Welzheim

Sonderausstellung über Friedrich Friz

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Ausstellung
Ausstellung Sonderausstellung "Friedrich Friz" Die Initiatorin der Ausstellung, Reka Friz, und Gabriele Rösch, die bei der Ausstellungseröffnung in die Werke von F.Friz einführen wird, werden um diese Zeit anwesend sein. Museum Welzheim Foto: Alexandra Palmizi © Palmizi / ZVW
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Ausstellung Sonderausstellung "Friedrich Friz" Die Initiatorin der Ausstellung, Reka Friz, und Gabriele Rösch, die bei der Ausstellungseröffnung in die Werke von F.Friz einführen wird, werden um diese Zeit anwesend sein. Museum Welzheim Foto: Alexandra Palmizi © Palmizi / ZVW

Welzheim. Thomas Friz beschreibt seinen Großonkel, den Welzheimer Maler Friedrich Friz, als ruhigen Zeitgenossen. So oft wie möglich schnappte der sich Hocker und Mal-Utensilien und ging auf Motivsuche. Hunderte Werke hat dieser etwas in Vergessenheit geratene Welzheimer gemalt. Nun zeigt das Museum Welzheim eine Sonderausstellung über Friedrich Friz: „Bunt in dunklen Zeiten“. Grund dafür ist auch, dass eine Frau verliebt in seine Bilder ist.

Video: Nachfahre Thomas Friz über Maler Friedrich Friz und seine Werke.

Bei der Frau handelt es sich um Reka Friz, Ehefrau von Thomas Friz. Maler Friedrich Friz ist der Bruder seines Großvaters. Der war ziemlich produktiv. Als Reka Friz dann feststellte, was der Vorfahre ihres Ehemannes an schönen Bildern gemalt hat, war sie „begeistert und verliebt“. Dieser Maler, 1900 in Welzheim geboren, habe es verdient, mehr Bekanntheit zu erlangen, ist ihre Meinung. Eine Sonderausstellung über Maler Friedrich Friz ist nun im Museum zu sehen. Die Einführung in die Ausstellung und in das künstlerische Schaffen übernimmt die Kunsthistorikerin Gabriele Rösch, Leiterin der Städtischen Kunstsammlung Murrhardt. Auch Familienangehörige werden am Sonntag, 21. August, ab 11 Uhr bei der Vernissage da sein und vielleicht einige Anekdoten zum Besten geben.

Der Maler Friedrich Friz, gestorben 1983, wäre im Juni dieses Jahres 116 Jahre alt geworden. Zwei Weltkriege und persönliche Schicksalsschläge prägten den Lebenslauf des eigenwilligen Welzheimers, der in seinen Bildern die schönen Seiten des Lebens festhielt. Seine Nachfahren bezeichnen Friz als einen „Unangepassten, dessen roter Faden in einem unruhigen Leben seine Liebe zur Malerei war“.

Kuratorin Gabriele Rösch würdigt den Welzheimer Maler, der ein Autodidakt war. Anders als viele künstlerische Zeitgenossen stammte er aus einfachen Verhältnissen. Ohne bürgerliches Umfeld sei er seinen Weg gegangen! Die Liebe zur Malerei hat ein belgischer Maler entfacht, dem Friedrich Friz als Jugendlicher begegnete. Er war sofort fasziniert und wollte Kunstmaler werden. Nach einer Malerlehre in Heilbronn zog er für eine Gesellenstelle nach München, dem Mekka für Galerien und Kunstinteressierte. In der bayerischen Hauptstadt nahm er neben seiner Arbeit Unterricht in Zeichnen und Malerei, bevor er sich 1921 in der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe immatrikulierte. Dort war er Schüler des Professors August Babberger, dessen expressionistische und moderne Auffassung von Landschaften für Friedrich Friz prägend war. Sowohl die Kunst Babbergers als auch Friedrich Friz’ stieß bei den Nationalsozialisten auf wenig Gegenliebe. Nach beendetem Studium zog er 1929 wieder nach Welzheim, um sein Leben als Künstler aufzunehmen. Zehn Jahre später begann der Zweite Weltkrieg. Kaum hatte er den Arbeitsdienst beendet, ließ er sich bei Bauknecht, damals Rüstungsindustrie, als Betriebsmaler verpflichten, um nicht zum Heeresdienst eingezogen zu werden, schildern seine Nachfahren. Chronischer Geldmangel habe ihn gezwungen, hauptberuflich seinem erlernten handwerklichen Beruf nachzugehen: Er strich auch mal die Zimmer seiner Mitbürger.

Friedrich Friz verwendete die Farben des Eindrucks

Besonders Thomas Friz ist an den äußeren Umständen interessiert, die das Leben seines Großonkels beeinflussten. Er listet auf: zwei Weltkriege, dazwischen die Wirtschaftskrise, dann die Nachkriegsjahre. Friedrich Friz sei unpolitisch gewesen. Die besten Jahre seines Vorfahren fanden jedoch unter schwierigen, mitunter prekären Verhältnissen statt. Doch Friedrich Friz malte, flüchtete vielleicht sogar in die Malerei. Die Ausstellung zeigt besonders die Landschaftsmalerei, der sich Friz mit Vorliebe widmete. Bunte Landschaften mit gelben Heuhäufen und arbeitende Menschen vor natürlicher Kulisse – auch in Welzheim.

„Er verwendet die Farben des Eindrucks, nicht die natürlichen Farben“, sagt Thomas Friz, als er die Bilder betrachtet. Wer male denn lilafarbene Bäume? Und doch sei der Betrachter nicht irritiert. Das Lila wirke natürlich. „Die Bilder zeigen die ruhige Welt.“ Die Malerei sei der Ruhepunkt von Friedrich Friz gewesen. Er habe jede freie Minute genutzt, um zu malen. Wenn Zeit und Geld vorhanden waren, ist er auch verreist, mit 80 noch nach New York!

Gabriele Rösch geht ins Detail: Friz habe viel mit Aquarellfarben gearbeitet, auch weil diese günstiger als Ölfarben waren. Er habe viel probiert, habe verschiedene Stilrichtungen angewendet, sei sich dabei aber immer treu geblieben. Sein interessantes Werk habe es wirklich verdient, nicht in Vergessenheit zu geraten. Eine Großnichte von Friz hält fest: „Die harten Zeiten und auch die miterlebten Bombennächte in Stuttgart sieht man Friz’ Bildern nicht an. Ihre Leuchtkraft, Farbschönheit und die traumhafte Sicherheit ihrer Komposition machen sie unverwechselbar.“ Friz sei nach draußen gegangen, um die Natur und die Stimmung aufzunehmen, und habe auch seine persönliche Stimmung in die Bilder einfließen lassen. Die typische, dominante Linienführung ziehe sich durch Hunderte Aquarelle, Ölbilder und Bleistiftzeichnungen, auf denen er seiner Heimatstadt Welzheim, aber auch Landschaften und Dörfern der Umgebung ein Denkmal gesetzt habe. Eine Verkaufsausstellung ist es nicht, hält Thomas Friz fest. Schon Friedrich Friz habe keine Bilder verkauft. Darum hat er seinen Nachkommen einen Bilderschatz vermacht, in den sich Reka Friz verliebt hat.

Sonderführungen

Einen Einblick in das Werk von Friedrich Friz gibt die Ausstellung „Bunt in dunklen Zeiten“ mit Bildern aus den 40er und 50er Jahren. Zu sehen ist sie bis zum 30. Oktober an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 in der Pfarrstraße 8. Sonderführungen sind möglich: 0 71 82/80 08-51.