Welzheim

Schönschreib-Ausstellung im Museum Welzheim

1/3
Museum
Roland Birkle (links) und Michael Stock beim Aufbau der Ausstellung im Museum Welzheim. © Palmizi / ZVW
2/3
Museum
Schreiben auf der Schiefertafel. © Palmizi / ZVW
3/3
Museum
Das Tintenfass war früher unverzichtbar. © Palmizi / ZVW

Welzheim. Schönschreiben und Schönschrift: Das gab es einmal in der alten Pauke. Und heute? E-Mail, SMS und Internetsprache in manchmal schlechtem Deutsch. Derzeit wird im Museum Welzheim in der Pfarrstraße eine Ausstellung über das „Schönschreiben“ vorbereitet. Roland Birkle vom Historischen Verein Welzheimer Wald hat zusammen mit Sammler Michael Stock (42) aus Rudersberg viele Infos und Materialien rund um die Kalligrafie zusammengetragen.

Im Video: Roland Birkle gibt uns eine farbige Leseaufgabe.

Kaum haben die Hasen von der Osterausstellung des Museums das Weite gesucht, schon naht die nächste Sonderausstellung im historischen Gebäude in der Pfarrstraße. Der rührige Verein rund um den Vorsitzenden Dietrich Frey sowie Fachmann Roland Birkle haben wieder etwas Besonderes auf die Beine gestellt.

„Schreiben wie die alten Römer“

Am 14., 21. und 28. Mai sowie am 18. Juni, jeweils ab 12 Uhr, stellen Kalligrafinnen ihre Kunst vor und machen mit den Besuchern kleine Übungen. Zusätzlich sind an weiteren Öffnungstagen Vorführungen beziehungsweise Übungen zur Blindenschrift, zum „Schreiben wie die alten Römer“ sowie zur deutschen und arabischen Schrift vorgesehen. Die genauen Termine werden noch bekanntgegeben.

In der Schreibwerkstatt dürfen Kinder und Erwachsene mit Schiefertafel und Griffel, mit Wachstäfelchen sowie mit Federhalter und Feder schreiben. Auch steht eine Schreibmaschine zur Verfügung.

Auf der alten Schreibmaschine seinen Namen tippen

An der durften in der Aufbauphase der Ausstellung am Freitag auch Kinder aus dem benachbarten Kinderhaus Pfarrstraße sitzen und ihre Namen tippen. Jeder wollte mal dran sein, so zu schreiben, wie früher selbst Journalisten ihre Artikel verfasst haben. Erzieherin Michaela Kalscheuer ist ganz angetan von der Ausstellung, ist sie doch eine willkommene Ergänzung zu einem Projekt im Kinderhaus. „Wir haben drei alten Schreibmaschinen geschenkt bekommen.“

„Der moderne Mensch ist auf die Schrift und das Schreiben ebenso angewiesen wie auf die gesprochene Sprache“, sagt Ausstellungsleiter Roland Birkle. Die Geschichte des Schreibens ist eng verbunden mit der Geschichte der Schrift. In der Kalligrafie wird die Schrift zur Kunstform.

Griffel, Bleistifte, Federhalter, Füllfederhalter... 

Schon in der Antike war eine Vielzahl von Techniken üblich, etwa das Einmeißeln in Stein, das Einritzen in Ton und das Schreiben mit Tinte auf Palmblätter, Papyrus, Pergament und Papier.

Bekannte Schreibwerkzeuge aus der eigenen Erfahrungswelt sind Griffel, Bleistifte, Federhalter, Füllfederhalter sowie Kugelschreiber. Bis zur Erfindung des Buchdrucks war das Schreiben die einzige Möglichkeit, Sprache auf einem Medium festzuhalten. Zuerst die Schreibmaschine (mechanisch, später elektrisch), dann der Computer und die Textverarbeitung haben das Schreiben revolutioniert.

Mit dem Kreidestift auf einer alten Schiefertafel

Die Kindergartenkinder dürfen zuschauen, wie Roland Birkle mit dem Kreidestift auf einer alten schwarzen Schiefertafel schreibt. Der pensionierte Lehrer hat seinen rund 60 Jahre alten Füllfederhalter mitgebracht, um seinen Namen auf Papier festzuhalten.

Im Video: Ausstellungsleiter Roland Birkle zeigt Kindern vom Kinderhaus Pfarrstraße wie früher schön geschrieben wurde. Auf einer Schreibmaschine durften die Kinder ihren Namen tippen.

Das Tintenfass nebenan darf dabei nicht umgeworfen werden, sonst gibt es eine große Sauerei, für die es früher in der Schulbank Tatzen gab. Geschrieben wird heute mit dem modernen Schulfüllhalter, da kann so etwas nicht mehr passieren.

Eine Ausstellung zum Thema Schönschreiben

Entstanden ist die Idee zur Ausstellung im gemeinsamen Gespräch, das Roland Birkle aus Althütte mit seinem Freunde Michael Stock auf Rudersberg führte. Beide verbindet die Leidenschaft zum Sammeln. Michael Stock sammelt zum Beispiel alte Dosen von Schreibmaschinenbändern. Zuvor schon hatte die Welzheimer Kalligrafin Friederike Gaibler von dem Bussche bei Roland Birkle angefragt, ob nicht eine Ausstellung zum Thema „Schönschreiben“ möglich wäre.

So fügte sich eins zum anderen. „Mensch, da könnten wir doch eine Ausstellung zu dem Thema Schönschreiben auf die Beine stellen“, sagte Roland Birkle zu seinem Freund und schritt gemeinsam mit ihm zur Tat. Viele Ausstellungstücke stammen von Michael Stock, die Roland Birkle aus eigenem Fundus und von anderen Sammlern ergänzt hat.

Info:

Die Ausstellung geht vom 14. Mai bis 2. Juli. Das Museum ist geöffnet jeden Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Zusätzliche Öffnungstage sind am 25. Mai (Christi Himmelfahrt), 5. Juni (Pfingstmontag) und 15. Juni (Fronleichnam). Der Eintritt im Museum ist frei, Spenden sind willkommen. An den Museumstagen ist auch das benachbarte Café der Kaffeerösterei Laufenmühle geöffnet.

Aktionstag zum Thema Handwerk

  • Am Sonntag, 7. Mai, ist wieder Aktions- und Handwerkertag mit Kaffeebewirtung im Museum Welzheim.
  • Erika Schlotz zeigt an ihrem Spinnrad, wie Schafwolle von ihren eigenen Schafen gesponnen wird, und Gertrud Trinkle verarbeitet die Wolle am Webstuhl und demonstriert die Webtechniken der früher auf dem Welzheimer Wald hergestellten Webstoffe. Die Hobbyschmiede Uli Deeß und Jörg Mahrholdt heizen in der Schmiede im Hirtenhäusle die Esse an und schmieden auf dem Amboss eiserne Werkstücke. In der Bauernstube bewirten Museumshelferinnen die Besucher mit Kaffee und Kuchen.
  • Das Museum ist sonntags zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Museums unter www.museumwelzheim.de.