Welzheim

So wichtig sind Ersthelfer

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Auf die Hilfsfristen kommt es an, und ein Ersthelfer am Unfallort schadet auch nie. © ZVW/Gaby Schneider (Archiv)

Welzheim/Kaisersbach. Wer feiertags schon mal am Ebnisee war, weiß es: Die sich windenden Sträßle auf dem Wald werden zu gern von Schönwetter-Bikern befahren. Gut zu wissen, dass der Rettungsdienst dort oben funktioniert – auch vor der Ausweitung des Dienstes im Herbst. Es funktioniert, was demonstriert werden kann anhand eines schweren Motorradunfalls am Karfreitag.

Die Lage: 29-jähriger Kawasaki-Pilot auf der Umgehungsstraße Richtung Kaisersbach übersieht, dass vor ihm eine Ford-Fahrerin abbremsen muss – „verkehrsbedingt“, laut Polizei. Der Motorradfahrer rutscht unter den Ford und wird eingeklemmt.

Der Rettungswagen aus Welzheim war ausweislich des Protokolls der Rettungsleitstelle in Waiblingen binnen zwei Minuten am Unfallort. Die Notärztin traf nach knapp sieben Minuten aus dem DRK-Notarzt-Standort in Althütte ein.

Vorab ist zu sagen, dass ein Karfreitag laut DRK-Kreisverband auch nicht anders behandelt wird als irgendein Freitag im Jahr - was das Vorhalten angeht. Es gibt an Feiertagen nicht weniger besetzte Rettungswagen oder Fahrzeuge mit Notarzt. Schließlich wacht hierüber der Bereichsausschuss für den Rettungsdienst. Und die Notfallfristen sind regelmäßig Thema im Kreistag.

Ersthelfer fordert Rettungswagen und Notarzt an

Im aktuellen Fall in Welzheim ergab es sich, dass ein sogenannter Ersthelfer mit seiner Maschine rund 70 Meter hinter dem Verunfallten gefahren kam und sofort sich an den Alarm machte. Er war’s, der Rettungswagen und Notarzt mit anforderte. Der Unglücksfahrer war immerhin noch ansprechbar.

Beim Ersthelfer handelt es sich gar um eine hauptberufliche Rettungsfachkraft, die mittlerweile auch als Dozent für Notfallmedizin arbeitet. Alfred Brandner, sein Name, ein Gmünder, machte sich sofort an einen Schnell-Check. Andere Unfallzeugen und Helfer hatten dem Fahrer schon den Helm abgenommen. Die Besatzung des Rettungswagens hat denn auch die Unterstützung von Brandner angenommen, schreibt er. Dieser moniert nur, dass die später ankommende Notärztin seine Hinweise zum Unfallgeschehen ignoriert habe. Es stört ihn, dass sie sich angeblich nur von der RTW-Besatzung instruieren lassen wollte. Wobei diese dann wiederum auf ihn verwiesen habe.

Positives Gegenstück zu Gaffern

Wie es auch in diesem Einzelfall ausgesehen haben mag, beim DRK ist man ganz allgemein sehr froh über Ersthelfer. Das sind die positiven Gegenstücke zur sich ausbreitenden Gaffer-Mentalität. Das DRK tut ein Übriges. Es bildet regelmäßig „Helfer vor Ort“ aus. Sie bilden eine enorme Verstärkung und wichtige Säule der Rettungskette im Kreis, sagt Christian Siekmann, der Sprecher des Kreisverbandes. Sie können reanimieren, Sauerstoff geben, einen Druckverband anlegen, eine erste Diagnose stellen und die Leitstelle beziehungsweise den Notarzt gleich mal mit wichtigen Infos versorgen.

Die Helfer vor Ort werden bei bestimmten Lagen mit alarmiert. Das kann ein Fall von Bewusstlosigkeit sein, von drohender Amputation oder bei Kreislaufstillstand. Im besten Fall kann einer dieser Ausgebildeten dem Nachbarn sofort beispringen bei einem Herzinfarkt. Die Ausbildung zum Ersthelfer umfasst ein 16-stündiges Rettungswachen-Praktikum. „Es gibt hier viele Berührungspunkte, und sowohl Rettungsdienst als auch Helfer vor Ort im Kreis äußern sich sehr positiv über die Zusammenarbeit“, weiß Siekmann.

Darum geht es letztlich: um eine generell sich verbessernde Praxis der Zusammenarbeit von Haupt- und Nebenamtlichen.


Die Lage verbessert sich weiter

Nach und nach, spürbar wohl ab Herbst, verbessert sich die Versorgung mit Notärzten im Welzheimer Wald nochmals. Dann kommen Stationen in Welzheim und Murrhardt dazu. Erste organisatorische Schritte wurden schon unternommen, informiert Eberhard Kraut, Vorsitzender des Bereichsausschusses des Notfallwesens. Aber voll installiert ist die neue Flächenabdeckung wohl erst Anfang 2020.

Umzusetzen hat es der DRK-Kreisverband. Sven Knödler, der Geschäftsführer, sagt: „Bei der Umsetzung der vom Bereichsausschuss beschlossenen Maßnahmen liegen wir im Zeitplan.“ Es kommt darauf an, ob die Einsatzfahrzeuge rechtzeitig geliefert werden. Ob die Stationen auf den Punkt fertig werden und ob die Kliniken auch genug Notärzte abstellen können. „Dem DRK liegt die rechtzeitige und frühe Umsetzung der Maßnahmen sehr am Herzen.“