Welzheim

Sänger möchte Country-Szene beleben

Country-Musik
Udo Gräser spielt Gitarre und singt im Wohnzimmer. Man könnte meinen, Johnny Cash, rechts im Bild, lauscht. © Palmizi / ZVW

Welzheim. Wer Udo Gräser in Welzheim besucht, kommt nicht an Johnny Cash vorbei. Ein Bild des US-amerikanischen Country-Sängers klebt auf dem Auto. An der Wand in der Welzheimer Wohnung hängen zahlreiche Bilder des einflussreichen Sängers. Cash gehört zu den großen Vorbildern von Udo Gräser, der seit vielen Jahren selbst als Country-Sänger auftritt. Nun lebt der 50-Jährige in Welzheim und würde gerne mit seiner Band „Udo G. & Wild Country“ die Country-Szene vor Ort beleben.

Video: Auf ihrem Youtube-Kanal gibt es Kostproben von Udo G. & Wild Country.

Durch die Liebe ist Udo Gräser nach Welzheim gekommen. Das fängt ja schon romantisch an. Romantisch ist vielleicht auch seine Beziehung zur Country-Musik, die seit 35 Jahren hält. Mit Freddy Quinn ging das los. Als er den hörte, wollte er ebenfalls singen, Gitarre spielen. Seine Mutter ließ ihre Beziehungen spielen, trieb einen Musiker auf, bei dem der 15-Jährige Gitarrenunterricht nahm. Fürs Foto nimmt er eine Gitarre, setzt seinen Cowboy-Hut auf und legt mit seiner tiefen Stimme los. Vor der Fotografin zu singen, das mache ihn ja nervöser, als vor vielen Zuschauern zu spielen, sagt Gräser und lacht. Dabei wollte er früher doch vor allem die Mädels mit seinem Spiel für sich einnehmen – obwohl Country-Musik „mit 15 noch nicht so cool“ war. Große musikalische Ambitionen habe er nicht gehabt. Aber er träumt immer noch von einer kleinen Tour. Diesen einen Hit, den müsste man eben mal landen, sagt er.

Fünf CDs mit den Silverados

Vor einem Vierteljahrhundert gründete Udo Gräser seine erste Band. Er lernte einen Geschäftskollegen kennen, der ebenfalls gerne Musik machte. Sie klopften große Sprüche. Dabei konnte es doch nicht bleiben. Sie hätten es dann einfach mal probiert, sich eine Anlage gekauft, „von den Eltern gesponsert“, und Musik gemacht. Lange Jahre waren sie als Duo unterwegs. Fünf CDs nahmen die Silverados auf. Wieder muss er lachen. Den Bandnamen hätten sie in einer Kneipe ausgelost. Auch „Happy Hippos“ – Udo Gräser haut kurz auf seinen Bauch – stand zur Auswahl. „Zum Glück hat der Kellner Silverados gezogen!“ Gemeinsam machten sie Country-Musik. Natürlich hätten sie auch AC/DC gespielt, Mötley Crüe und mehr. Noch immer hätte Country-Musik nicht den besten Ruf in Deutschland, ganz anders als in Amerika. Country-Musik sei mehr als Tom Astor und Truck Stop – wobei die gute Musik machten. Country sei breitgefächert. Es gebe laute Stücke und „absolute Schnulzen!“

Solo aufzutreten ist nichts mehr für ihn

Irgendwann gehörte Silverado der Vergangenheit an. Doch der 50-Jährige hatte gelernt, das Publikum zu unterhalten, nicht nur musikalisch. „Einer muss ja durch das Programm führen“, sagt er, der auch mal launige Sprüche einwirft. Udo Gräser trat solo auf, „nur ich und meine Gitarre, das ist eine Herausforderung“. Er habe aber gemerkt, er brauche jemanden neben ihm. Er könne nicht alles durch seinen „schwäbischen Charme“ kompensieren.

Er hofft auf die Country-Szene im Welzheimer Wald

Irgendwann trat er mit Helmut auf, der ebenfalls schon in einer Band gespielt hatte. Udo Gräser sollte in Ravensburg spielen. Dafür wollte er Helmut an seiner Seite wissen. Fast ohne Probe hätten sie einen guten Auftritt hingelegt. „Mit mehr Wumms kannst du die Leute besser zum Tanzen bringen.“ Er wurde Teil von Helmuts Band: „Udo G. und Wild Country“ nennen sie sich nun, machen Trucker-Musik. Die Anzahl der Auftritte nehme zu. Man müsse sich erst mal „andienen“. In Welzheim gab es bisher einen Auftritt. Im Welzheimer Wald gebe es eine Country-Szene, sagt Gräser, nennt Line Dance und mehr. Da könne man doch bald mal etwas auf die Beine stellen, sagt er. „Country zieht“, ist er sich sicher.

Natürlich sei es immer noch sein Traum, als Musiker und Band Geld zu verdienen, als Gruppe auf Tour zu gehen, und das regelmäßig. Auftritte auf Festivals seien klasse, das habe er mit den Silverados ja schon erlebt. Ein Auftritt auf dem „Trucker- & Country-Festival Geiselwind“ wäre der Ritterschlag, träumt Udo Gräser.

„Nervös bist du immer, auch wenn du vor einer Person auftrittst“

Vor 2000 Leuten sei er in Berlin aufgetreten. Nervös? „Nervös bist du immer, auch wenn du vor einer Person auftrittst“. Nach diesem Auftritt sei er voller Adrenalin von der Bühne gegangen. Da fühle man sich kurz wie ein kleiner Star. So tanke er Kraft. Seine Frau meint, er habe die Zuhörer im Griff. Er seine Frau auch? „Auf der Bühne bin ich ein Star. Und zu Hause bringe ich den Müll raus“, sagt Udo Gräser und lacht mit seiner tiefen Stimme und träumt wieder davon, mal zwei Wochen mit Band, ihren Frauen und Roadies durch Europa zu touren. Denn Bock auf Musik, seine Leidenschaft, hat er seit 35 Jahren.