Welzheim

„Onsre Linsa“: Bio-Linsen aus dem Remstal

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Ein ungleiches Verhältnis: Landwirt Friedemann Zoller demonstriert, wie viel Hafer zusammen mit den Linsen geerntet wird ... © Palmizi/ZVW
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Zeirenhof
... nämlich deutlich mehr als Linsen. © Palmizi/ZVW
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Zeirenhof
So sehen sie aus, die Linsen aus dem Schwäbischen Wald. © Alexandra Palmizi

Alfdorf. Vor knapp zehn Jahren hat das Ehepaar Zoller vom Zeirenhof alles auf Bio umgestellt: Die Mastschweine wurden weitestgehend abgeschafft, die Mutterkuhherde vergrößert, dann folgte schnell der Linsenanbau – eine Besonderheit im Remstal. Mit „Onsre Linsa“ produzieren die Landwirte ein Produkt, das viel nachgefragt und gekauft wird. Auch heute ist Friedemann Zoller noch überzeugt, dass der Schritt zum Bio-Betrieb die richtige Entscheidung war.

„Jeder hilf jedem bei den Bios. Die Kollegen sind aufgeschlossen und stehen einem mit Rat und Tat zur Seite.“ Das ist nur einer der Punkte, die Friedemann Zoller am Bio-Anbau schätzt. „Man hat eine gewisse Planungssicherheit“, erklärt er weiter. „Die Preise schwanken nicht so sehr wie im traditionellen Anbau und sind auch fairer.“ Hauptsächlich sei der Grund für die Umstellung aber die Suche nach einer neuen Herausforderung gewesen.

Den biologischen Anbau fand Zoller schon immer spannend, weil der Ansatz sich insgesamt sehr vom traditionellen Betrieb unterscheide.

Die Linsen sind bei den Kunden sehr beliebt

„Wenn ich früher ein Problem hatte, habe ich wo angerufen und mir wurde gesagt, was ich spritzen muss. Beim Bio-Anbau überlegt man sich, was die Pflanze eigentlich braucht.“ Fehler durch falsche Bearbeitung sehe man ein ganzes Jahr. Er müsse mehr nachdenken, aber dafür sei die Beratung ausgezeichnet. Schon bei der Umstellung auf Bio habe Zoller viel Unterstützung erfahren. Inzwischen hat er genug Erfahrung, um seinerseits Neulingen zu helfen. Konkurrenz gebe es unter Bio-Bauern eigentlich keine. Nicht jeder konzentriere sich auf die gleichen Produkte. Deshalb ergänze sich das Angebot der verschiedenen Bio-Landwirte sogar eher.

 

Auch der Zeirenhof hat ein Alleinstellungsmerkmal: den Linsenanbau. Lange wurden im Remstal überhaupt keine Linsen mehr angebaut. Eigentlich undenkbar im Land der Linsen mit Spätzle – vielleicht sind „Onsre Linsa“ vom Zeirenhof auch deshalb bei den Kunden so beliebt. Auf Anregung des Landratsamts Backnang hatten die Zollers überhaupt erst mit dem Linsenanbau begonnen. Zunächst mit einem Hektar, im Jahr darauf, aufgrund der großen Nachfrage, schon mit zwei. 2018 werden es voraussichtlich sechs Hektar sein und trotzdem: „Wir haben eigentlich immer eine Zeit, in der die Linsen komplett ausverkauft sind.“ Werbung machen müssen die Zollers für die Linsen nicht mehr, sie sind zum „Selbstläufer“ geworden. Gründe dafür gebe es viele. Unter anderem seien die Linsen zum Beispiel bei Vegetariern als gute Proteinquelle beliebt.

Dafür gingen für die Linsen auch einige Fernsehabende drauf. Da die Linsen in Mischkultur mit Hafer angebaut werden, müssen sie nach der Ernte erst einmal von diesem getrennt werden. Der Reinigungsprozess ist aufwendig und muss zum Teil extern durchgeführt werden. Auch der Ertrag schwankt: „Zwischen null und einer Tonne“, so Zoller. Ein gewisses Risiko sei immer dabei. 2017 war der Ertrag zum Beispiel eher schlecht, deshalb entschlossen sich die Landwirte, auch halbe Linsen mit abzufüllen – das sehe zwar nicht so schön aus, ändere aber auch nichts am Geschmack.

Kinder lernen auf dem Zeirenhof, wo ihr Essen herkommt

Da „Onsre Linsa“ inzwischen so beliebt sind, werden die Zollers auch öfters als Referenten angefragt. Besonders Vereine, wie zum Beispiel die Landfrauen, seien interessiert. Bei den Veranstaltungen werde dann auch immer ein Linsengericht gekocht. Als Demonstrationsbetrieb kriegen sie hierfür auch eine finanzielle Entschädigung vom Staat. Auf dem Zeirenhof in Schechingen veranstalten die Eheleute zusätzlich oft Kindergeburtstage und arbeiten mit Schulklassen.

Im Sinne der Nachhaltigkeit wird den Kindern so gezeigt, wo ihr Essen eigentlich herkommt und wie viel Arbeit dahintersteckt.

Zeirenhof

Seit den frühen 80er Jahren betreiben die Zollers - damals die ältere Generation - einen Pachthof in Alfdorf.

Als Ende der 90er Jahre Expansionsgedanken aufkamen, wurde zunächst nach weiteren Ländereien in Alfdorf Ausschau gehalten. Da nicht mehr Land gepachtet werden konnte, fanden die Zollers schließlich über eine Ausschreibung den Betrieb in Schechingen.

Der Bio-Anbau mache Friedemann Zoller auch Spaß, weil nicht alles im Überfluss vorhanden sei. Die Verbraucher schätzten die Produkte und „fragen nach“. Zoller sieht hier immer noch einen wachsenden Markt.