Welzheim

So gefragt sind Ferienwohnungen im Welzheimer Wald in der Corona-Zeit

Ferienhaus Bruch
Jessica Grötzinger vor ihrem Gästehaus in Kaisersbach-Bruch. © Gabriel Habermann

Schon der Weg nach Bruch: Ein kleines Sträßchen schlängelt sich hangabwärts durch den Wald, vorbei an feinster Fernsicht. Durch den Weiler, vorbei an schmucken Häusern, geht’s zum Gästehaus von Jessica Grötzinger. Hier fühlt sich’s wie Urlaub an. Das alte Haus hat einen warmen Rotton, nur eine Amsel unterbricht die Ruhe, hinter dem Haus blickt man weit auf die Hänge in Richtung Hall. Auf der Wiese blühen Schneeglöckchen, Primeln, Schlüsselblumen, ein altes Hühnerhaus gibt es und ein Backhäusle. Abends kommen Rehe, Hasen, Füchse, Wildschweine, „es ist alles vorhanden“, schmunzelt Jessica Grötzinger.

Wo die Gäste Urlaub machen, hat einst ihre Großmutter gelebt. Sie war hier geboren und aufgewachsen, ihr Großvater hatte das Haus um 1850 gebaut, weiß Grötzinger. Die Oma lebt nicht mehr, „im Februar wäre sie 100 Jahre alt geworden“. Was sollte aus dem Haus werden? Sollte man es vermieten? Doch zu Festen kommt die Familie immer noch gern hierher. Ein Ferienhaus bot da Flexibilität. „Ich probiere mal, ob es sich rentiert“, sagte sich die 43-Jährige.

Der Vater und Helfer aus der Familie begannen zu renovieren, und Jessica Grötzinger richtete das Haus in einem entspannten, gemütlich-ländlichen Stil ein. Der Gast darf spüren, dass ihn ein altes Haus beherbergt. Im früheren Schlafzimmer der Oma ist die Decke immer noch niedrig. Vielen alten Möbeln hat die Hausherrin mit Farbe und Ideen neues Leben eingehaucht. Wer will, kann den Ofen heizen. Witzige Bilder mit Kühen finden sich im Wohnzimmer, „das passt hier einfach rein“.

Besucher aus ganz Europa kamen schon nach Bruch

Im Herbst 2018 war das Haus fertig. Es hat drei Schlafzimmer, zwei Bäder, ein Wohnzimmer, einen Essbereich, eine Küche, Terrasse und Garten. Der Deutsche Tourismusverband hat es mit vier Sternen klassifiziert. Seit 2019 vermietet es Jessica Grötzinger und hat Besucher aus ganz Europa begrüßt. Gäste aus England, Frankreich, Österreich, Tschechien, Polen, Estland, den Niederlanden kamen nach Bruch. Sogar aus Singapur: Sie waren hier auf Heimatbesuch.

Das Ferienhaus kam an: „Es ist von Anfang an gelaufen.“ Jessica Grötzinger ist damit bei einem Buchungsportal, im Gastgeberverzeichnis des Schwäbischen Waldes sowie auf der Website von Kaisersbach vertreten und hat selbst eine Homepage.

Viele Familien kommen, „da zieht natürlich der Schwabenpark“, die Gäste schauen sich die Gegend an, wandern, fahren mal nach Stuttgart und nach Schwäbisch Hall. Auch, um ein Konzert von Andrea Berg anzuschauen, zog’s schon Fans nach Bruch. Dazu kommen Geschäftsleute. Außerdem sind ein Viertel der Gäste im Jahr Handwerker und Monteure. Besuchern aus dem Ruhrgebiet war es mal „zu viel Landschaft“, sonst gefällt die Gegend.

„Da kamen die Buchungen nur so rein. Die Leute wollten einfach fort.“

Durch die Corona-Pandemie hatte Jessica Grötzinger bisher keine Einbußen. Das Gästehaus durfte sie in den Corona-Jahren zwar erst später im Jahr öffnen. Aber: „Da kamen die Buchungen nur so rein. Die Leute wollten einfach fort.“

Und 2022? „Dieses Jahr ist es noch ein bisschen sehr verhalten“, stellt die Gastgeberin fest. Sind’s vielleicht die hohen Spritpreise, oder wird am Urlaub gespart, sinniert sie. „Die Leute warten einfach ab.“ Ab 1. April öffnet das Haus in Bruch. Die ersten Gäste treffen einige Tage darauf ein.

Ortswechsel von Kaisersbach nach Welzheim. Dort kann man in einer Ferienwohnung im Haus von Gabriele und Ulrich Finke Urlaub machen. Mit einem separaten Eingang fürs Appartement, findet der Gast ein Wohn- und Esszimmer, ein Schlafzimmer, eine Küche mit kleinem Vorratsraum und ein Bad, alles stilvoll-behaglich und modern eingerichtet, von der Terrasse schaut man ins Grüne. Ein Gästezimmer kann zusätzlich dazu gebucht werden.

Ferienwohnung war eine flexible Lösung, die auch zur Hausherrin passte

Familie Finke kam durch ähnliche Überlegungen wie Jessica Grötzinger zur Ferienwohnung: Vor zwei Jahren war der Opa verstorben, es wurde Wohnraum im Haus frei. Was tun? Zumal ein anderes Elternteil die Möglichkeit haben soll, einmal hier einzuziehen. Eine Ferienwohnung war eine flexible Lösung, die auch zur Hausherrin passte, „da ich gern mit Leuten zusammen bin, gern Gastgeberin bin und gern einrichte“.

Zuerst wurde saniert: Neue Fenster und Türen kamen, das Parkett wurde abgeschliffen, es wurde neu eingerichtet und im vergangenen Jahr auch eine Klimaanlage eingebaut. „Wir waren natürlich gespannt“, denkt Ulrich Finke zurück. Aber: „Die Wohnung war fertig, dann kam Corona.“ Phasenweise waren keine Privatgäste erlaubt, da mussten Buchungen storniert werden, und Gabriele Finke achtete genau auf die jeweiligen Regelungen für Monteure, die sich täglich geändert hätten.

Ein Anruf erreichte das Paar mal aus dem Remstal, ob der Anrufer für zwei Wochen nach Welzheim kommen könnte, Hauptsache, Tapetenwechsel. Das ging aber damals wegen der Corona-Bestimmungen nicht.

Nicht so steil, loslaufen von überall, gute Gastronomie: eine tolle Wandergegend

Im Sommer, stellt Gabriele Finke fest, kommen eher die Feriengäste, die Urlauber, im Winter auch jene, die ein Familienbesuch herführt. In der Corona-Zeit zieht es vielleicht manchen statt ins Ausland eher ins Inland: Finkes haben Gäste aus Sachsen und Thüringen, „jeder will irgendwo etwas anderes sehen“, aus Mannheim, Hamburg, Dessau, Dettingen an der Iller, „querbeet“.

Was tun die Urlauber hier? „Die Gegend überzeugt“, weiß Ulrich Finke. Seine Gattin empfiehlt gern das Erfahrungsfeld der Sinne, in den Schwabenpark geht’s, wenn etwa die Großeltern besucht werden, und an den Ebnisee, Wandern steht hoch im Kurs. Gerade der Generation 60 plus gefalle die Gegend, sie könne wandern, und es sei nicht so steil. Man könne loslaufen von überall, das gastronomische Angebot sei gut. „Wir hätten so eine tolle Wandergegend“, hört Gabriele Finke oft.

Die Finkes haben nicht den Vergleich, wie ihre Wohnung vor Corona gefragt war und wie sie es nun ist. Sie haben auch nicht das Ziel, dass das Apartment das ganze Jahr gebucht ist. So, wie’s ist, sind sie zufrieden. Bis Mai ist die Wohnung belegt, das Paar schaut entspannt auf den Rest des Jahres.

Noch ein Ortswechsel nach Alfdorf-Hüttenbühl. Dort hat Lisa Erb-Greiner ein Ferienhaus nahe dem Hüttenbühl- und dem Hagerwaldsee.

Sie lebt in Offenburg. Ihr Vater kommt vom Welzheimer Wald, er wohnt in den USA. Das Haus, eigentlich handelt es sich um einen Bauernhof, zu dem auch ein altes Bauernhaus gehört (das nicht vermietet wird), dient der Familie als Ferienhäuschen. Es kann gemietet werden. An dem Platz stand zuvor das älteste Haus von Hüttenbühl, der Gewölbe-Sandsteinkeller ist erhalten. Oben ist alles offen gestaltet. Es gibt einen Wohn- und Essbereich, eine Küche, der Schlafbereich ist getrennt durch eine offene Fachwerkwand. Eine Wendeltreppe führt auf eine Empore zu zwei Schlafmöglichkeiten, ein Bad gibt’s auch.

In der Corona-Zeit zieht’s auch Gäste aus dem Großraum Stuttgart nach Hüttenbühl

Überwiegend nutzen Urlauber das Haus, für Verwandtenbesuche wird es gebucht, ab und an kamen Monteure. In der Corona-Zeit gab es fast keine Monteursanfragen, und es kommen deutlich weniger Urlauber, sagt Lisa Erb-Greiner. Indes: Sie hatte auf einer Website inseriert, dies aber in der Pandemie gekündigt, zeitweise konnte nicht an Privatleute vermietet werden, es gab eine lange Unsicherheit für die Urlaubsplanung, gibt die Ferienhausbesitzerin dazu unter anderem zu bedenken. Ihr Haus ist im Gastgeberverzeichnis des Schwäbischen Waldes sowie auf der Website und in einer Broschüre der Gemeinde Alfdorf gelistet. Es kommen immer wieder Anfragen. Und in der Corona-Zeit zieht es auch Gäste aus dem Großraum Stuttgart ins Haus nach Hüttenbühl.

Schon der Weg nach Bruch: Ein kleines Sträßchen schlängelt sich hangabwärts durch den Wald, vorbei an feinster Fernsicht. Durch den Weiler, vorbei an schmucken Häusern, geht’s zum Gästehaus von Jessica Grötzinger. Hier fühlt sich’s wie Urlaub an. Das alte Haus hat einen warmen Rotton, nur eine Amsel unterbricht die Ruhe, hinter dem Haus blickt man weit auf die Hänge in Richtung Hall. Auf der Wiese blühen Schneeglöckchen, Primeln, Schlüsselblumen, ein altes Hühnerhaus gibt es und ein

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