Welzheim

Saisonstart im Erfahrungsfeld der Sinne: Laufenmühle schöpft wieder Hoffnung

EinsAllesLaufenmuehle
Bei der Eröffnung von „Eins+Alles“ am vergangenen Wochenende spielte das Wetter mit. © Gaby Schneider

Besser hätten die Rahmenbedingungen nicht sein können. Bei trockenem und sonnigem Wetter ist das Erfahrungsfeld der Sinne an der Laufenmühle in die neue Saison gestartet. Trotz aller Herausforderungen in der Corona-Zeit und eines Neubauprojekts, das zu stemmen war, sind die Verantwortlichen zuversichtlich für 2022.

„Fast hätte der Sturm das ,Willkommen‘ davongetragen – das Banner im Eingangsbereich des Erfahrungsfeldes der Sinne“, berichtete Daniela Doberschütz, zuständig für Pressearbeit und Laufenmühle. Das leuchtend rote Schild wurde wieder eingefangen. Es läutet nun die Saison ein, die vieles ausmachen wird: neue Herausforderungen für die Sinne, den Mut, neue Perspektiven einzunehmen – durchaus auch im strapazierten, gesellschaftlichen Miteinander sehr verschiedener Menschen.

Kurzarbeitergeld wurde von der Einrichtung aufgestockt

Strapaziert hat das vergangene Jahr auch Christopherus e. V. – die Behinderteneinrichtung. So mussten einige Mitarbeiter in Kurzarbeit gehen. Die Einrichtung hat dabei durch eine großzügige Aufstockung des Kurzarbeitergeldes die Auswirkungen abfedern können.

Zu spät konnte 2001 in die neue Saison gestartet werden, die auch noch zu früh zu Ende ging. Das bleibt nicht ohne Folgen. Der finanzielle, coronabedingte Schaden beläuft sich nach Angaben von Daniela Doberschütz auf rund 700 000 Euro. „Ein Betrag, den die Einrichtung verkraften wird, der aber nun schon zum zweiten Mal, im zweiten Corona-Jahr, schmerzt“, so die Sprecherin der Einrichtung.

Die Einweihung der neuen Wohnhäuser für behinderte Menschen im Herbst 2021 gemeinsam war ein Lichtblick – auch, weil er zeigte, dass nicht alles auf Eis lag. Ein weiterer wichtiger Schritt hin zu zeitgemäßem Wohnen für Menschen mit Behinderungen war trotz Corona möglich.

Corona-Welle rauschte durch die Laufenmühle

Mächtig in Unruhe geraten war Christopherus vor wenigen Wochen, als es binnen weniger Tage bei mehr als 50 betreuten Menschen und Mitarbeitern positive Testergebnisse gab. Die vorherigen „Wellen“ waren klein gewesen und konnten gut aufgefangen werden. Doch nun rückten alle im übertragenen Sinne zusammen – gedanklich und als Gemeinschaft –, denn die Betreuung der geistig behinderten Menschen konnte nur noch unter größten Schwierigkeiten aufrechterhalten werden. Da packten Köche auf der Wohngruppe mit an, Erlebnispädagogen gestalteten die Tagesstruktur innerhalb der Wohngruppen, und durch manche dünne Personaldecke im Wohnheim-Bereich schienen stark angespannte Nerven hindurch.

„Trotz allem erzeugte diese Situation einen Einsatz quer durch die Mitarbeiterschaft, der größten Respekt verdient“, beschreibt Dieter Einhäuser, geschäftsführender Vorstand der Einrichtung, seine Eindrücke voller Anerkennung. „Wir haben niemanden der von uns begleiteten und betreuten Menschen verloren. Das macht uns sehr froh und dankbar.“

Dennoch: Die Herausforderungen reißen nicht ab: Mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht verschärft sich der Personalengpass auch bei Christopherus e. V., der – wie überall im Sozialbereich – schon vorher gravierend war. Und selbst in Funktionen, in denen gar kein direkter Kontakt zu behinderten Menschen notwendig wäre, gilt die gesetzliche, einrichtungsbezogene Impfpflicht und Personal bricht weg.

Ein Großteil der Mitarbeiter hat sich impfen lassen

Dass die allgemeine Impfpflicht nicht absehbar ist, sondern nur Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Behinderteneinrichtungen als Bereich separat gefasst worden sind, macht es dabei umso schwieriger. „Nicht dass wir falsch verstanden werden“, betont Dieter Einhäuser, „wir stehen als anthroposophische Einrichtung hinter der Entscheidung, die Schwächsten mit einer Impfpflicht zu schützen. Und gleichzeitig ist uns aber bewusst, dass hier Grundrechte im Widerstreit liegen.“ Dabei ist die Ausgangslage bei Christopherus e. V. noch recht gut – ein Großteil der Mitarbeiter hat sich für die Impfung entschieden.

Auch in anderen Bereichen ist es schwer, offene Stellen zu besetzen. Viele Menschen haben der Gastronomie den Rücken zugekehrt. Eine Tatsache, die auch das Café-Restaurant Molina spürt. Dabei wäre das beliebte, naturnahe Ausflugsziel mitten im idyllischen Tal der Laufenmühle nicht nur einen Blick in die Speisekarte, sondern auch in die ausgeschriebenen Stellen wert.

Reagieren muss darauf auch das Eins und Alles. Deshalb wird das Café-Restaurant Molina in der neuen Saison nur Mittwoch bis Sonntag geöffnet. Für die anderen Tage bastelt man gerade an einer kleineren, unkomplizierten Lösung für eine kleine kulinarische Versorgung.

Vorfreude mischt sich aber auch in die Gefühlslage in der Laufenmühle: In der frohen Erwartung der Gäste, in der Wiederaufnahme des Gemeinschaftslebens innerhalb der Einrichtung, in den baulichen Veränderungen, die anstehen: Im oberen Gelände – gleich neben den neuen Wohnhäusern – wird emsig gewerkelt, denn die Rösterei Laufenmühle wird in Sommer dort ihre neuen, großzügigen Räume beziehen und sich wappnen für die große Nachfrage nach Bio-Kaffee aus der Laufenmühle.

Perspektiven – neue Entwicklungen für Gruppen

Die Erlebnispädagogen im Erfahrungsfeld machen aber auch andere, ermutigende Beobachtungen. „Wir stellen fest, dass die Nachfrage nach Gruppen- oder Team-Angeboten deutlich steigt. Und dass es das große Bedürfnis gibt, an Themen wie Verantwortung und Mut, Kontinuität und Veränderung in der Gruppe gemeinsam zu arbeiten“, beschreibt Jonas Schäfer, Leiter des Erfahrungsfeldes, die Anliegen der Gäste. Dabei ist nicht so sehr entscheidend, in welchem Zusammenhang Menschen miteinander aktiv sind – ob als Ehrenamtliche in Vereinen oder Netzwerken, als Selbsthilfegruppe, als Gremium oder auch in neuen Wohnprojekten, denn es zeigt sich bei diesen Themen immer eine individuelle, aber auch eine gesellschaftliche Perspektive.

Genau diese Perspektiven haben die Erfahrungsfeld-Macher zum Jahresthema gemacht. Sie möchten sich gemeinsam mit den Gästen fragen: „Was würde wohl passieren, wenn wir in Situationen, in denen Gegensätze unüberwindbar scheinen, unsere Perspektive verändern, ... wenn wir uns gegenseitig ernsthaft und auf Augenhöhe fragen: „Wer bist du?“

Besser hätten die Rahmenbedingungen nicht sein können. Bei trockenem und sonnigem Wetter ist das Erfahrungsfeld der Sinne an der Laufenmühle in die neue Saison gestartet. Trotz aller Herausforderungen in der Corona-Zeit und eines Neubauprojekts, das zu stemmen war, sind die Verantwortlichen zuversichtlich für 2022.

„Fast hätte der Sturm das ,Willkommen‘ davongetragen – das Banner im Eingangsbereich des Erfahrungsfeldes der Sinne“, berichtete Daniela Doberschütz, zuständig für

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