehr anspruchsvolle Stücke präsentiert. Dafür musste und durfte er schon Autogramme geben. Kein schlechter Start für eine Musikerkarriere. Der man viel unterordnet? Man dürfe es nicht übertreiben, hält seine Mutter fest. 45 Minuten am Tag reichen, „es muss ja auch noch Freizeit geben“. Wenn Freunde anrufen, dann ordne er diese Verabredungen nicht seinem Spiel unter, ordne sie eher in seinen Tagesplan ein. Dabei sei er nicht immer hellauf begeistert, wenn es ans Üben geht, aber wenn er dann Erfolge erzielt, stellt sich die Begeisterung später ein.

Klavier-Partner gesucht

Noel Lehar sucht einen Partner oder eine Partnerin, die ihn am Klavier begleitet, beim Üben unter der Woche und dann natürlich bei Wettkämpfen. Der Pianist könne ruhig ein paar Jahre älter als Noel sein.

Wer gerne spielt, auf Wettbewerben auftreten möchte, Freude daran hat, gemeinsam Musik zu machen, kann sich gerne bei Familie Lehar melden, am besten an die Adresse von Uwe Lehar, „die sowieso jeder kennt“: Lehar@welzheim.de.